Securpharm-Code schützt vor Fälschungen in Apotheken

mlzApotheken in Legden

Wenn Petra Hruby (41) in ihrer Apotheke künftig verschreibungspflichtige Medikamente verkauft, geht die Hand unter die Ladentheke. Das dient der Sicherheit.

Legden

, 13.02.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Kein Patient soll ein gefälschtes Arzneimittel nehmen. Das ist das Ziel des neuen Sicherheitssystems Securpharm. Am 9. Februar ging es bundesweit an den Start. Für Apotheker bedeutet das teilweise Investitionen in fünfstelligem Bereich. In der Hubertus-Apotheke an der Legdener Hauptstraße sind Petra Hruby und ihr Team gut aufgestellt. „Wir haben vor zwei Jahren, als wir die Hard- und Software auf den neuesten Stand gebracht haben, schon alles für Securpharm vorbereitet.“

Jede Medikamentenschachtel muss künftig einen zweidimensionalen Data-Matrix-Code, ähnlich dem QR-Code, tragen. Er enthält einen Produktcode, eine individuelle Seriennummer sowie Chargenbezeichnung und das Verfallsdatum. Jeden Code gibt es nur einmal. Außerdem hat jede Verpackung künftig einen Erstöffnungsschutz zum Beispiel als Klebesiegel. Betroffen sind alle verschreibungspflichtigen Medikamente und mit dem Magenschutzmittel Omeprazol auch eine freie Arznei. Das wurde in der Vergangenheit offenbar häufiger gefälscht.

750 Millionen Packungen werden jährlich verkauft

„Ein Riesenaufwand“, sagt Petra Hruby über die Neuerung. Zwar brauchte es bei ihr keine teure Umstellung auf neue Hard- und Software, aber die Registrierung, Beantragung des Zertifikats, Schulung der Mitarbeiter und die Updates für die Software – das alles war sehr aufwendig.

Immerhin 750 Millionen Verpackungen mit verschreibungspflichtigen Medikamenten werden jährlich in Deutschland in den Apotheken verkauft. Der Kunde wird von der Neuerung erst einmal nicht viel merken. Bei Petra Hruby steht der Scanner unter der Ladentheke. Einmal vor der Abgabe an den Kunden die Verpackung unter den Tisch und vor den Scanner gehalten und schon erscheint auf dem Bildschirm vor ihr der grüne Haken. Wer nachfragt, bekommt auch ein Infoblatt von der Apothekerin.

Ist so ein neues Sicherheitssystem notwendig? Petra Hruby sagt über die Umsetzung der EU-Richtlinie: „Wir haben in Deutschland schon jetzt ein sehr sicheres Vertriebssystem.“ Das könne in Niedriglohnländern durchaus etwas anders sein. Jedes Medikament bezieht sie entweder direkt vom Hersteller oder von einem Großhandel. Ein gefälschtes Medikament ist ihr noch nie untergekommen. „So gut wie noch nie haben gefälschte Arzneimittel den Weg in die öffentliche Apotheke gefunden“, sagt auch Jörn Drost aus Gronau, Sprecher der Apothekerschaft im Altkreis Ahaus. Mit Securpharm wird jetzt der Weg vom Hersteller über den pharmazeutischen Großhandel bis hin zur öffentlichen Apotheken sicher gemacht. Knapp 19.500 Apotheken gibt es in Deutschland.

Es gibt eine Übergangsphase

„Kein Medikament, das nicht beim Verkauf geprüft wurde, verlässt die Apotheke“, sagt Petra Hruby. Noch hat die Legdenerin bis auf Testpackungen keine Medikamente mit dem Code im Laden. Vor dem 9. Februar war der Code freiwillig, erst jetzt werden die Verpackungen mit der individuellen Seriennummer verpflichtend hergestellt. Eine Weile wird es noch dauern, weil erst die Bestände der Apotheke und der Großhändler verkauft werden dürfen.

Eines kann Securpharm nicht, so sagt es Apotheker Jörn Drost. Der illegale Markt mit Arzneimittelfälschungen sei so nicht in den Griff zu bekommen. So hart es sich auch anhöre: „Wer wirklich meint verschreibungspflichtige Arzneimittel über dubiose Händler rezeptfrei im Internet bestellen zu müssen, dem kann man wirklich nicht mehr helfen. Derjenige setzt schlicht und einfach seine Gesundheit aufs Spiel“, so Drost. Die Profite seien beispielsweise bei Potenzmitteln höher als bei Kokain oder Heroin. Jedoch habe der Patient keine Ahnung, was dann in den blauen Pillen wirklich steckt: „Im besten Fall ist es Traubenzucker. Im schlimmsten Fall sind es chemische Abfallprodukte, die Leib und Leben gefährden“, so Drost.

EU-Fälschungsschutzrichtlinie sorgt für viele Neuerungen

Hintergrund ist die EU-Fälschungsschutzrichtlinie. Das Sicherheitssystem wurde von der deutschen Organisation Securpharm e.V. , die von Industrie, Großhandel und Apothekerschaft initiiert wurde, gemäß den EU-Vorgaben entwickelt. Das Securpharm-System ist eingebettet in ein europaweites Schutzsystem der legalen Lieferkette gegen gefälschte Arzneimittel. Zunächst gehen in 26 EU-Mitgliedstaaten sowie in Norwegen, Island und Liechtenstein die Sicherheitssysteme in Betrieb. Bis 2025 kommen dann auch die Systeme Italiens und Griechenlands dazu.

Das Projekt gehört zu den größten Infrastrukturprojekten der Arzneimittelversorgung in Europa, so Securpharm in einer Pressemitteilung. Allein für Deutschland mussten die Arzneimittelhersteller die Fertigung von fast 60.000 unterschiedlichen Produkten so umstellen, dass sie die neuen Sicherheitsmerkmale erhalten. Hierzulande werden pro Jahr rund 750 Millionen Packungen verschreibungspflichtiger Arzneimittel in öffentlichen Apotheken abgegeben. Rund 22.000 Hersteller, Apotheken, Großhändler und Kliniken wurden an das System angebunden.

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