Schicksal des Düstermühlenmarkts entscheidet sich in den kommenden Tagen

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Der Düstermühlenmarkt liegt haarscharf noch im Verbotszeitraum. Wegen des Coronavirus dürfte er aktuell nicht stattfinden. Doch noch wollen die Veranstalter ihn nicht absagen. Sie hoffen.

Legden

, 20.04.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ausgerechnet der 31. August: Bis dahin sind alle Großveranstaltungen wegen des Coronavirus verboten. Dabei wäre der 31. August eigentlich der zweite Tag des Düstermühlenmarktes. Zehntausende Besucher würden auf die Wiesen rund um die Düstermühle kommen.

Die vier Veranstalter blicken dem Termin mit Sorge entgegen. Dennoch: Absagen wollen sie den Markt aktuell noch nicht.

„Wir warten noch ab“, sagt Bernhard Lösing. Auf seinen Flächen stehen beim Düstermühlenmarkt die großen Karussells und das Festzelt. Bisher habe er noch nichts umgeplant. Gleichzeitig ist er sich aber auch nicht sicher, dass der Markt stattfinden wird. Außer abzuwarten, bleibt ihm im Moment kaum etwas übrig. „Die Veranstalter der Vredener Kirmes haben ja auch noch nichts Endgültiges gesagt“, erklärt er. Auch da ist er aber eher skeptisch. Die kommenden Wochen sollen zeigen, wie es weitergeht.

Letzte Galgenfrist für den Markt: 14 Tage

Das sieht auch Brigitta Hülsken so. „Gesetzlich sieht es im Moment ja so aus, dass wir den Markt nicht durchführen dürfen“, erklärt sie. „Ich hänge aber noch vollkommen in der Luft“, sagt sie. Noch habe sich auch keiner der Schausteller und Marktbeschicker bei ihr gemeldet. „Die kennen die gesetzlichen Regelungen ja auch“, sagt sie. Und auch die würden im Moment noch abwarten.

„Ich denke, dass ich noch 14 Tage warten werde, bevor ich die Händler anrufe, um ihnen abzusagen“, so Brigitta Hülsken weiter. Vielleicht ändere sich die gesetzliche Lage bis dahin ja noch, hofft sie. Klar sei aber, dass der Markt so oder so in diesem Jahr kein großer Spaß werden wird. „Die Leute werden ängstlich sein“, glaubt sie.

Besser jetzt absagen als kurz vor dem ersten Markttag

Unter dem Strich sei es aber besser, jetzt abzusagen, als erst kurz vor dem Markt. „Das mussten wir ja bei der Überschwemmung 2010 machen“, erklärt sie. Und damals sei ja die komplette Vorbereitung schon gelaufen, erste Stände und Karussells waren ja sogar schon aufgebaut.

Bernhard Lösing, Michael Schaedel, Ludger Kerkhoff und Bernhard Hülsken (v.l.) – hier im Vorfeld des Marktes 2019 – organisieren gemeinsam den Düstermühlenmarkt. Sie wollen noch abwarten, bevor sie den Markt für dieses Jahr absagen.

Bernhard Lösing, Michael Schaedel, Ludger Kerkhoff und Bernhard Hülsken (v.l.) – hier im Vorfeld des Marktes 2019 – organisieren gemeinsam den Düstermühlenmarkt. Sie wollen noch abwarten, bevor sie den Markt für dieses Jahr absagen. © Stephan Teine

Auch Ludger Kerkhoff, der Dritte im Bunde, sieht die Lage im Moment pessimistisch. „Ich habe das Thema Markt für dieses Jahr eigentlich schon abgehakt“, gibt er zu. Schließlich seien ja auch schon etliche Veranstaltungen nach dem 31. August abgesagt. Und der Düstermühlenmarkt liege eben genau auf dem kritischen Datum. „Eine echte Punktlandung“, sagt er, und es ist zu hören, dass er dabei süß-sauer lächelt.

Keine Ausnahme für den Düstermühlenmarkt

Klar sei, dass alle Veranstaltungen gleich behandelt werden müssten. „Da darf es für den Düstermühlenmarkt keine Ausnahme geben“, fügt er hinzu. Das gebe sonst nur böses Blut. Natürlich sei es sehr schade, wenn just einen Tag nach dem geplanten Markt die Großveranstaltungen wieder stattfinden dürften. Aber auch das kann er sich so noch nicht vorstellen.

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„Die Schausteller tun mir am meisten leid“, sagt er. Die könnten das Jahr ja eigentlich jetzt schon abschreiben. „Von denen werden wohl viele nicht mehr auftauchen“, blickt er in die Zukunft. Der Markt werde in den kommenden Jahren wohl ein deutlich anderes Gesicht bekommen. In welche Richtung er sich entwickeln werde, mag er indes noch nicht abschätzen.

Bisher steckt noch relativ wenig Arbeit im Markt 2020

Für die Organisatoren sei es in diesem Moment fast noch einfach, abzusagen. „Bisher ist zwar schon eine Menge Arbeit in die Planung geflossen“, erklärt er. Dennoch sei es besser, jetzt abzusagen, als erst kurz vor dem Markt die Segel zu streichen.

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Michael Schaedel, Betreiber der Düstermühle, bewertet die Lage seit dem Verbot für Großveranstaltungen bis Ende August neu. „Meine Laune ist auf dem Tiefpunkt“, sagt er. Denn neben dem Düstermühlenmarkt musste er weitere Veranstaltungen absagen. Etwa das Schlagerfestival am 28. Juni oder den Tanz in den Mai.

Markt kann nicht verschoben werden

Klar ist für ihn, dass der Markt in diesem Jahr nicht verschoben werden kann. „Die anderen Wochenenden danach sind ja auch voll“, erklärt er. Schausteller wollen beispielsweise nach dem Düstermühlenmarkt auf anderen Veranstaltungen ihre Geschäfte aufbauen. Der Terminkalender ist normalerweise dicht getaktet. Entweder werde also das Verbot aufgehoben oder es gebe eine Ausnahmeregelung für den Düstermühlenmarkt. „Verschieben können wir ihn nicht“, sagt er.

Einmal abgesehen vom Markt an sich, macht er sich Sorgen um die Gastronomie insgesamt. „Wir sind nicht verzichtbar“, erklärt er. Dennoch werde die gesamte Veranstaltungs- und Gastronomiebranche aktuell im Regen stehen gelassen.

Schaedel malt Bild einer düsteren Zukunft

Aber es bringe nichts, sich darüber aufzuregen. „Ich kann 0,0 erreichen“, erklärt er. Die Zukunft sieht er in düsterem Licht. Selbst wenn Großveranstaltungen bisher nur bis zum 31. August abgesagt seien, gebe es noch keine Aussichten, wie die Gastronomie weitergeführt werden könne. „Das ist ja noch nicht mal ab Anfang Mai klar, wenn das aktuelle Kontaktverbot wieder gelockert werden soll“, schimpft er. Ob, wann und wie er beispielsweise die Außengastronomie für Fahrradfahrer wieder öffnen darf, steht im Moment komplett in den Sternen.

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Natürlich sei es wichtig und richtig, vorsichtig zu sein. „Weitsicht ist sehr wichtig“, erklärt er. Doch wie lange solle das so gehen? Während die Beschränkungen in anderen Bereichen zumindest langsam wieder gelockert würden, stehe die Gastronomie ganz hinten an. Ob sich die Branche davon erhole, könne er nicht abschätzen. „Ganz ehrlich? Wir haben die A....karte“, sagt er.

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