Plattdeutscher Frauenchor will endlich wieder singen

Suche nach Leiter

Sie alle singen leidenschaftlich gerne. Doch jetzt sitzen sie nur noch bei Kaffee und Kuchen zusammen. Es fehlt ein Chorleiter, der beim Legdener Frauenchor den Taktstock hebt.

LEGDEN

, 21.04.2016, 18:45 Uhr / Lesedauer: 2 min
Zehn von 22 Frauen des Chores trafen sich in dieser Woche im Haus Weßling zum Kaffeetrinken. Gerne würden sie auch wieder singen. Gehring

Zehn von 22 Frauen des Chores trafen sich in dieser Woche im Haus Weßling zum Kaffeetrinken. Gerne würden sie auch wieder singen. Gehring

"Es besteht die Gefahr, dass unser Chor zerbricht", sagt die Vorsitzende Ursula Zevenbergen. Seit Anfang des Jahres sind sie ohne musikalische Leitung.

Sie hat monatelang vieles versucht, hat alle Musiklehrer angerufen, hat beim Kreis Borken und auch beim Kreis Coesfeld nachgefragt. Bislang Fehlanzeige. "Gibt es denn keine Chorleiter mehr, die an einer Stunde Probe in der Woche, oder zwei Stunden in 14 Tagen interessiert sind?", fragt Ursula Zevenbergen.

Gegründet vor 38 Jahren

Immerhin 38 Jahre gibt es den Chor bereits, der sich auf alte Lieder, teils auch in plattdeutscher Sprache spezialisiert hat. Den 40. Jahrestag wollen die 22 Frauen feiern. Und das möglichst auch singend. Sie sind gut gerüstet. Viele Jahre hat Helen van Almsick den Frauenchor geleitet, der Teil des Heimatvereins ist. "Sie hat uns viel beigebracht", sagt Hedwig Schüttert und berichtet von Kanons und mehrstimmigem Gesang. Sie ist noch nicht so lange in dem Frauenchor. Es hat sie damals gereizt, so erzählt sie, dass man sich nur einmal die Woche für eine Stunde zur Probe trifft, es keine anstrengenden Probenphasen oder Probenwochenenden gibt.

Gertrud Bogenstahl dagegen ist eine der Frauen, die am längsten dabei ist. Sieben oder acht Frauen trafen sich anfangs im Wohnzimmer. Es wurden alte Lieder gesungen. "Am Brunnen vor dem Tore" oder "Die Gedanken sind frei". Küchenlieder, wie man damals sagte, oder Wanderlieder. "Nicht so perfekt", sagt die Legdenerin und lacht. "Jeder brachte ein Liederbüchlein mit. Das war richtig schön." Später dann hat die erste Chorleiterin Thea Hehenkamp Liederhefte vom Rundfunk bezogen. Singekreis nannten sich die Frauen ab da für viele Jahre. Ein Foto von 1978 zeigt sie in Tracht vor dem Haus Weßling.

Viele Auftritte

Viel ist seitdem passiert. Bei vielen Auftritten konnten die Legdener den Frauenchor erleben, sei es beim Heimatverein, beim Weihnachtssingen im Altenwohnhaus St. Josef, in der Reihe Dynamo in der Gnadenkirche oder bei Goldenen und Diamantenen Hochzeiten. Auch das Repertoire hat sich seit den Anfängen entwickelt. Immer wieder werden Lieder in plattdeutscher Sprache gesungen. Ein Hindernis auf der Suche nach einer neuen Chorleitung? Ursula Zevenbergen winkt ab. Der Chorleiter müsse nicht Platt sprechen können. "Plattdeutscher Gesang ist wieder im Kommen", sagt sie.

Ihnen allen ist wichtig, dass das alte Liedgut nicht vergessen wird. "Unsere Kinder kennen die Lieder nicht mehr", sagt Gisela Scheer. Die alte Tracht dagegen hat ausgedient. Inzwischen tragen die Frauen Schals - bunt wie ein Frühlingslied. Wer sich für den Frauenchor des Heimatvereins interessiert, sei es für die Chorleitung oder als neues Mitglied, kann sich an Ursula Zevenbergen wenden: Tel. (02566) 3329.

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