SB-Kassen: Resonanz steigt, aber es gibt noch einige Herausforderungen

mlzNeues Bezahlsystem

Der Edeka in Legden hat sie schon, sonst gibt es sie bisher nicht im Kreis: Selbstbedienungskassen. Gerade für Einkäufe mit wenig Artikeln lohnt sich das, es funktioniert jedoch nicht alles.

Legden

, 14.11.2019, 19:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mittwochnachmittag im neuen Edeka in Legden: Der junge Mann steuert direkt auf die Selbstbedienungskasse zu. Doch ganz sicher ist er sich seiner Sache noch nicht. „Kann ich die einzelne Zitrone auch hier bezahlen? Ich weiß nicht genau, ob das mit dem Wiegen funktioniert“, fragt er Marktleiter Bernd Horn.

Der Marktleiter muss sich selbst erstmal orientieren und sucht zuerst klassischerweise unter Obst. Dort lässt sich die Zitrusfrucht jedoch nicht finden. Nach kurzer Zeit fragt er eine seiner Kolleginnen, die an der „normalen Kasse“ gegenübersitzt. Die weiß dann die Lösung: Einfach den gewünschten Artikel unter der allgemeinen Suche buchstabenweise eingeben. Und schon ist die Zitrone gefunden und der junge Mann kann bezahlen.

„Zehn Prozent nutzen SB-Kassen“

Die SB-Kassen werden an diesem Nachmittag gelegentlich genutzt – die meisten stellen sich dann doch an den gewöhnlichen Kassen an. „Es läuft gut an und die SB-Kassen werden angenommen. Etwa zehn Prozent aller Kunden nutzen sie“, sagt Edeka-Geschäftsführer Willy Steiner.

SB-Kassen: Resonanz steigt, aber es gibt noch einige Herausforderungen

Beim Edeka in Legden werden die SB-Kassen immer häufiger genutzt. © Maximilian Konrad

Der Edeka in Legden ist nach Recherchen unserer Redaktion der einzige Supermarkt in der Region mit den Kassen, an denen man alles alleine machen kann: Zuerst scannt man die gekauften Produkte mithilfe des Barcodes ein, dann legt man die Ware zur Prüfung des Gewichtes auf eine Waage – und dann folgt der nächste Artikel.

Bargeldloses Bezahlen

Gezahlt werden kann an SB-Kassen nur bargeldlos mit Kreditkarte oder EC-Karte. Mit dem Bon, den man abschließend bekommt, lässt sich dann die Schranke zum Ausgang öffnen.

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Trotz der einfachen Handhabe und der Zeitersparnis nutzen noch eher wenige Verbraucher dieses Kassensystem. Bei einer kürzlich veröffentlichten Umfrage des Kölner Handelsforschungsinstituts EHI gaben 39 Prozent der Befragten an, SB-Kassen nie oder nur selten zu nutzen.

Macht der Gewohnheit

Nur 18 Prozent der Verbraucher gaben sich als Fans der neuen Technik zu erkennen und erklärten, die Selbstbedienungsgeräte „häufig“ oder „immer“ anzusteuern. Weitere 14 Prozent nutzen sie demnach „manchmal“.

Hauptgrund für die Zurückhaltung ist der Umfrage zufolge die Macht der Gewohnheit. Immerhin vier von fünf Verbrauchern, die nie oder nur selten SB-Kassen nutzen, gaben an, dass dieser Aspekt eine wichtige Rolle spiele. Zwei Drittel von ihnen machen sich allerdings auch Sorgen, dass Arbeitsplätze wegfallen könnten, wenn sie SB-Kassen nutzen.

Bei Bier muss das Personal gerufen werden

Zudem hat das neue System noch einige Baustellen: Ein Mann in Handwerkerkluft steht am Mittwochnachmittag an der Selbstbedienungskasse, hat viele Artikel eingescannt und kommt dann aber nicht weiter – das Problem: Er hat Bier eingekauft und damit ein Produkt, bei dem der Jugendschutz greift. „Bei diesen Waren muss immer jemand vom Personal gerufen werden. Das geht leider nicht anders“, erklärt Marktleiter Bernd Horn.

SB-Kassen: Resonanz steigt, aber es gibt noch einige Herausforderungen

An den "normalen" Kassen bilden sich häufig noch lange Schlangen. © Maximilian Konrad

Eine Dame mittleren Alters ist ganz begeistert von den SB-Kassen. „Ich habe mir das gleich bei der Ladeneröffnung zeigen lassen und seitdem habe ich diese Kasse schon mehrmals genutzt.“

„Es gibt noch Verbesserungspotential“

Bernfried Kröger aus Legden, der ebenfalls an diesem Nachmittag seinen Einkauf erledigt, meint: „Sicher gibt es noch Verbesserungspotential. Letztens wurden bei mir Orangen und Apfelsinen vertauscht. Aber trotzdem begrüße ich die neue Lösung – auch meine Mutter nutzt die neuen Kassen eifrig.“

Obwohl die neue Technik vor allem in Bau- und Einrichtungshäusern zunimmt, wird es in umliegenden Supermärken zeitnah keine SB-Kassen geben. „Um unseren Kunden einen bequemen und schnellen Einkauf zu bieten, prüfen wir kontinuierlich neue Serviceangebote. Aktuell planen wir nicht, neue Kassensysteme einzuführen“, sagt Melanie Pöter, Pressesprecherin von Lidl Deutschland.

„Einbau derzeit nicht vorgesehen“

Einen ähnlichen Standpunkt vertritt auch K+K: „Wir haben bislang noch keine SB-Kassen im Einsatz und haben bislang auch keinerlei Ambitionen diese zu installieren“, sagt Manfred Guder von Klaas und Kock.

Etwas anders sieht es bei Kaufland aus, die einen Supermarkt in Wüllen betreiben. „In ausgewählten Filialen haben wir SB-Kassen im Einsatz. Im Westmünsterland jedoch ist der Einbau von SB-Kassen derzeit nicht vorgesehen“, meint Andrea Kübler von Kaufland.

Von Aldi heißt es: „Wir können zum jetzigen Zeitpunkt jedoch keine Auskunft geben, ob und wann wir uns mit den Selbstbedienkassensystemen befassen“, berichtet Axel vom Schemm, Manager Unternehmenskommunikation bei Aldi.

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