Friedrich Castelle war ein früher Förderer von Löns. Friedrich Castelle (rechts) und General Knochenhauer bei der Bestattung von Löns im Jahr 1935. © Archiv Historisches Seminar Münster
Nazi-Straßennamen

Propaganda für Hitler: Friedrich Castelle ziert in Legden Straßenschilder

In Legden gibt es drei Straßen, die vielleicht bald umbenannt werden. Der Grund: Sie haben einen nationalsozialistischen Hintergrund. Aber wer waren die Männer, die den Straßen ihre Namen gaben?

Drei Straßen sollen in Legden umbenannt werden, weil sie einen nationalsozialistischen Hintergrund haben. Das fordert eine Antragstellerin. Aber wer waren die Namensgeber der nach ihnen benannten Straßen in Legden?

Die drei Straßen, die in Legden demnächst möglicherweise umbenannt werden, sind die Friedrich-Castelle-Straße, der Lönsweg und die Wagenfeldstraße. Allen drei Namensgebern wird ein nationalsozialistischer Hintergrund nachgesagt.

Friedrich Castelle war ein „strong Nazi“

Die Benennung von Straßen nach berühmten Persönlichkeiten soll eine Ehrung und Würdigung ihrer Leistungen für die Gesellschaft darstellen. In der heutigen Zeit gibt es vielerorts Umbenennungen von Straßen, weil sie einen Bezug zu Nazis haben.

Eine der Straßen mit nationalsozialistischem Hintergrund, die umbenannt werden soll, ist die Friedrich-Castelle-Straße in Legden.
Eine der Straßen mit nationalsozialistischem Hintergrund, die umbenannt werden soll, ist die Friedrich-Castelle-Straße in Legden. © Schulze Beikel © Schulze Beikel

Ein Straßenname, der bereits in mehreren Kommunen geändert wurde, betrifft Friedrich Castelle. Er wurde am 30. April 1879 in Appelhülsen im Kreis Coesfeld geboren und gilt als „strong Nazi“, wie die Alliierten ihn in seinem Entnazifizierungsprozess einordneten. Ihm wurde also eine stark engagierte Tätigkeit für die NSDAP nachgesagt. Der promovierte Journalist und Autor soll die Nazis bereits vor dem Jahr 1933, also vor der Machtergreifung durch Adolf Hitler, unterstützt haben, indem er Schriften veröffentlicht hat.

Opfer politischer Unzuverlässigkeit

Nach der Machtübernahme durch die NSDAP diente er dem Regime in verschiedenen maßgeblichen Funktionen. Während des Krieges war er im besetzten Luxemburg Leiter des dortigen Rundfunksenders und einer Presse- und Nachrichtenabteilung. Außerdem soll Friedrich Castelle zu den frühen Förderern von Hermann Löns zählen. Sie kannten sich persönlich.

Friedrich Castelle nach 1933. © Archiv Historisches Seminar Münster © Archiv Historisches Seminar Münster

Nach dem Ende des Nationalsozialismus im Jahr 1946 wurde Friedrich Castelle laut Geschichtsberichten vom britischen Militär festgenommen und in Haft gesteckt. Er soll sich aber als Opfer der politischen Unzuverlässigkeit bezeichnet haben und nach dem Entnazifizierungsprozess wurde er sogar wieder in seinem früheren Beruf tätig.

Sozialdarwinistische Tendenzen

Hermann Löns, geboren am 29. August 1866 im westpreußischen Kulm, der von Friedrich Castelle gefördert worden sein soll, war nicht offensichtlich ein Anhänger der Nationalsozialisten. Er wurde von ihnen eher als Künstler verehrt. In seinen Werken sprach er oft von der Natur in seiner Wahl-Heimat, der Lüneburger Heide. Die Worte „Kämpfen“ und „Siegen“ in seinen Werken sollen sozialdarwinistische Tendenzen aufgezeigt haben. Der Roman „Der Werwolf“, in dem die Rede von „dem blonden Mensch germanischer Prägung“ ist, wurde zudem für politische Propaganda genutzt.

Am hilfreichsten für die NSDAP soll der Tod von Hermann Löns gewesen sein. Er soll sich freiwillig als Wehrdienstleistender gemeldet haben. Nach der angeblichen Identifizierung der Erkennungsmarke von Löns im Jahr 1934 sollen die 1933 in Loivre in einem Einzelgrab bestatteten Gebeine von Hermann Löns auf Anordnung Adolf Hitlers unverzüglich in Frankreich exhumiert und nach Deutschland überführt worden sein. Friedrich Castelle soll seit Anfang der 1920er Jahre systematisch daran gearbeitet haben, Löns zu einer politischen Symbolfigur zu erheben und ein ideales nationalsozialistisches Bild von Löns zu kreieren.

Unterstützer des nationalsozialistischen Rassenwahns

Auch Karl Wagenfeld, geboren 5. April 1869 in Lüdinghausen, soll Schriftsteller und als solcher anerkannt gewesen sein. Bevor er sich der Heimatpflege widmete, soll er Volksschullehrer gewesen sein. Dann im Jahr 1933 soll Wagenfeld der NSDAP beigetreten sein. Er soll sich als treuer Unterstützer des nationalsozialistischen Rassenwahns erwiesen haben.

Er galt als größter niederdeutscher Heimatdichter. Nach ihm wurden Straßen und sogar eine Schule (Münster) benannt. Einige dieser Benennungen wurden allerdings vor rund zehn Jahren wieder rückgängig gemacht. Ebenso wie viele Straßen, die die Namen von Friedrich Castelle und Hermann Löns beinhalteten. Die Umbenennung von Straßennamen mit nationalsozialistischem Hintergrund ist keine Seltenheit, und wenn es nach der Antragstellerin geht, sollen die Namen auch aus Legden verschwinden.

Über die Autorin
Redakteurin
Laura Schulz-Gahmen, aus Werne, ist Redakteurin bei Lensing Media. Vorher hat sie in Soest Agrarwirtschaft studiert, sich aber aufgrund ihrer Freude am Schreiben für eine Laufbahn im Journalismus entschieden. Ihr Lieblingsthema ist und bleibt natürlich: Landwirtschaft.
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Laura Schulz-Gahmen

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