Der Tunnel von Amprion verläuft durch Legden und soll 1300 Meter lang werden. In der vergangenen Woche kam es wegen der Bohrung im Tunnel zu einem Tagebruch. © Amprion
Amprion-Interview

Nach Tagebruch in Legden: „Keine erneuten Schäden zu erwarten“

In Legden kam es vergangene Woche zu einem Tagebruch, bei dem ein Privat-Garten und ein Gehweg abgesackt sind. Wir haben ein ausführliches Interview mit Dr. Christoph Gehlen von Amprion geführt.

Amprion ist ein deutscher Übertragungsnetzbetreiber und verlegt in Legden zurzeit eine 380kV-Stromleitung. Dafür wird ein Tunnel unter der Gemeinde gebohrt. Die Arbeiten laufen seit April. Vergangene Woche sind dabei in Legden ein Garten sowie ein Teil eines Gehwegs abgesackt. Grund dafür war ein Tagebruch, der durch die Bohrungen im Amprion-Tunnel ausgelöst wurde.

Über Ursachen und Auswirkungen des Tagebruchs sprachen wir im Interview mit Dr. Christoph Gehlen, bei Amprion verantwortlich für die Freileitungs- und Kabelprojekte.

Bei großen Projekten kann immer mal was schiefgehen. Warum kam es in diesem Fall zu dem Tagebruch?

Zunächst einmal ist es wichtig, dass es sich um einen lokal begrenzten Vorfall handelt und keine Person zu Schaden gekommen ist. Auslöser für den Tagebruch war eine lokale – wie wir sagen – Unstetigkeitsstelle im Baugrund. Diese konnte leider durch unsere Untersuchungen, die wir im Vorfeld mit der gebotenen Sorgfalt durchgeführt haben, nicht erfasst werden.

Fand die Bohrung zur Zeit des Tagebruchs direkt unterhalb des Gartens statt oder war die Bohrung schon weiter fortgeschritten?

Zu dem Zeitpunkt, an dem das Loch entstanden ist, haben die Vortriebsarbeiten direkt unterhalb des Gartens in rund zwölf Metern Tiefe stattgefunden. Anders als die Untersuchungen vorher erkennen ließen, gab es im Bereich unterhalb des Gartens sandige Veränderungen des Mergelbodens. Die haben dann zu dem Tagebruch geführt.

Wie viel Kubikmeter Gestein, Sand, Erde sind da insgesamt verrutscht?

Wir gehen von rund 40 Kubikmetern aus.

Welche Maßnahmen hat Amprion ergriffen, nachdem die Schäden bekannt wurden?

Zunächst einmal war es wichtig, die Bohrung direkt zu stoppen und auf die Suche nach der Ursache zu gehen. Wir haben dann selbstverständlich parallel Kontakt zum Eigentümer und der Gemeinde Legden sowie der Bezirksregierung Münster aufgenommen. Als es klar war, dass die beschriebene Unstetigkeit der Auslöser gewesen ist, haben wir zur Sicherheit noch weitere Bodenuntersuchungen durchgeführt. So eine technische Analyse kann dann auch mal etwas dauern. Sie war aber die Basis dafür, dass wir auch die Öffentlichkeit dann informieren konnten. Die Untersuchungen haben dann ergeben, dass keine erneuten Tagebrüche zu erwarten sind. Daraufhin haben wir am Donnerstag die Tunnelbohrmaschine wieder anfahren lassen, allerdings angepasst an die Verhältnisse im Baugrund.

Wie fällt Ihre Risikoanalyse aus: Können Sie weitere Schäden ausschließen?

Die Ergebnisse der Bodenuntersuchungen haben wir in der vergangenen Woche noch einmal durch weitere Bodenproben ergänzt. Nach unseren Erkenntnissen sind weitere Tagebrüche nicht zu erwarten, sodass wir die Tunnelarbeiten mit gutem Gewissen fortführen können.

Was sagt Amprion zu Vorwürfen, das Ereignis in Absprache mit Geschädigten bewusst klein gehalten zu haben?

Diese Vorwürfe entbehren jeglicher Grundlage. Ein solches Handeln entspricht nicht unseren Grundsätzen einer transparenten Kommunikation. Nach den Tagebrüchen sind wir vor Ort direkt in den Austausch getreten, insbesondere mit dem betroffenen Grundstückseigentümer und der Gemeinde. Dabei ging es in erster Linie darum, weitere Schäden zu vermeiden und schnellstmöglich die Ursache für die Tagebrüche herauszufinden, um mit gesicherten Informationen an die Öffentlichkeit gehen zu können. Sobald es uns möglich war, haben wir immer offen über den Vorfall gesprochen und tun alles dafür, dass dies nicht noch einmal passiert. Und natürlich werden wir die entstandenen Schäden auch zu hundert Prozent beseitigen.

Beeinflussen die aufgetretenen Schäden die zeitgerechte Fertigstellung des Tunnels?

Wir haben durch den Stillstand der Maschine natürlich ein paar Tage verloren, die aber keine Auswirkung auf den Gesamtzeitplan des Projektes haben.

Welche Bedeutung hat dieser Energietunnel für Sie und wie wichtig ist ein erfolgreicher Abschluss der Arbeiten?

Der Energietunnel ist ein Teil der Verbindung Dörpen-Niederrhein. Diese Leitung ist wichtig für die Integration der erneuerbaren Energien in unser Netz, denn wir müssen ja den Windstrom aus dem Norden in die Verbrauchsschwerpunkte in der Mitte und in den Süden von Deutschland transportieren. Der Gesetzgeber hat diese Leitungsverbindung als Pilotprojekt ausgewiesen, in dem wir als Übertragungsnetzbetreiber erste Erfahrungen mit sogenannten Teilerdverkabelungen gewinnen sollen – also mit Verbindungen, die sowohl über als auch in bestimmten Abschnitten unter der Erde verlaufen.

Für Amprion ist dieses Projekt etwas Besonderes. Energietunnel in der hier vorliegenden Leistungsklasse sind Neuland und haben echten Pilotcharakter. Hier sammeln wir zusammen mit den ausführenden Firmen wertvolle Erfahrungen für anstehende Vorhaben, in denen wir mit Erdkabeln große Hindernisse queren müssen. Insgesamt stellen wir hier in Legden auch eine breite Unterstützung der Bürger für das Projekt fest.

Über die Autorin
Redakteurin
Laura Schulz-Gahmen, aus Werne, ist Redakteurin bei Lensing Media. Vorher hat sie in Soest Agrarwirtschaft studiert, sich aber aufgrund ihrer Freude am Schreiben für eine Laufbahn im Journalismus entschieden. Ihr Lieblingsthema ist und bleibt natürlich: Landwirtschaft.
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Laura Schulz-Gahmen

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