Einen Tag nach dem Tagebruch in einem Privat-Garten in Legden: Mitarbeiter von Amprion sind vor Ort, der Garten ist weiterhin abgesperrt. Hinter der Mauer verbirgt sich ein Bagger. © Laura Schulz-Gahmen
Amprion-Tagebruch

Tagebruch in Legden – Amprion widerspricht Vorwürfen

Nach dem Tagebruch in einem privaten Garten in Legden wollte der Eigentümer sich gegenüber der Presse nicht äußern. Hat Amprion Druck auf den Gartenbesitzer ausgeübt? Amprion dementiert das.

In der vergangenen Woche ist es in Legden zu einem Tagebruch gekommen. Verursacht wurde dieser durch die Bohrungen im Amprion-Tunnel. In einem privaten Garten und in einem Gehweg sind dadurch große Löcher entstanden.

Nach Informationen, die der Redaktion vorliegen, soll Amprion dem Gartenbesitzer einen neuen Garten geboten haben, wenn dieser nicht mit der Presse spricht. Hat Amprion Geld in Aussicht gestellt, um einprägsame Bilder zu vermeiden, den Vorfall klein zu halten und so sein Image zu retten? Zuerst hatte es von Seiten des Unternehmens geheißen, dass man darüber nichts sagen könne. Jetzt macht Amprion doch Angaben dazu.

Bereits am Montag und am Dienstag ist es in Legden zu dem Tagebruch gekommen, die Straße wurde gesperrt, Buslinien werden umgeleitet. Die Amprion-Arbeiten im mittlerweile 750 Meter langen Tunnel und in 14 Metern Tiefe haben bereits am Donnerstag wieder begonnen, wenn auch mit deutlich reduzierter Geschwindigkeit.

Grundstückseigentümer wollte nicht mit der Presse sprechen

In den Nachbargärten des Grundstücks sind augenscheinlich bislang keine Schäden durch den Amprion-Tunnel entstanden. Das versicherten die direkt angrenzenden Nachbarn vor Ort gegenüber der Redaktion.

Der Grundstückseigentümer jedoch, dessen Garten plötzlich fast eine Etage tiefer lag, wollte sich gegenüber der Redaktion nicht äußern und verweigerte den Zutritt zu seinem Grundstück, um über das Ereignis in Bild und Video berichten zu können. Er berichtigte lediglich, dass man statt Beton bereits flüssigen Boden verfüllt habe.

Hat Amprion den Garten-Besitzer bestochen?

Der Redaktion wurde aus sicherer Quelle mitgeteilt, dass das Unternehmen Amprion dem Garteneigentümer Leistungen in Aussicht gestellt habe und die Gestaltung eines komplett neuen Garten zugesichert habe, wenn dieser nicht mit der Presse über den Vorfall spricht.

Mit dieser Aussage konfrontiert, antwortete das Unternehmen Amprion, dass man darüber nichts wisse und somit keine Aussage dazu machen kann.

Plötzlich doch ein Dementi

Am Sonntag, 18. Juli, erreichte die Redaktion dann eine Nachricht von Thomas Wiede. Er ist Leiter der Unternehmenskommunikation bei Amprion. „Ich dementiere die in Ihrer Berichterstattung erhobenen Behauptungen im Namen der Amprion GmbH hiermit“, schreibt er in einer Mitteilung an die Redaktion und bezieht sich damit auf den Verdacht, dass Amprion dem Geschädigten Schweigegeldgeboten habe.

Weiter schreibt er in der Mitteilung: „Die Berichterstattung ‚Verdacht des Schweigegelds: Hat Amprion Geschädigtem etwas geboten?‘ entspricht nicht den Tatsachen und wir dementieren den Bericht.“ Das Unternehmen Amprion habe laut Thomas Wiede unmittelbar nach dem Auftreten des Tagebruchs in Legden die Öffentlichkeit und die Medien transparent und fortlaufend über das Ereignis informiert.

Redaktion erfuhr erst am Mittwoch von Tagebruch

Erfahren hat die Redaktion allerdings erst am Mittwochvormittag – am Tag nach den ersten sichtbaren Schäden – von dem Tagebruch, und erst auf Nachfrage beim Unternehmen Amprion.

Zu der Schadenssumme wurde von Amprion bisher keine Angabe gemacht. Thomas Wiede schreibt in der Mitteilung an die Redaktion weiter: „Grundsätzlich werden Schäden, die nachweislich durch Bauarbeiten in Rahmen unserer Projekte entstehen, behoben beziehungsweise reguliert.“ Dabei sei es unerheblich, ob das Eigentum in privatem oder öffentlichem Eigentum liege.

Mit den Eigentümern und Behörden stehe das Unternehmen kontinuierlich in Kontakt, auch um eine Lösung bezüglich der Schadensregulierung zu finden. „Ausdrücklich bestehen hier keine Verbindungen zu möglichen Medienanfragen“, betont Thomas Wiede. Das entspreche nicht den Unternehmensgrundsätzen.

(Bei diesem Artikel handelt es sich um eine überarbeitete Version eines bereits erschienen Artikels.)

Über die Autorin
Redakteurin
Laura Schulz-Gahmen, aus Werne, ist Redakteurin bei Lensing Media. Vorher hat sie in Soest Agrarwirtschaft studiert, sich aber aufgrund ihrer Freude am Schreiben für eine Laufbahn im Journalismus entschieden. Ihr Lieblingsthema ist und bleibt natürlich: Landwirtschaft.
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Laura Schulz-Gahmen

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