Raphael Pier, der in Asbeck aufgewachsen ist, lebt in New York und hat miterlebt, wie durch den Sturm auf das Kapitol ein Land erschüttert wurde. © privat
Ausschreitungen

New Yorker über Sturm auf Kapitol: „Das waren rechtsradikale Terroristen“

Nach den Ausschreitungen in Washington, bei dem vier Menschen starben, haben wir mit einem gebürtigen Asbecker gesprochen, der in New York wohnt und arbeitet. So erlebte er die Situation.

Raphael Pier, der in Asbeck aufgewachsen ist, ging Mitte 2018 zum Studieren nach New York und ist dort heute Filmproduzent und Editor. Er ist geschockt über den „Sturm auf das Kapitol“ und die Machenschaften von Noch-Präsident Donald Trump. Mehr denn je fiebert er den Amtsantritten des designierten Präsidenten der Vereinigten Staaten Joe Biden und seiner Vize-Präsidentin Kamala Harris entgegen.

Raphael Pier steht Präsident Donald Trump „sehr kritisch gegenüber“ und sagt selbst über den scheidenden Präsidenten: „Es gibt wirklich nicht viel Positives über ihn zu berichten. Wir alle hier in New York können den 20. Januar nicht abwarten.“

Der 20. Januar wird der Tag sein, auf den die Demokraten im Land gefühlt eine Ewigkeit gewartet haben. Dann wird Joe Biden als neuer und 46. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika vereidigt werden.

Asbecker spricht von „rechtsradikalen Terroristen“

Den 6. Januar 2021 werden viele Amerikaner wohl nie vergessen. Es wird für sie immer der Tag sein, an dem ein amerikanischer Präsident indirekt dazu aufgerufen hat, das Kapitol zu stürmen und bei dem vier Menschen ihr Leben ließen. Auch Raphael Pier ist noch immer geschockt.

Er war gerade unterwegs, als gegen 14 Uhr amerikanischer Zeit plötzlich sämtliche Apps Push-Nachrichten auf sein Handy schickten, alle handelten von dem Sturm auf das Kapitol. Dann verfolgte er diverse Nachrichtensender und die App sowie die Website der New York Times. „Aus meiner Sicht waren das auch keine politischen Aktivisten, sondern rechtsradikale Terroristen“, sagt er im Gespräch mit der Redaktion am Donnerstagnachmittag.

Schlimmsten Befürchtungen übertroffen

Gehofft hatte der Filmproduzent darauf, dass Donald Trump lediglich seinen Behauptungen treu bleibt, aber trotzdem still und leise das weiße Haus verlassen würde. Seine schlimmste Befürchtung war, dass Trump das Weiße Haus am 20. Januar nicht verlassen würde und die Nationalgarde ihn herausholen muss.

Der 28-Jährige sei wie viele New Yorker von den Nachrichten und den Bildern rund um das Kapitol und die Trump-Anhänger geschockt gewesen. „Gerade unter Trump hatte man ja das Schlimmste befürchtet“, sagt er. Aber, dass Trumps Anhänger auf diese Art und Weise in das Kapitol eindringen konnten, das habe alles übertroffen. „Auch die Nationalgarde ist relativ spät eingeschritten“, sagt Raphael Pier.

„Man kann Trump kein einziges Wort glauben“

Der ehemalige Asbecker sagt: „Trump hat jetzt offenbar gesagt, er wolle den Weg für Biden doch frei machen. Aber man kann ihm ja kein einziges Wort glauben. Ich bin immer noch sprachlos.“

Raphael Pier hofft auf eine positivere Zukunft, mit Joe Biden als Präsident und Kamala Harris als Vize-Präsidentin.
Raphael Pier hofft auf eine positivere Zukunft, mit Joe Biden als Präsident und Kamala Harris als Vize-Präsidentin. © privat © privat

Als Joe Biden am 7. November 2020 als Wahlsieger feststand, „da war die ganze Woche Party und Aufbruchstimmung in New York, so glücklich waren die Leute darüber“, berichtet der Wahl-New Yorker. „Es war einfach gut zu wissen, dass die Zukunft jetzt strahlender aussehen wird.“

„Teilweiser Zerfall der Demokratie“

Doch jetzt, nach dem durch Donald Trump herbeigeführten Ansturm auf das Kapitol, seien auch in den sozialen Medien noch nachhaltig Menschen geschockt. Vor allem über die Unverhältnismäßigkeit. „Im Sommer waren richtige Polizeiaufgebote bei den Demos der Black-Lives-Matter-Bewegung in Washington. Gestern waren gefühlt nur drei Polizisten am Kapitol“, sagt Raphael Pier.

Trotz dieses „unsäglichen Ereignisses“, wie Raphael Pier es selbst nennt, hofft der gebürtige Asbecker, dass man jetzt positiv in die Zukunft blicken kann, „mit Biden und Kamala Harris und dem Senat in demokratischer Hand. Jetzt geht es ums Aufräumen, nach dem teilweisen Zerfall der Demokratie.“

Über die Autorin
Redakteurin
Laura Schulz-Gahmen, aus Werne, ist Redakteurin bei Lensing Media. Vorher hat sie in Soest Agrarwirtschaft studiert, sich aber aufgrund ihrer Freude am Schreiben für eine Laufbahn im Journalismus entschieden. Ihr Lieblingsthema ist und bleibt natürlich: Landwirtschaft.
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Laura Schulz-Gahmen

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