Auch Legdener filmen immer häufiger bei Bränden und Unfällen

mlzStörende Gaffer

Wenn es brennt, eilt die Legdener Feuerwehr zur Hilfe. Aber es kommen auch immer mehr Schaulustige und zücken ihre Handys. Für Feuerwehrchef Klaus Uppenkamp ist das ein echtes Ärgernis.

Legden

, 03.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Das Feuer ist längst gelöscht, doch der Ärger bei Feuerwehrchef Klaus Uppenkamp ist auch drei Tage nach dem Kornfeldbrand am Samstag nicht verraucht. Viele Schaulustige hatten die Arbeit der Feuerwehrmänner massiv behindert, weil sie entlang des Düstermühlenwegs ihre Autos abstellten und so für nachrückende Kräfte die Zufahrt zum Einsatzort verengten.

Immer mehr Schaulustige filmen auch bei Einsätzen in Legden

„Das Phänomen nimmt leider immer mehr zu, auch hier in Legden“, stellte Klaus Uppenkamp am Dienstag im Gespräch mit unserer Redaktion fest. Und das macht ihn richtig sauer. „Ich kann nicht verstehen, dass Menschen ihre Handys zücken, und andere Menschen in Notlagen fotografieren oder filmen. Das ist ein No-Go für mich.“

Polizeibeamte beobachten kreisweiten Trend

Am Samstag half die Polizei den Feuerwehrleuten, den Weg zum Einsatzort freizumachen. Förmliche Verwarnungen aber hat es nicht gegeben, sagt Thorsten Ohm als Sprecher der Kreispolizei. Aus dem Kollegenkreis der Polizeibeamten hört er immer wieder, dass der allgemeine Trend, Unfälle und Notlagen zu filmen, auch vor dem Kreis nicht halt macht. „Leider“, so fügt der Polizeisprecher hinzu.

Rettung geht vor Blechschaden

Aber was passiert eigentlich, wenn im Einsatzfall Feuerwehrleute durch parkende Pkw behindert werden? Darf der Fahrer eines Löschfahrzeugs abgefahrene Außenspiegel oder Blechschäden in Kauf nehmen? Oder gar ein Auto beiseite rammen?

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„Das ist eine Frage der Güterabwägung“, sagt Feuerwehrchef Klaus Uppenkamp. „Ist der Einsatzwagen zum Beseitigen einer Ölspur unterwegs, wird der Fahrer warten müssen, bis die Polizei den Weg frei macht. Wenn aber Leib und Leben in Gefahr sind, müssen die Feuerwehrleute schnelle Entscheidungen treffen und schnell handeln – und notfalls auch kleinere Schäden in Kauf nehmen.“

Kommunen stehen in der Amtshaftung

Und wer haftet dann für die Schäden? „In meiner Amtszeit hier in Legden hat es noch keinen solchen Schadensfall gegeben“, sagt Feuerwehrchef Klaus Uppenkamp. Markus Prangenberg vom Fachbereich Recht des Kreises Borken, kennt aber die Antwort: „Die Feuerwehr hat im Einsatzfall zwar Sonderrechte wie zum Beispiel das Vorfahrtsrecht bei eingeschalteten Blaulicht und Sirene. Aber auch die Feuerwehr muss die Sorgfaltspflichten im Verkehrsfluss einhalten. Und sie haftet auch.“ Der Feuerwehrmann muss sich aber nicht sorgen, persönlich belangt zu werden, solange er nicht vorsätzlich oder grob fahrlässig handelt. Prangenberg: „Es besteht in aller Regel eine Amtshaftung. Das heißt, die Kommunen als Träger der Feuerwehren übernehmen die Haftung.“

Die Amtshaftung aber gilt nicht für Schäden, die unmittelbar am Einsatzort zum Beispiel im Zusammenhang mit Löscharbeiten entstehen. „Dann gilt das sogenannte Haftungsprivileg“, sagt Markus Prangenberg. Fällt also bei Löscharbeiten ein Dachziegel auf ein Auto, muss die Feuerwehr nicht haften – es sei denn, der Schaden wurde vorsätzlich oder grob fahrlässig herbeigeführt.

Einladung in die Feuerwehr

In jedem Fall aber gilt aus Sicht des Legdener Feuerwehrchefs, dass Feuerwehreinsätze ohne Schaulustige reibungsloser ablaufen. Seine Empfehlung für den Fall eines Brandes oder eines Unfalls: „Ignorieren und fernbleiben, es sei denn, ein Ersthelfer ist notwendig“, sagt Klaus Uppenkamp. Und er fügt hinzu: „Wer näher ans Geschehen ran will, ist eingeladen zur Feuerwehr zu kommen und hier selber ehrenamtlich aktiv zu werden.“

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