Auf einigen Bahnen ist auf einer Länge von jeweils mehreren Metern Beton aufgetaucht. © Stephan Rape
An der L474

Mysteriös: Beton taucht in Maisfeld oberhalb des Amprion-Tunnels auf

Es ist mysteriös. Mitten in einem Legdener Maisfeld an der L474 ist Beton aufgetaucht. Großflächig. Das Feld liegt oberhalb des Amprion-Tunnels. Wir sind der Sache auf den Grund gegangen.

Wie aus dem Nichts ist in einem Maisfeld an der L474 Beton aufgetaucht. Mehrere Reihen des Feldes jeweils auf einer Länge von mehreren Metern sind betroffen. Die Stelle liegt oberhalb des Tunnels für die 380kV-Stromleitung, den Amprion derzeit bauen lässt.

Die Fläche bewirtschaftet ein Pächter mit verschiedenen Sorten Mais. Dabei geht es darum, auszuwerten, welche Sorten besonders gut gedeihen. Für eine Untersuchung ließ der Pächter kürzlich einige Reihen Mais direkt an der L474 ernten. Dabei wurde der Beton im Feld entdeckt.

Pächter und Gemeinde überrascht

Weder der Pächter noch die Gemeindeverwaltung hatten bis Freitag überhaupt etwas von dem Beton mitbekommen. Mit beiden sprach die Redaktion. Der Pächter, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, sagte: „Das höre ich jetzt gerade zum ersten Mal.“

Zentrale Frage: Hat der Beton irgendetwas mit dem Tunnelbau zu tun? Das Feld liegt auf der Trasse und nur wenige hundert Meter entfernt kam es im Juli noch zu einem Tagebruch, bei dem auch Beton verfüllt wurde. Oder aber hat irgendwer dort seinen Betonmischer ausgespült?

Einige Reihen Mais wurden auf dem Feld bereits zu Testzwecken geerntet. Dabei wurde der Beton entdeckt.
Einige Reihen Mais wurden auf dem Feld bereits zu Testzwecken geerntet. Dabei wurde der Beton entdeckt. © Stephan Rape © Stephan Rape

Letztes hält zumindest der Pächter für wenig realistisch. Nachfrage bei Amprion. Auch Projektleiter Jonas Knoop zeigt sich überrascht von der Nachricht. „Mir liegt dazu bisher nichts vor.“ Unmittelbar im Anschluss setzt Amprion aber alle Hebel in Bewegung.

Noch am Freitagmittag wurde Kontakt mit der bauausführenden Firma aus Bocholt aufgenommen. „Diese steht jetzt im Kontakt mit dem Pächter“, berichtet Jonas Knoop nur eine Stunde später im erneuten Gespräch mit der Redaktion. Ebenfalls stehe man im Kontakt mit dem Eigentümer der Fläche.

Amprion nimmt die Sache ernst

Wohlgemerkt: Alles für den Fall der Fälle. Denn aktuell ist noch nicht klar, wie der Beton in das Feld gelangt ist. Jonas Knoop sagt dazu: „Wir wissen noch nicht, ob es im Zusammenhang mit dem Tunnel steht, können es aber auch nicht ausschließen.“

Da die Lage aber innerhalb der Trasse ist, nimmt Amprion die Angelegenheit sehr ernst. Das wird im Gespräch deutlich. „Läge das komplett abseits dieser, wäre es etwas anderes“, macht Knoop deutlich. So aber unternehme man alles, um der Sache auf den Grund zu gehen.

Die Bilder belegen: Zuerst war der Mais da, dann kam der Beton.
Die Bilder belegen: Zuerst war der Mais da, dann kam der Beton. © Stephan Rape © Stephan Rape

Nach Recherchen der Redaktion handelt es sich womöglich um sogenanntes Bentonit. Dieser spezielle Bentonit-Zement festigt den Untergrund bei Bauarbeiten. Laut dem Wissensmagazin „Spektrum“ dichtet die Zementmischung unter anderem Fundamente gegen Sickerwasser ab.

Gemeinde sucht das Gespräch

So oder so: Für die Gemeindeverwaltung besteht derzeit kein Grund zum Handeln, wie Bürgermeister Dieter Berkemeier sagt. „Die Stelle im Feld ist ja nicht gefährlich und es handelt sich um eine Privatfläche.“ Am Montag wolle man aber seitens der Verwaltung Kontakt mit der ausführenden Firma aufnehmen.

Diese wiederum will sich, so erklärt es der Amprion-Projektsprecher, mit dem Pächter der Fläche am Montag, 27. September, vor Ort treffen und das Ganze gemeinsam in Augenschein nehmen. Details würden derzeit noch geklärt.

Handelt es sich um Bentonit-Zement? Das wird die Untersuchung vor Ort zeigen.
Handelt es sich um Bentonit-Zement? Das wird die Untersuchung vor Ort zeigen. © Stephan Rape © Stephan Rape

Dann wird sich mutmaßlich auch zeigen, um welchen Stoff es sich handelt und wie er auf das Feld gelangt ist. Für den Fall, dass dafür tatsächlich der Tunnelbau verantwortlich sein sollte, stellt Jonas Knoop bereits in Aussicht, dass man die Sache zügig aus der Welt schaffen werde.

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