Neue Ausgleichsflächen schaffen

Leben für den Mühlenbach

Noch sieht alles nach Baustelle aus. Bagger transportieren Erde vom Legdener Mühlenbach ein paar Meter weiter Richtung Ahauser Straße. Wiese und Grasacker sind verschwunden. Doch in wenigen Monaten wird die Natur sich das Gelände wenige Bachmeter abwärts des Grillplatzes Neue Mühle zurückholen.

LEGDEN

von Ronny von Wangenheim

, 27.01.2016, 18:32 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die kleine Senke soll Amphibien anlocken.

Die kleine Senke soll Amphibien anlocken.

Röhricht soll am Mühlenbach und an einer kleinen Senke wachsen. Libellen werden sich dort genauso tummeln wie Kröten und Molche. Und auch Vögel sollen durch die neue Vegetation angelockt werden. Die Stiftung Kulturlandschaft, eine Tochter des Kreises Borken, setzt hier in Kooperation mit der Gemeinde eine Ausgleichsmaßnahme um und hat dafür bereits vor zwei Jahren das Grundstück gekauft.

Ersatz für Wald

Solche Ausgleichsflächen müssen geschaffen werden, wenn Natur verschwindet, wie jetzt auf den 3,7 Hektar, die für das nahe Gewerbegebiet Heying Esch erschlossen werden. Dort wurde Wald gerodet. Am Mühlenbach wird jetzt aber mehr gemacht, als nur für einen Ersatz von Wald zu sorgen. Zwar wird hier ein neuer Laubwald entstehen, für den im Frühjahr auf 1,2 Hektar Eichen, Rot- und Hainbuchen gepflanzt werden. Aber die Stiftung Kulturlandschaft nutzt die Gelegenheit. "Wir wollen einen ökologischen Mehrwert schaffen", verweist Norbert Stuff als Vertreter der Stiftung auf die europäische Wasserrahmenrichtlinie.

Wer jetzt vom Grillplatz bachabwärts schaut, sieht, dass der Bach stark verbreitert wurde: an den breitesten Stellen von zwei auf mehr als sieben Meter. Das Ufer ist stark abgeflacht und mehrere Meter breit. "Die meisten Bäche fließen streng geradeaus", sagt Stuff, "so verschwindet Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen."

Der Mühlenbach ist jetzt nicht mehr gleichförmig. Und er wird seinen Lauf weiter verändern. In diesen Tagen werden Baumstämme in dem Bach verankert, die als Strömungslenker dienen. Prall- und Gleitufer entstehen. So kann sich entweder Wasser in die Böschung hineinfressen oder sich Sand und Sediment ablagern. "Da kann der Bach jetzt spielen", sagt Stuff und blickt zufrieden auf das fließende Wasser. Kolke, also Strudellöcher, oder Sandbänke werden sich bilden und neuen Lebensraum bieten.

Stillgewässer für Frösche

Ein paar Meter weiter wurde eine Senke angelegt, 20 mal 50 Meter groß und einen dreiviertel Meter tief. Auch hier wird Röhricht und Seggenried angepflanzt, das sich schnell ausbreiten soll. "Viele Vogelarten sind an das Röhricht gebunden", erläutert Stuff. Und auch Amphibien brauchen Stillgewässer.

An Vögel und Bienen wird gedacht, wenn um den Wald ein zwei Meter breiter klassischer Waldrand mit Weißdorn, Eberesche, Schlehen oder Feldrosen entsteht. Der Bereich zwischen Bach und neuem Wald wird eingezäunt. Hier werden Jungrinder grasen, die dem früheren Besitzer des Grundstücks gehören. Im April soll alles fertig sein. Nur schade eigentlich, dass man vom nahen Erholungsgebiet Neue Mühle aus nicht am Bach entlang wandern kann.

 

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