Sekundarschüler bekommen mehr Zeit zum Lernen

Schulleiter im Interview

Die Sekundarschule nimmt im Sommer den vierten Jahrgang auf. Bedächtig wurde seit 2013 das Schulprogramm weiter entwickelt. Im Sommer werden sich die Unterrichtszeiten ändern. Was auf die künftigen Fünftklässler zukommt, erläutert Schulleiter Axel Barkowsky im Gespräch mit Redakteurin Ronny von Wangenheim.

LEGDEN

, 15.01.2016, 17:28 Uhr / Lesedauer: 2 min
Axel Barkowsky leitet die Sekundarschule mit den Standorten in Legden und Rosendahl.

Axel Barkowsky leitet die Sekundarschule mit den Standorten in Legden und Rosendahl.

Im Februar können Eltern von Viertklässlern ihre Kinder anmelden. Was erwarten Sie?

Die Anmeldungszahlen haben sich super positiv entwickelt. Das bestärkt uns, dass es richtig ist, was wir tun. Im vergangenen Jahr mussten Sie sogar erstmals vier Klassen einrichten. In diesem Sommer sollen es aber wieder drei werden.

Welche Kinder melden sich bei Ihnen an?

Etwa 60 Prozent haben eine Realschul-, 40 Prozent eine Hauptschulempfehlung. Aber auch ein paar Schüler mit einer Empfehlung für das Gymnasium sind dabei.

Eine gute Mischung?

Ja, ich glaube, wir profitieren, von der Verbundschule mit Real- und Hauptschule. Viele Eltern, die früher ihr Kind zur Realschule geschickt haben, melden jetzt ein weiteres Kind an unserer Sekundarschule an. Andere Sekundarschulen haben da mehr Probleme. Ich bin überzeugt, eine Schule funktioniert nur, wenn man auch leistungsstarke Schüler hat. Und um die müssen wir uns kümmern.

Was ist neu an Ihrer Schule?

Wir wollen im kommenden Schuljahr mit einem Lernzeiten-Modell beginnen.

Was bedeutet das?

Die Schüler werden an den drei langen Schultagen zusätzlich jeweils eine Lernzeit von 45 Minuten bekommen.

Länger Schule also?

Ja, die Schule endet dann an unseren langen Tagen, also montags, mittwochs und donnerstags, um 15.30 Uhr, also eine halbe Stunde später als bisher. Die Mittagspause wird von 60 auf 45 Minuten verkürzt.

Was ist der Hintergrund?

Die Kollegen haben festgestellt, dass die Kinder mehr Zeit zum Lernen brauchen. Wenn sie nach Hause gehen, haben sie ja keine Hausaufgaben auf. Aber Kinder müssen auch lernen, zu lernen.

Was passiert in den drei Schulstunden?

Alle Kollegen können die Lernzeiten mit Aufgaben befüllen, sei es Deutsch, Englisch oder Gesellschaftslehre. Die Schüler können beispielsweise für eine Klassenarbeit lernen oder in Gruppen ein Referat vorbereiten. Man könnte auch sagen "begleitete Hausaufgaben". Ein Kollege ist immer dabei. Das genaue Konzept werden wir im zweiten Halbjahr entwickeln.

Es gibt ja bereits EVA bei Ihnen, also eigenverantwortliches Arbeiten. Was ist der Unterschied?

EVA ist stark an den Kernfächern Deutsch, Mathe und Englisch orientiert, die Aufgaben sind klar strukturiert. Aber auch hier wollen wir, dass die Kinder Eigenverantwortung übernehmen und wollen das Angebot in den oberen Klassen weiter öffnen. Wir bewegen uns da sehr vorsichtig. Was kann der Schüler leisten, was kann man ihm zumuten, darauf kommt es an.

Hier wird also individuell gearbeitet?

Ja, Kinder können Aufgaben auf Ein-, Zwei- oder Drei-Sterne-Niveau lösen. In ihrem Lernbegleiter dokumentieren sie, was sie machen. In der fünften und sechsten Klasse sind vier Stunden dafür vorgesehen.

Was ist noch neu nach den Sommerferien, wenn die neuen Schüler in Legden starten?

In der Sommerpause wird der naturwissenschaftliche Raum in Legden technisch auf den neuesten Stand gebracht. Es gibt komplett neues Mobiliar, dazu ein neues Tafelsystem, ein sogenanntes Activ Board. Rund 50000 Euro kostet die Modernisierung.

In wie weit beschäftigt sie das Thema Flüchtlinge?

Sehr. Wir haben zurzeit 30 Flüchtlings- und Zuwandererkinder. Sie kommen aus Rumänien, Polen, aber auch Syrien und Afghanistan. Darunter sind auch zwei Analphabeten.

Wie gehen Sie das Problem an?

Wir haben gerade eine Stelle Deutsch als Zweitsprache ausgeschrieben. Aber der Bedarf ist groß und der Markt ist leer. Bei den Bewerbungen, die wir bekommen, sind keine originären Lehrer darunter, sondern Seiteneinsteiger.

Wie behelfen Sie sich?

Wir haben eine pensionierte Lehrerin eingestellt, die zwölf Stunden an beiden Standorten arbeitet. Und die Kollegen helfen mit großem Engagement, wenn sie Luft haben. Außerdem kommen bald sechs Ehrenamtler einmal die Woche und beschäftigen sich mit einer Gruppe Flüchtlingskinder.

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