Neue Dünge-Verordnung: Landwirte loben Land und kritisieren Bundesrat

mlzLandwirtschaft

Landwirt Christian Bomberg ist sauer: Die Novellierung der Düngeverordnung durch den Bund zeigt ihm, dass nicht auf die Bauernproteste reagiert wurde. Lob hat der Legdener aber für das Land.

Legden

, 31.03.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wie oft sind die Landwirte im vergangenen Jahr auf die Straße gegangen. Und was hat es genutzt: „Ich bin persönlich erschrocken“, sagt Christian Bomberg, „wir haben ja nicht aus Spaß demonstriert. Und jetzt wurde überhaupt nicht darauf reagiert.“ Die Novelle der Düngeverordnung wurde in der vergangenen Woche erst auf Landesebene und dann auf Bundesebene verabschiedet.

Dabei sieht der Vorsitzende des landwirtschaftlichen Ortsvereins Legden die Sache differenziert. Kritik hat er vor allem am Bundesrat. Dieser hat die Düngung von Zwischenfrüchten verboten. Für Christian Bomberg ist das komplett unverständlich.

Neue Regelung ist klimaschädlich

Zwischenfrüchte, das sind zum Beispiel Senföl oder Rettich. Sie stehen den Winter über, zwischen zwei Kulturen, auf dem Feld und sorgen für den Humusaufbau. „Das fördert die Lebewesen im Boden, bindet die Nährstoffe im Boden und dient als Erosionsschutz“, so erklärt Christian Bomberg. Er betont: „Pflanzen brauchen Nährstoffe.“ Und die bekommen sie eben bei der Düngung.

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„Diese Regelung ist klimaschädlich“, sagt auch Ludger Schulze Beiering als Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Borken im Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband (WLV) in einer Stellungnahme. „Als Bauernverband sind wir verärgert darüber, dass viele der von uns bis zuletzt massiv vorgetragenen wissenschaftlich-begründeten und auf eine gute fachliche Praxis zielenden Bedenken nicht gehört wurden“, sagt er und bezieht sich dabei auch auf das Thema Zwischenfrüchte.

Düngung wird bei roten Grundwasserkörpern eingeschränkt

Zweiter Kritikpunkt: der Umgang mit den Grundwasserkörpern. Schulze Beiering sagt dazu: „Leider haben Bundesregierung und Bundesrat am Freitag einen weniger praxisgerechten Ansatz verabschiedet und unter anderem pauschal die Düngung in Gebieten mit als rot eingestuften Grundwasserkörpern eingeschränkt.“

Lob dagegen gibt es von ihm für die Landesregierung NRW. Sie sieht die Binnendifferenzierung innerhalb der Grundwasserkörper vor. Auch Christian Bomberg sieht das so: „NRW ist Vorreiter mit einer sehr guten Landwirtschaftsministerin“. Die Neubewertung hat im Kreis Borken zur Folge, dass die Hälfte der vormals als rot bewerteten Gebiete jetzt auf grün gesprungen sind. In NRW gibt es 275 Grundwasserkörper und rund 1400 Messstellen, die für die Neubewertung untersucht wurden.

In Legden stehen alle Zeichen auf Grün

In Legden sah es bislang schon gut aus. Nur ein schmales Band, das von Gescher kam, stand auf Rot. „Hier ist jetzt alles grün“, so Bomberg. Er zitiert frühere Messungen, die zeigten, dass der Nitratgehalt für die Legdener Messstelle unter 5 Milligramm pro Liter lag, der Grenzwert liegt bei 50 Milligramm.

Für Ludger Schulze Beiering sind für diese positive Entwicklung neben der Neubewertung auch die gemeinsamen Anstrengungen von Wasserschutzberatung und Landwirtschaft im Kreis Borken verantwortlich. Auch Bomberg verweist auf Anstrengungen der Landwirtschaft: „Es ist ja ein Hauptanliegen von uns, das Grundwasser zu schützen.“

Landwirte haben viel investiert

Christian Bomberg ist in diesen Tagen unterwegs auf seinen Feldern. Nach dem nassen Februar sind er und die anderen Landwirte spät dran mit der Getreidedüngung und Frühjahrsbestellung. Er ist überzeugt, dass intensive Landwirtschaft und nachhaltiger Gewässerschutz sich nicht ausschließen. Erst jetzt, so der Legdener Landwirt, zahle sich langsam aus, was seit der letzten Nivellierung 2017 alles passiert sei. Er nennt bodennahe Ausbringung, bessere Lagerung als Stichworte und sagt: „Wir haben alle viel investiert.“

Dass die Bestimmungen noch straffer würden, kann er nicht nachvollziehen. Er ist überzeugt, dass es Klagen geben wird. Auch Ludger Schulze Beiering sieht das so: „Als Verband werden wir das Gesetz in den nächsten Tagen selbstverständlich auf eventuelle Klagemöglichkeiten und -chancen prüfen.“

Er mahnt allerdings auch, den Blick nach vorne zu richten. Für die zusätzlichen Verschärfungen für die roten Gebiete sei noch etwas mehr Zeit bis zum 1. Januar 2021. Schulze Beiering: „Ebenfalls Hoffnung dürfen wir daraus schöpfen, dass es zusätzliche Fördermöglichkeiten für die Betriebe zur Bewältigung der Herausforderungen geben wird.“

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