Rundgang durch die Kirche St. Brigida zeigt Sehenswertes, Verstecktes und Rätselhaftes

mlzSt. Brigida Legden

Die Pfarrkirche St. Brigida ist für das Wurzel-Jesse-Fenster bekannt und mit seinen beiden Türmen ein Wahrzeichen Legdens. Ein Rundgang zeigt viel mehr Sehenswertes.

Legden

, 23.12.2019, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Pfarrkirche St. Brigida ist mit ihren beiden Türmen von Weitem zu erkennen. Bald 800 Jahre alt ist der Kern des Kirchenbaus, der im Übergang von Romanik zu Gotik entstand. Die neoromanischen Türme wurden 1905/06 mitsamt einem Querschiff an die Hallenkirche angebaut.

Am berühmtesten ist sicher das Wurzel-Jesse-Fenster, das älteste erhaltene Kirchenfenster Westfalens. Aber ein Rundgang zeigt, dass sich an vielen Stellen sehenswerte Objekte befinden. Einige sind auf den ersten Blick nicht zu entdecken, andere für Kirchenbesucher unzugängig oder haben eine ungeklärte Bedeutung, manchmal gilt es auf Details zu achten.

Pelikan füttert seine Jungen

Der Überbau des Hochaltars von 1867, der bis 1953 in der Brigidenkirche stand, findet sich links neben dem Haupteingang. Er zeigt einen Pelikan, der seine Jungen füttert. Der Pelikan ist in der christlichen Kunst ein Symbol für Christus. Hintergrund ist der alte Glauben, dass der Pelikan seine Jungen mit dem eigenen Blut füttert so wie Christus sein Blut und damit sein Leben hingab.

Ein Dämonenkopf ziert die Seitenmauer des Südeingangs.

Ein Dämonenkopf ziert die Seitenmauer des Südeingangs. © Maximilian Konrad

Eine Dämonenfratze hoch oben an der Seitenwand des Südeingangs soll daran erinnern, dass wir alle sündige Menschen sind. Hinter der Mauer des Südeingangs befand sich das sogenannte Paradies, auch „Leichenhäuschen“ genannt, weil hier Leichen aufbewahrt wurden.

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Rundgang durch St. Brigida

Die Kirche St. Brigida in Legden ist nicht nur wegen des bekannten Wurzel-Jesse-Fensters einen Rundgang wert. Wir haben unser Augenmerk besonders auf die Objekte gerichtet, die leicht übersehen werden, für Kirchenbesucher nicht zugänglich sind oder interessante Details haben.
23.12.2019
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Von 1476 ist das Epitaph der Johanna von Capellea. © Ronny von Wangenheim
Eine Dämonenfratze (u.) hoch oben an der Seitenwand des Südeingangs soll daran erinnern, dass wir alle sündige Menschen sind. Hinter der Mauer des Südeingangs befand sich das sogenannte Paradies, auch „Leichenhäuschen“ genannt, weil hier Leichen aufbewahrt wurden.© Maximilian Konrad
Das mittlere Chorfenster (1230 - 1250 entstanden) ist das älteste erhaltene Kirchenfenster im Münsterland. Dargestellt ist der Stammbaum Jesu "Wurzel Jesse" genannt. Eine Kopie befindet sich im Haus Weßling. © Ronny von Wangenheim
Ein Kopf schaut von oben auf die Kirchenbesucher am Südeingang herab. Die Bedeutung ist unklar.© Maximilian Konrad
Ein Kopf schaut von oben auf die Kirchenbesucher am Südeingang herab. Die Bedeutung ist unklar.© Maximilian Konrad
Das Tympanon über dem Haupteingang im Westen zeigt nach mittelalterlicher Art Christus zwischen Engeln. In der unteren Reihe sind links die weltliche Obrigkeit und rechts die geistliche Obrigkeit zu sehen: (v.l.) Architekt Becker mit dem Kirchenmodell, Landrat Frhr. Friedrich von Schorlemer, Reichskanzler Bernhard von Bülow und Kaiser Wilhelm, Papst Pius X., Bischof Hermann Dingelstadt, Pfarrer Aloys Hockenbeck als Initiator des Erweiterungsbaus und ganz außen der Hl. Franziskus.© Maximilian Konrad
Das Tympanon über dem Haupteingang im Westen zeigt nach mittelalterlicher Art Christus zwischen Engeln. In der unteren Reihe sind links die weltliche Obrigkeit und rechts die geistliche Obrigkeit zu sehen: (v.l.) Architekt Becker mit dem Kirchenmodell, Landrat Frhr. Friedrich von Schorlemer, Reichskanzler Bernhard von Bülow und Kaiser Wilhelm, Papst Pius X., Bischof Hermann Dingelstadt, Pfarrer Aloys Hockenbeck als Initiator des Erweiterungsbaus und ganz außen der Hl. Franziskus.© Ronny von Wangenheim
Von 1476 ist das Epitaph der Johanna von Capellea © Ronny von Wangenheim
Das Wandtabernakel (l.) wird heute nur noch in der Osternacht benutzt. Das Foto zeigt die Türen vom Chorraum aus, in der Sakristei befindet sich eine schlichtere, hölzerne Tür.© Ronny von Wangenheim
Das Wandtabernakel (l.) wird heute nur noch in der Osternacht benutzt. Das Foto zeigt die Türen vom Chorraum aus, in der Sakristei befindet sich eine schlichtere, hölzerne Tür.© Ronny von Wangenheim
In der Sakristei steht dieser Ankleidetischschrank von 1878.© Ronny von Wangenheim
Das Fenster im Orgelraum zeigt die Hl. Cäcilia, die Schutzpatronin der Kirchenmusik. © Ronny von Wangenheim
Früher war die Kirche ausgemalt. Davon geblieben sind nur die bemalten Säulen (r.) oben im Anbau von 1905. Bei der Renovierung 1953 wurden alle Malereien entfernt, später dann wurden die Kapitelle der Pfeiler wieder farblich gestaltet.© Ronny von Wangenheim
Der Überbau des Hochaltars von 1867, der bis 1953 in der Brigidenkirche stand, findet sich links neben dem Haupteingang. Er zeigt einen Pelikan, der seine Jungen füttert. Der Pelikan ist in der christlichen Kunst ein Symbol für Christus. Hintergrund ist der alte Glauben, dass der Pelikan seine Jungen mit dem eigenen Blut füttert. Und Christus gibt sein Blut und damit sein Leben für die Menschen hin.

