Projekt „Gemeinsam“ will Netzwerk schaffen

Für Patienten

Das Ziel ist ambitioniert: Aufbau eines Netzwerks in dem Hausärzte, Fachärzte, Alten- und Krankenpfleger und Therapeuten arbeiten - gemeinsam für den Patienten. Jetzt ist der Startschuss für das Projekt gefallen, das über drei Jahre gefördert wird.

LEGDEN

, 29.01.2016, 18:27 Uhr / Lesedauer: 2 min

"Gemeinsam" ist auch der Titel des Projekts, das Caritas Pflege und Gesundheit, die Legdener Hausarzt-Praxis Münsterland und die Dortmunder Gaus GmbH entwickelt haben. Der Untertitel beschreibt das Vorhaben: Professionsübergreifende Zusammenarbeit für ein menschlicheres Gesundheitssystem.

Damit setzen die drei Partner fort, was sie mit den Projekten "Gesund älter werden" und "Teilhabe am Leben" bereits begonnen haben. Es ist eines von 15 Siegerprojekten des Leitmarktwettbewerbs Gesundheit NRW und wird gefördert von der EU und dem Gesundheitsministerium.

Selbst bestimmtes Leben

"Wie kann ein Patient im häuslichen Umfeld so lange wie möglich ein selbst bestimmtes Leben führen", nennt Daniela Balloff, neben Martina Schrage Geschäftsführerin der Hausarzt-Praxis, die entscheidende Frage. Die Kommunikation zwischen Ärzten, Pflegern und Therapeuten, so die Legdenerin, sei oft nicht auf Augenhöhe. "Jede Profession hat sich selbst im Blick." Ein Beispiel: Ein älterer Mensch kommt nach einem Krankenhausaufenthalt nach Hause. Er hat Ergo- oder Physiotherapie bekommen und es geht ihm gut. Doch zu Hause fällt er in ein Loch. Therapien fallen weg.

"Innerhalb eines Monats baut er wieder ab", berichtet Daniela Balloff aus der Erfahrung. Für das Projekt kann jetzt getestet werden, wie es dem Patienten ergeht, wenn er Teil des Netzwerks ist. "Alle Beteiligten sprechen die gleiche Sprache, alle haben den gleichen Wissensstand", beschreibt Martina Schrage.

Dinge erproben

Bei 100 Patienten aus der Region wird bald die Netzwerkarbeit eingeführt. Ihre Behandlung läuft somit unter sehr guten Bedingungen ab. "In so einem Projekt kann man andere Dinge erproben. Das wird auch anders budgetiert", erläutert Martina Schrage. Mobile Reha, die beim Patienten zu Hause stattfindet, nennt sie als ein Beispiel. Natürlich ist auch die aktive Mitarbeit des Patienten Voraussetzung. "Er muss auch selber Übungen machen", so Martina Schrage, "die viel zitierte Gartenarbeit reicht nicht." Gezieltes Kraft- und Ausdauertraining ist dagegen empfehlenswert.

Damit das Beispiel Schule machen kann, soll ein Handbuch entstehen. Schrage spricht von "Schaufenster" und "Akademie" und meint damit den Aufbau eines Studien- und Trainingszentrums, in dem die Erfahrungen weiter gegeben oder Mitarbeiter geschult werden.

Transfer in andere Region

Dritter Teil des Projekts ist der Transfer. Mindestens in einer neuen Region soll es, so die Förderbedingungen, getestet werden. Erste Kontakte haben Martina Schrage und Daniela Balloff in der vergangenen Woche bei der Grünen Woche in Berlin geknüpft. Nicht nur, dass das Interesse vieler Besucher sehr groß war. Das Land Niedersachsen und auch eine Gemeinde im Sauerland haben Interesse gezeigt.

Ansprechpartner werden im Laufe des Projekts auch die Krankenkassen sein. Denn gute Betreuung kostet Geld. Kann aber auch Geld sparen, wenn Menschen länger allein zu Hause leben können. Martina Schrage und Daniela Balloff sprechen für alle Projektpartner: "Es kann nicht sein, dass so ein Projekt wenige Jahre gefördert wird und dann im Sande verläuft."

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