Spazierengehen mit den liebsten Vierbeinern der Menschen ist jetzt für Wildtiere gefährlich. Besser: Hunde an der Leine lassen. © Schwarze Blanke
Brut- und Setzzeit

Spazierengehen mit Hund: So schützen Sie junge Wildtiere vor dem Tod

Gassigehen mit dem liebsten Vierbeiner kann in der Brut- und Setzzeit für Wildtiere zur tödlichen Gefahr werden. So verhindern Sie lange Suchen nach Ihrem Hund und den Tod junger Wildtiere.

Die Bäume und Sträucher werden grün und gerade in Coronazeiten zieht es jetzt bei steigenden Temperaturen viele Menschen ins Grüne. Auf lange Spaziergänge auf Feld- und Waldwegen wird auch gerne der Familienhund ausgeführt. Das kann aber gerade jetzt fatale Konsequenzen für Wildtiere bedeuten.

Wildtiere haben im Moment Brut- und Setzzeit. Das bedeutet, sie bekommen Junge. „Alle wildlebenden Tiere haben jetzt Gelege oder Junge“, sagt Freiherr Clemens von Oer, Leiter der Hegerings Schöppingen-Legden. Gelege nennt man die Plätze, an die Bodenbrüter wie Fasane und Waldschnepfen ihre Eier ablegen.

Jungtiere liegen versteckt am Boden

Junghasen beispielsweise werden von Häsinnen abgelegt. Die Häsin aber bleibt nicht bei ihrem Nachwuchs. Sie legt sie in ein von Gras oder Büschen geschütztes Versteck. Das Muttertier ist die meiste Zeit auf Nahrungssuche und bleibt nicht bei den Jungtieren. Die Häsin kommt nur zum Säugen der Junghasen und verschwindet dann wieder. „Das macht sie auch, damit sie nicht verfolgt wird und nicht verrät, wo sich die Jungen verstecken“, sagt Clemens vor Oer im Gespräch mit der Redaktion.

Bei Rehen verhält es sich in den ersten 14 Tagen ganz ähnlich. Das junge Rehkitz bleibt im Versteck, während die Ricke, das Muttertier, auf der Weide äst. Erst nach etwa 14 Tagen läuft das Kitz mit der Ricke mit. Vögel wie Fasane hingegen sind Nestflüchter, die Küken laufen sofort mit der Henne mit. Junge Fasane können Hunden, die ihre Fährte aufgenommen haben, trotzdem nicht entkommen. Auch die Eier der Bodenbrüter sind vor unangeleinten Hunden nicht sicher.

Der natürliche Jagdtrieb setzt ein

In Nordrhein Westfalen gibt es keine generelle Leinenpflicht für Hunde auf Feld- und Waldwegen. Gehen aber Spaziergänger durch die Natur und ihr Vierbeiner erschnüffelte eine Fährte, ist es meistens schon zu spät.

Freiherr Clemens von Oer hält seinen Pudel-Pointer Alinka (16 Monate) an der Leine.
Freiherr Clemens von Oer hält seinen Pudel-Pointer Alinka (16 Monate) an der Leine. © Markus Gehring © Markus Gehring

„Hunde hören in den seltensten Fällen, wenn sie Wildgeruch in die Nase bekommen“, sagt Clemens von Oer. Der Jagdtrieb setzt dann sofort ein. Frei laufen lassen sollte man Hunde nur, wenn sie gehorsam sind und absolut abrufbar. „Das gelingt aufgrund des natürlichen Jagdtriebes aber in den seltensten Fällen“, so der Hegeringsleiter weiter. In vielen Fällen sind die Hunde schnell im Wald oder in der Weide verschwunden. Das Ergebnis sind oft gerissene Jungtiere.

„Bitte leinen Sie ihre Hunde an“

Damit die Jagdhunde vom Hegering Schöppingen-Legden jederzeit abrufbar sind und keine Gefahr für Wild darstellen, gibt es beim Hegering einen Hundeführungskurs. „Daran nehmen zwar überwiegend Jäger teil, aber auch Nicht-Jäger sind herzlich willkommen“, so Clemens von Oer.

Der Kurs findet immer dienstags bis in den August statt. Dort wird gezeigt, wie man einen Hund ausbildet. Eine eindringliche Bitte an alle Hundehalter hat der Hegeringsleiter noch: „Bitte leinen Sie während der Brut- und Setzzeit ihre Hunde an, zum Wohle der Wildtiere.“ Die Brut- und Setzzeit beginnt im Frühjahr und geht bis in den Sommer hinein.

Über die Autorin
Redakteurin
Laura Schulz-Gahmen, aus Werne, ist Redakteurin bei Lensing Media. Vorher hat sie in Soest Agrarwirtschaft studiert, sich aber aufgrund ihrer Freude am Schreiben für eine Laufbahn im Journalismus entschieden. Ihr Lieblingsthema ist und bleibt natürlich: Landwirtschaft.
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