Der Tag danach: Gewinner und Verlierer nehmen die Ergebnisse der Kommunalwahl in Legden unter die Lupe. Gleichzeitig haben sie die Bürgermeister-Stichwahl im Blick. Und die hat es in sich.

Legden

, 14.09.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Für Legdens Mandatsträger war der Montag nach der Wahl ein intensiver Arbeitstag. Schließlich brachte die Kommunalwahl 2020 für das Dahliendorf auch so manche Überraschung. Nach jetzigem Stand sieht die künftige Sitzverteilung im Legdener Gemeinderat so aus: Die CDU ist mit zehn Sitzen, SPD und UWG mit jeweils fünf Sitzen vertreten. Bisher war es so: CDU 10, UWG: 7 und SPD 3 Sitze.

Allerdings haben alle CDU-Kandidaten ihr Mandat direkt geholt, nur UWG-Kandidat Christoph Behrendt-Richter ebenso, alle anderen neuen Ratsmitglieder wurden über die Reservelisten gewählt. 4036 der insgesamt 5876 Wahlberechtigten haben das so entschieden.

CDU-Bürgermeister würde mit seiner Stimme CDU-Mehrheit sichern

Heißt: Die Bürgermeister-Stichwahl am 27. September ist diesmal durchaus brisant. Sollte nämlich CDU-Kandidat Bernhard Laukötter die Wahl gewinnen, hätte er damit auch der CDU-Fraktion mit seiner Stimme die Ratsmehrheit beschert. 11 CDU-Stimmen gegenüber insgesamt zehn aus der Opposition. Damit wäre dann der Statusquo, die CDU-Dominanz im Rat, wiederhergestellt.

Eine Situation, die definitiv auch bei den Überlegungen der UWG, welchen Kandidaten sie unterstützt, Gewicht hat. Ihr abgeschlagener Kandidat Gerd Heuser nimmt da kein Blatt vor den Mund: „Wir haben immer gesagt, dass wir die absolute Mehrheit der CDU verhindern wollen und das kann nur gelingen, wenn wir jetzt den Kandidaten Berkemeier unterstützen.“

Für die UWG aktuell eine Lage, an die sie sich erstmal gewöhnen muss. Im Vorfeld hatte jedenfalls keiner auf dem Zettel, dass die UWG (24,3 %), die bisher ein Drittel der Legdener Wählerschaft überzeugt hat, auf ein Viertel zusammenschrumpfen würde. Nach sechs Jahren Ratsarbeit haben sie von den Legdener Wählern die Gelbe Karte bekommen.

UWG will auch nach Wahlverlust weiter „anecken“

Für UWG-Chef Bruno König eine echte und vor allem unangenehme Überraschung: „Damit hat wirklich keiner gerechnet.“ Bedauerlich sei es, dass man nicht so viele Bürger von der „bürgernahen Sachpolitik der UWG“ habe überzeugen können. Offenbar sei man damit tatsächlich angeeckt, allerdings anders als beabsichtigt.

Auch wenn man sich zu einer ersten Analyse erst am Abend zusammensetzen wollte, stellte Bruno König vorab schon das klar: „Wir werden nicht aufhören, unsere Finger in die Wunden zu legen und weiterhin nicht jedem neuen Projekt so ohne weiteres zustimmen.“

SPD überwältigt von großem Stimmenzuwachs

„Von Stolz erfüllt“ ist SPD-Fraktionsvorsitzende Sigrid Goßling und kann es immer noch kaum fassen. Schließlich hat die lokale SPD (25,8 %) die landesweiten, für die Partei alles andere als schmeichelhaften Ergebnisse, auf den Kopf gestellt und 9 Prozent zugelegt. Einen vierten Ratssitz habe sie durchaus für möglich gehalten, einem fünften aber überhaupt nicht. Eine bürgernahe Politik, getragen von einem respektvollen Umgang und vor allem die Dynamik, die das junge Legdener SPD-Team mitgebracht habe, sieht sie als Motoren für den Erfolg.

Durch die Mannschaft mit einem Durchschnittsalter von 42,2 Jahren, sähen sich auch junge Menschen, junge Familien stärker angesprochen: „Angebote an Bauplätzen, Spielplätze vor Ort, das sind klassische Sozi-Themen.“ Jetzt werde man sich „massiv ins Zeug legen“ für den Bürgermeister-Kandidaten Berkemeier. „Er ist einfach der Verwaltungsfachmann, weiß, wie der Hase läuft, ich bin fest davon überzeugt, dass er der beste Mann in diesem Amt ist.“

Auch die Legdener SPD-Frontfrau wirft die mögliche, erneute absolute Mehrheit in die Waagschale. „Will man das, oder will man einen unabhängigen Kandidaten?“ Der Trend gehe ja landesweit genau in diese Richtung.

Mit dem Ergebnis für die Legdener CDU (49,8 %), die mit drei Prozentpunkten Zuwachs ebenfalls auf der Gewinnerseite steht, ist deren Fraktionsvorsitzender Berthold Langehaneberg „im Großen und Ganzen ganz zufrieden“. Damit hebe man sich ab von einem Trend der sinkenden Stimmen für die CDU in vielen anderen Kommunen im Land. Und damit habe man auch das eigene Wahlziel erreicht: „Wir wollten auf jeden Fall die fünf Sitze halten und natürlich wäre eine 5 vor dem Komma schön gewesen.“ Man müsse aber auch mal zufrieden sein.

Am Montag habe man sich erstmal zusammengesetzt und die Ergebnisse genauer betrachtet. Jetzt stehe aber mit der Stichwahl bereits die nächste Wahl an: „Die nächsten zwei Wochen wollen wir richtig kämpfen.“

Alles korrekt gelaufen bei der Wahl

Und nicht nur in der Politik, auch in der Verwaltung stand die Auswertung der Wahlergebnisse im Fokus. Wahlleiter und Bürgermeister-Stellvertreter Jürgen Göckemeyer hatte am Montag bereits um 7.15 Uhr damit begonnen, sämtliche Wahl-Niederschriften aus allen zehn Stimmbezirken „auf Plausibilität“ zu prüfen. Entdeckt haben er und seine Mitarbeiter aber keine Auffälligkeiten. Das Resultat: „An dem bisherigen Ergebnis ändert sich nichts.“

Und sein Blick im Nachhinein auf den Wahlabend? Dass die Ergebnisse erst sehr spät eingelaufen seien, hält er für eine unberechtigte Kritik. „Dagegen verwehre ich mich.“ Schließlich habe der Transport der Briefwahlboxen zu den Wahllokalen und die Auszählung der zahlreichen Briefwähler auch zusätzliche Zeit in Anspruch genommen: „Ohne die wären wir vielleicht ein paar Minuten schneller gewesen, nicht mehr.“

Der neue Legdener Rat:

  • CDU (10 Sitze): Herbert Feldhaus, Bernd Wilpert, Gabi Uppenkamp, Daniel Selker, Renate Hülsken, Romanus Schwartenbeck, Berthold Langehaneberg, Bernhard Laukötter.
  • SPD (5 Sitze): Sigrid Goßling, Tobias Ebbing, Maria Lutter,
    Sebastian Klöpper, Michael Bröker.
  • UWG (5 Sitze): Christoph Behrendt-Richter, Bruno König, Gerd Heuser, Silke Meß, Christian Reers.
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