Der 83-jährige Karl Wessing bei seiner ersten Corona-Impfung. Er nutzte das Impfmobil, bei dem am Sonntag alle Impfwilligen ohne Termin einen "Pieks" gegen den Coronavirus erhalten konnten. © Astrid Witte
Coronavirus

„Pieks“ am Impfmobil – „um gesellschaftlich nicht als Impfgegner dazustehen“

Mit 83 war er der älteste Impfwillige an diesem Tag: Karl Wessing. Der gebürtige Vredener bekam am Sonntag endlich die langersehnte Corona-Impfung – am Impfmobil. Wie war die Resonanz insgesamt?

Das Warten hatte für viele Legdenerinnen und Legdener an diesem Wochenende ein Ende. Das Impfmobil, ein Bus des DRK-Kreisverbandes Borken, machte am Sonntag Halt am Kirmesplatz in Legden. Alle Personen ab 16 Jahren konnten sich ohne Termin impfen lassen.

Und die Impfbereitschaft war groß. Schon eine gute halbe Stunde vor Beginn standen die ersten in der Schlange für den Pieks. Unter ihnen der 83-jährige Vredener Karl Wessing, der in Begleitung einer Pflegerin aus der Legdener Kurzzeitpflege war. Er habe schon vor einiger Zeit ein Impfangebot erhalten, jedoch zunächst abgelehnt. „Ich selbst wollte wohl, aber ich war zu bequem dafür und meine Frau war dagegen“.

Sohn löst Sinneswandel bei dem Senioren aus

Der plötzliche Sinneswandel des ehemaligen Sozialdienstmitarbeiters kam durch einen seiner Söhne. „Mein Sohn, der in Berlin lebt, hat sich, auch mir zuliebe, sofort impfen lassen. Er hat es mir danach sofort ans Herz gelegt und gesagt, dass es eine gute Sache ist. Darum bin ich jetzt hier“.

Laut dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) des Kreises Borken kommt die Personengruppe dieses Alters allerdings nur noch vereinzelt vor. Patienten in diesem hohen Alter hätten in der Regel durch die Priorisierung schon am Anfang des Impfmarathons die Impfung erhalten.

Rund 70 Menschen nutzen am Sonntagmittag die Gelegenheit, sich am Impfmobil den
Rund 70 Menschen nutzen am Sonntagmittag die Gelegenheit, sich am Impfmobil den “Pieks” gegen Corona verabreichen zu lassen. Das ging ohne Termin und deswegen nicht ohne Wartezeit. © Astrid Witte © Astrid Witte

Im Juni diesen Jahres wurde die Priorisierung dann aufgehoben. Die Impftermine wurden knapp. Auch in Legden gab es viele Menschen, die bisher noch kein Impfangebot erhalten haben und auch erfolglos versucht hatten, bei ihren Hausärzten einen Impftermin zu ergattern. Das Impfmobil kam nun vielen dabei entgegen.

Der Bus tourte schon durch Isselburg, Bocholt, Borken, Raesfeld und Stadtlohn. Am Sonntag steuerte das Impfmobil auch noch in der Mittagszeit Schöppingen und am Abend Heek an. Südlohn und Ahaus sollen noch folgen. Wie lange das Impfmobil noch unterwegs ist, ist noch unklar, hieß es am Sonntag vor Ort.

Bei dem „Pieks-to-go“ können die Impfwilligen je nach Vorrat zwischen BioNTech und Johnson & Johnson wählen. Allein in Legden wurden rund 70 Personen geimpft. Ein Paar aus dem Ruhrgebiet ist extra für das Johnson und Johnson Vaccine nach Legden gekommen. „Wir wollten unbedingt mit Johnson & Johnson geimpft werden, und im Ruhrgebiet gab es aktuell keine Möglichkeit diesen Impfstoff zu bekommen. Wir haben von dem Impfmobil zufällig gelesen und sind sofort aus Marl angereist“, so das Paar.

Viele ohne Auto scheuen den Weg nach Velen

Bei den meisten ist es eher umgekehrt. „Viele haben kein Auto und wissen nicht wie sie nach Velen kommen sollen“, so Bettina Hammerström, Schichtkoordinatoren des Impfzentrums. „Zum Impfzentrum fahren eher die jungen Leute hin“, so ein DRK-Mitarbeiter. Der Impfbus eigne sich für sozial schwächere, die kein Auto haben oder sich kein Bus oder Taxi nach Velen leisten können.

Bei einer Familie , die in Legden wartete, lag es an der deutschen Sprache. Für sie war es eine einfache Möglichkeit, den Impfbus zu nutzen. „Viele nutzen den Impfbus auch spontan oder weil sie in den Urlaub wollen“, sagte Bettina Hammerström.

Für viele der jungen und alten Besucher war es diese Bequemlichkeit, nicht weit fahren zu müssen am Sonntag war der Vorteil. Vor allem war es aber auch der Selbstschutz und zum Schutz der Mitmenschen, der sie zur Imfpung antrieb. Einige haben beruflich bedingt mit Menschen zu tun und wollen sich und andere schützen. „Ich arbeite in einem großen Unternehmen und habe dort viel Kundenkontakt. Ich möchte mich und die Kunden schützen“, so ein junger Mann.

„Mache es, um gesellschaftlich nicht als Impfgegner dazustehen“

Eine Frau aus Legden, die ihren Namen ebenfalls nicht nennen wollte, möchte vor allem mit der Impfung ihre Mutter schützen. Sie hätte sich schon eher impfen lassen können, doch sie war vom Kopf her noch nicht so weit. „Alles war neu und ich war seelisch noch nicht darauf vorbereitet. Jetzt mache ich es, um gesellschaftlich nicht als Impfgegner dazustehen“, sagt sie.

Die Zweitimpfung des BioNTech-Vaccine wird nun allerdings im Impfzentrum in Velen und nicht am Mobil verabreicht. Das Impfmobil war ein voller Erfolg in Legden. Es soll ein Anreiz zum Impfen sein. „Der übriggebliebene Impfstoff muss nämlich an Hausärzten verteilt werden oder leider weggeschmissen werden“, so der DRK.

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