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Streit ums Taxi am Dorf Münsterland: 24 Jahre alter Legdener tritt 42-Jährigem ins Gesicht

mlzAmtsgericht

Ein 24 Jahre alter Legdener wollte vom Dorf Münsterland mit dem Taxi nach Hause. Ein 42 Jahre alter Coesfelder wollte das auch. Am Ende lag der Coesfelder blutüberströmt auf dem Boden.

Legden

, 21.05.2019 / Lesedauer: 4 min

Der 24 Jahre alte Legdener trat einmal zu. Die Schmerzen des 42 Jahre alten Opfers müssen groß gewesen sein – noch heute leidet der Mann an den Folgen eines Vorfalls im März 2017 auf dem Parkplatz am Dorf Münsterland. Der Richter zitierte am Dienstag im Amtsgericht aus dem mit Fachausdrücken gespickten ärztlichen Bericht. Herauslesen ließen sich: eine Fraktur der Kieferhöhle, eine Augenhöhlenfraktur, ein Nasenbeinbruch, Hämatome und mehrere abgesplitterte Zähne.

Der Richter zeigte der Staatsanwältin Bilder des Geschädigten, die kurz nach der Tat aufgenommen wurden. Sein lapidarer Kommentar zu den Aufnahmen: „Er sieht heute wesentlich besser aus. Das war keine Ohrfeige.“ 5000 Euro zahlte der Legdener bislang an das Opfer. „Das wirkt sich positiv aus“, sagte der Richter über den Verlauf des Verfahrens. Verhandelt wurde eine gemeinsame gefährliche Körperverletzung, begangen von dem Legdener und einer weiteren Person.

Rangelei ums Taxi

Es war der 26. März 2017, morgens um 4 Uhr, als der Legdener und seine drei Freunde sich am Dorf Münsterland ein Taxi nehmen wollten. Ein 42 Jahre alter Coesfelder, dessen Freundin und ein befreundetes Pärchen wollten das auch. Ein Wort gab das andere, es entstand eine Rangelei und am Ende lag der Coesfelder nach einem Tritt ins Gesicht blutüberströmt auf dem Boden.

„Mein Mandant war stark alkoholisiert und kann sich nicht mehr an alles erinnern“, sagte die Verteidigerin des Legdeners. „Es soll wohl so gewesen sein, dass er sich befreite, weil sich der andere an seinem Schuh festgehalten haben soll.“ Bevor gleich vier Zeugen zur Wahrheitsfindung beitrugen, bekam das Opfer Gelegenheit, seine Krankengeschichte vorzutragen.

Seit der Tat ist seine Nasenscheidewand beidseitig defekt, er hat Atemaussetzer und bekommt schlecht Luft. Neben einer beidseitigen Hörminderung ist auch die Luftzufuhr durch ein Nasenloch vermindert. Es stehen noch Besuche beim Kieferorthopäden an, auch eine Operation ist unumgänglich.

Der Taxifahrer konnte im Zeugenstand nicht allzu viel zur Aufklärung der schon zwei Jahre zurückliegenden Tat beitragen. Das Opfer habe sich auf den Beifahrersitz gesetzt, der Täter und zwei weitere Personen hätten hinten Platz genommen. „Dann gab es eine Rangelei auf der Rücksitzbank und alle stiegen aus.“ Als er selbst aus dem Taxi ausgestiegen sei, „da sah ich den Mann schon blutend am Boden.“

Mit angezogenem Knie in den Rücken gesprungen

Sie wollte mit ihrem Freund um 4 Uhr morgens nach Hause, nach Coesfeld, erzählte die 39 Jahre alte Freundin des Geschädigten im Zeugenstand. Ihr Partner sei als Beifahrer ins Taxi eingestiegen, sie selbst und ihre Freundin hätten hinten Platz genommen. „Doch dann kam der Angeklagte und setzte sich ins Taxi. Ich dachte, das wäre witzig gemeint.“ War es aber nicht. „Ich wollte ihn aus dem Taxi ziehen, er drohte mir Schläge an.“

Als ihr Freund den Legdener aus dem Auto zog, begann eine Rangelei. „Ich versuchte, beide zu trennen und stellte mich dazwischen. Einer der Kumpel des Angeklagten kam angerannt und sprang meinem Freund mit angezogenem Knie in den Rücken.“ Der 42-Jährige fiel zu Boden. „Dann trat der Angeklagte meinem Freund ins Gesicht“, schilderte die 39-Jährige die Tat. Wer dem Opfer in den Rücken trat, das ließ sich am Dienstag nicht aufklären. Den Namen des Beteiligten nannte der Legdener nicht. Das mit dem Opfer befreundete Pärchen aus Legden schilderte den Vorgang ähnlich wie dessen Freundin.

„Jede Menge Alkohol“

Der Angeklagte selbst äußerte nicht viel zur Tat. Er hatte sich schriftlich beim Coesfelder entschuldigt und wiederholte am Dienstag, dass es ihm leid tue. An besagtem Abend habe er jede Menge Alkohol konsumiert. „Im Dorf Münsterland bestimmt zehn Bier und zehn Cola-Korn. Vorher waren wir noch Grillen, da habe ich so um die acht, neun Bier getrunken.“

Für Getränke dürfte dem 24-jährigen Legdener künftig deutlich weniger Geld zur Verfügung stehen. Er verpflichtete sich, dem Coesfelder alle aus dem Ereignis entstandenen und noch entstehenden materiellen und immateriellen Schäden zu ersetzen. Zusätzlich gab es wegen gefährlicher Körperverletzung eine sechsmonatige Freiheitsstrafe, für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Der Richter in seinem Schlusswort: „Sie waren der, der hinterhältig zugetreten hat.“

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