Ursprung dieser Deutung ist eine Naturbeobachtung aus der Antike. Pelikane schlingen ihre Nahrung herunter und würgen sie zur Fütterung der Jungen wieder hervor. Dabei kann man auch sehen, dass die Brust des Pelikans mit Fischblut verschmutzt wird. Dieses wurde von Beobachtern in der Antike so gedeutet, dass der Pelikan seine Jungen mit eigenem Blut füttert (siehe Pelikan (Legende)).

Diese Legende ist schließlich von christlichen Schriftstellern aufgegriffen und auf Christus bezogen worden. Seit dem Mittelalter ist darum der Pelikan häufig auf christlichen Darstellungen zu finden, zum Beispiel auf Kirchenfenstern, im Schnitzwerk an Altären oder auf Grabsteinen als Zeichen für Hoffnung und Trost.

Tags: Pelikan, Symbol© Ronny von Wangenheim
Früher war die Kirche ausgemalt. Davon geblieben sind nur die bemalten Säulen (r.) oben im Anbau von 1905. Bei der Renovierung 1953 wurden alle Malereien entfernt, später dann wurden die Kapitelle der Pfeiler wieder farblich gestaltet.© Ronny von Wangenheim
Früher befand sich hier der Südeingang. Darüber ist ein Dämon zu erkennen.© Ronny von Wangenheim
Detailaufnahmen der Kirche St. Brigida in Legden.© Maximilian Konrad
Detailaufnahmen der Kirche St. Brigida in Legden.© Maximilian Konrad
Detailaufnahmen der Kirche St. Brigida in Legden.© Maximilian Konrad
Detailaufnahmen der Kirche St. Brigida in Legden.© Maximilian Konrad
Detailaufnahmen der Kirche St. Brigida in Legden.© Maximilian Konrad
Die Ostseite der Kirche© Ronny von Wangenheim
Das barocke Menking-Epitaph mit der Darstellung des Gekreuzigten stammt von 1691 und 1703 und zeigt ein Kruzifix zwischen dem Stifterpaar. Interessant ist die volkskundlich interessante Darstellung der damaligen Frauentracht. © Ronny von Wangenheim
Das mittlere Chorfenster (1230 - 1250 entstanden) ist das älteste erhaltene Kirchenfenster im Münsterland. Dargestellt ist der Stammbaum Jesu "Wurzel Jesse" genannt. Eine Kopie befindet sich im Haus Weßling. © Ronny von Wangenheim
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Von der früheren Bemalung ist heute nicht mehr viel zu sehen.

Von der früheren Bemalung ist heute nicht mehr viel zu sehen. © Ronny von Wangenheim

Malereien wurden entfernt

Früher war die Kirche ausgemalt. Davon geblieben sind nur die bemalten Säulen oben im Anbau von 1905. Bei der Renovierung 1953 wurden alle Malereien entfernt, später dann wurden die Kapitelle der Pfeiler wieder farblich gestaltet.

Von 1476 ist das Epitaph der Johanna von Capellea („husvruwe van Billerbecke) rechts neben dem Haupteingang an der Wand. Das Steinrelief zeigt detailreich das Wunder des vom Kreuz steigenden Jesus während einer Messe von Papst Gregor. Rechts unten ist betend Johanna von Capelle dargestellt, links daneben ist der Höllenschlund zu erkennen, in dem auch ein Bischof zu erkennen ist.

Das Tympanon am Haupteingang

Das Tympanon am Haupteingang © Ronny von Wangenheim

Das Tympanon über dem Haupteingag im Westen zeigt nach mittelalterlicher Art Christus zwischen Engeln. In der unteren Reihe sind links die weltliche Obrigkeit und rechts die geistliche Obrigkeit zu sehen: (v.l.) Architekt Becker mit dem Kirchenmodell, Landrat Frhr. Friedrich von Schorlemer, Reichskanzler Bernhard von Bülow und Kaiser Wilhelm, Papst Pius X., Bischof Hermann Dingelstadt, Pfarrer Aloys Hockenbeck als Initiator des Erweiterungsbaus und ganz außen der Hl. Franziskus.

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