Das Handwerk leidet auch unter Corona, aber nur partiell. Vor allem Friseure trifft es hart. © picture alliance/dpa/APA
Handwerk in Corona

So unterschiedlich geht es dem Handwerk in Legden unter Corona

Corona macht vielen Betrieben zu schaffen, Gastwirte haben seit Monaten geschlossen, so auch der Einzelhandel. Aber wie sieht die Lage im Handwerk aus? Wir haben nachgefragt.

Es ist doch so, vielen Geschäften und Restaurants sowie Hotels, Fitnessbuden und Kosmetikstudios geht die Luft aus. Dank Corona haben sie seit Langem geschlossen, Geld kommt wenig bis keines in die Kassen. Aber geht es dem Handwerk genau so schlecht? Oder spielt Corona da überhaupt keine Rolle?

Kein einheitliches Bild

Daniel Janning, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Borken in Ahaus, sieht große Unterschiede: „Dazu gibt es kein einheitliches Bild. Grundsätzlich kann man sagen, dass die Bau- und Ausbaugewerke, wie beispielsweise Baubetriebe, Sanitär- und Heizungsbetriebe, Elektrobetriebe und auch Maler derzeit noch gut durch die Coronasituation kommen.“

Das liege an dem hohen Auftragsbestand, der vor der Coronapandemie herrschte, und daran, dass viel Privatleute derzeit Geld in ihre Immobilien stecken, da die Zinssituation schlecht ist, Urlaube und dergleichen momentan ausfallen, erklärt Janning weiter.

„Im Vergleich zur Gastro geht es und gut“

So ähnlich drückt es auch Stefan Hellkuhl aus. Der Maler- und Lackierermeister aus Legden hat „im Großen und Ganzen genug Arbeit“. Zwar merke man schon, dass die Leute vorsichtiger werden und manche jetzt keine Handwerker im Haus haben wollen, trotzdem sei der Auftragsbestand noch auf einem guten Niveau.

„Für uns gibt es trotzdem noch genug zu tun“, sagt Stefan Hellkuhl. Einige große Projekte wurden zum Glück auch noch vor Corona angeschoben. Das helfe auch.

Maler- und Lackierermeister Stefan Hellkuhl kommt noch relativ gut durch die Krise und hat Mitgefühl mit anderen Berufszweigen.
Maler- und Lackierermeister Stefan Hellkuhl kommt noch relativ gut durch die Krise und hat Mitgefühl mit anderen Berufszweigen. © Markus Gehring © Markus Gehring

Aber mit Blick auf die Verlängerung des verschärften Lockdowns und der Ungewissheit, was noch alles komme, fragt er sich auch, wie lange die Auftragslage noch so bleibt. Trotzdem ist er positiv gestimmt und möchte sich auf keinen Fall beschweren. „Denn im Vergleich zu den Gastronomen, geht es uns ja gut. Die leiden sehr unter Corona“, gibt Stefan Hellkuhl im Gespräch mit der Redaktion zu bedenken.

„Lage ist wie immer“

Auch bei Hochbau Scharlau in Legden könnte es wesentliche schlimmer aussehen. Hier geht Josef Scharlau sogar so weit, dass er sagt: „Die Lage ist wie immer, als wäre eigentlich kein Corona“, und bezieht sich damit auf die Auftragslage.

Die sei nämlich wie immer, und im Winter sei immer etwas weniger zu tun. Der einzige Unterschied, den der Chef des Hochbauunternehmens bemerkt, ist der, dass die Pausen jetzt gesplittet werden müssen und sich alle an die geltenden Hygieneregeln halten müssen.

Im Unternehmen habe es bisher noch keinen Coronafall gegeben. „Wir können wirklich nicht klagen“, resümiert Josef Scharlau im Gespräch mit der Redaktion.

Besonders getroffen hat es Friseure

In anderen Bereichen des Handwerks sieht die Lage aber nicht so erfreulich aus. Daniel Janning von der Kreishandwerkerschaft Borken in Ahaus sagt: „Anders sieht es aus bei Bäckern und Fleischern.“ Da sehr viele Veranstaltungen, wie Schützenfeste, Weihnachtsfeiern, Firmenfeiern, Jubiläen, Geburtstage, Hochzeiten, Kommunionfeiern und andere Familienfeiern ausgefallen sind, führe das zu erheblichen finanziellen Belastungen und Problemen.

Noch schlimmer geht es nach Aussage von Daniel Janning den Friseuren, weil diese komplett schließen mussten. „Einige der Friseure haben sogar mittlerweile Probleme, überhaupt ihre täglichen privaten Kosten oder für Lebensmittel zu bestreiten“, so der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Borken in Ahaus.

„Keine Einnahmen aber immer noch Ausgaben“

Katja Hüntemann ist Friseurin im Salon Lammartt Hair und Make-Up in Legden. Sie bestätigt, dass es den Friseuren gerade schlecht geht. „Man hat keine Einnahmen aber immer noch Ausgaben“, sagt sie.

Vor dem Lockdown habe man noch in Schichten arbeiten dürfen, dafür sei man dankbar gewesen, auch wenn das Arbeitszeiten zwischen 8 und 22 Uhr bedeutet habe. Selbst nach dem Lockdown werden noch härtere Auflagen erwartet. Das würde für Friseursalons bedeuten, dass noch weniger Menschen im Salon sein dürfen – also Mitarbeiterinnen und Kunden – und dadurch müssten die Schichten noch weiter ausgedehnt werden.

„Das bedeutet im Endeffekt noch weniger Geld, das rein kommt“, sagt Katja Hüntemann. Wann die Coronahilfen bei Friseuren eintreffen werden, das sei situationsabhängig. „Wenn es Zahlungen geben wird, dann erst ab März“, lässt Chefin Olga Lammartt durch Katja Hüntemanns der Redaktion ausrichten. Das läge daran, dass im November noch ganz und im Dezember noch zum Teil gearbeitet werden durfte.

Friseure brauchen kurzfristige Lockerungen

Zu den Coronahilfen sagt Daniel Janning, dass zwar viele beantragt worden sind, aber diese oftmals noch nicht bei den Betrieben angekommen sind, oder nur in Teilsummen. Das liegt unter anderem daran, „dass die Handwerksbetriebe die Voraussetzungen nicht immer erfüllen und gar nicht bezugsberechtigt sind“, so Janning.

Gerade bei den Friseuren sei das ein großes Problem. Die seien bei den Voraussetzungen für die Coronahilfen nicht ausreichen berücksichtigt worden und fallen daher überwiegend aus dem Raster. Deshalb bräuchten gerade die Friseurbetriebe dringend kurzfristige Lockerungen.

Die Betriebe hätten bereits gezeigt, dass sie unter Hygienevorgaben arbeiten können und es habe bisher „keine besonderen Auffälligkeiten speziell bei Friseursalons und der Frage der Ansteckungsgefahr“ gegeben. Ähnliches gilt aus Sicht der Kreishandwerkerschaft auch für Cafés.

Über die Autorin
Redakteurin
Laura Schulz-Gahmen, aus Werne, ist Redakteurin bei Lensing Media. Vorher hat sie in Soest Agrarwirtschaft studiert, sich aber aufgrund ihrer Freude am Schreiben für eine Laufbahn im Journalismus entschieden. Ihr Lieblingsthema ist und bleibt natürlich: Landwirtschaft.
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Laura Schulz-Gahmen

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