Theresia Heuser und ihr Sohn Willem in der mobilen Teststation in Asbeck. Getestet wurde Simone Schulze Beikel. © Laura Schulz-Gahmen
Teststation

Teststellenbetreiber über Abrechnungs-Skandal: „Kontrollsystem funktioniert“

Nachdem in mehreren Städten Teststellen aufgeflogen waren, die mehr Tests abgerechnet als durchgeführt haben, wird mehr kontrolliert. Ein Teststellenbetreiber sagt: Das System funktioniert.

In den vergangenen Montane sind immer mehr Schnelltest-Zentren aus dem Boden geschossen. Allerdings wurde zuletzt in verschiedenen Medien des Öfteren darüber berichtet, dass in einigen Testzentren zu viele Tests abgerechnet wurden. Das heißt, die Betreiber haben den Verbrauch von mehr Tests angegeben, als tatsächlich durchgeführt wurden.

Dafür haben sie natürlich auch Geld bekommen. Wir haben in Legden nachgefragt, was man bei der Durchführung einer Teststation alles beachten muss – vom Anmelden über das Testen bis hin zur Dokumentation.

Werden auf Skandal angesprochen

In Legden und Asbeck gibt es eine mobile Teststation, den „Coronajäger“. Betreiber ist Familie Heuser aus Legden. Seit Anfang Mai ist das mobile Team unterwegs und testet die Menschen in Legden und Asbeck.

Zu dem Schnelltest-Skandal sagt Gerd Heuser: „Ja, auch wir werden auf den Abrechnungsskandal angesprochen. Wann immer kriminelle Energie eingesetzt wird, werden sich leider auch Möglichkeiten zum Betrug finden lassen.“

Überwachung mit Chayns-App

Besonders am Anfang, als noch häufiger getestet wurde, seien in den Augen von Gerd Heuser die Verwaltungen mit dem Aufbau des Textsystems und der Zulassung /Einrichtung von Teststellen ausgelastet gewesen. „Da war die Möglichkeit zur Überwachung aus zeitlichen Gründen sicherlich noch nicht umfangreich möglich“, sagt er. Heute sei die Hauptaufgabe eher die Systemüberwachung.

Im Nordkreis (Altkreis Ahaus) arbeiten viele Teststationen mit der Chayns-App. Da sind die Erfassungen von Testpersonen – schon von der App aus – nur über die Testteilnehmer selbst möglich, nur diese können auch abgerechnet werden. Manuelle Anmeldungen werden von den zu testenden Personen selbst mit Kontaktdaten sowie Datum und Uhrzeit der Testdurchführung ergänzt und ausgefüllt.

Personalausweis ist ein Muss

Jede zu testende Person muss einen Personalausweis mitbringen, zur Kontrolle. Ohne gibt es keinen Test. Ist die zu testende Person dann vor Ort und checkt mit der App ein oder füllt einen Zettel aus, wird der Test automatisch in der App festgehalten. Das Ergebnis wird ebenfalls aufs Handy geschickt.

Der Sohn von Theresia und Gerhard Heuser, Willem Heuser, wertet die Tests aus. Dafür kommen die Stäbchen mit dem Probenmaterial für 20 Sekunden in das Röhrchen mit der Flüssigkeit. „Drei Tropfen von der Flüssigkeit kommen dann auf den Testträger, nach 15 Minuten liegt das Ergebnis vor“, sagt Willem Heuser im Gespräch mit der Redaktion. „Die Proben kommen anschließend, doppelt in Beutel gewickelt, in den Müll“, so Willem Heuser.

Aufbewahrung der Unterlagen für spätere Prüfung

Liegen die Ergebnisse vor, trägt er sie mit dem Laptop in die Chayns-App ein, oder füllt das anfangs von der zu testenden Person ausgefüllte Testformular aus. Die Daten in der App werden direkt an den Kreis Borken weitergeleitet. Die Daten von den ausgefüllten Zettel werden am selben Tag abends an den Kreis weitergegeben.

„Einen mit Kohlepapier erstellten Durchschlag pro Zettel heften wir abends ab, wenn wir die Daten an den Kreis übermittelt haben“, sagt Theresia Heuser im Gespräch mit der Redaktion. Die Unterlagen muss die Legdener Familie für eventuelle Prüfungen zu späteren Zeitpunkten aufbewahren. Insgesamt hatte die mobile Teststation „Coronajäger“ noch keine zehn positiven Tests.

Bisher kein Abrechnungsbetrug im Kreis Borken bekannt

„Jede Teststation ist verpflichtet, täglich die Anzahl sowie die positiven und negativen Ergebnisse zu melden“, schreibt Gerd Heuser auf eine Anfrage der Redaktion. Im Falle einer Kontrolle würde ein bestimmter Tag mit einer gemeldeten Anzahl von durchgeführten Testungen durch die Chayns-App und die manuellen Anmeldebögen sich jederzeit überprüfen lassen. Sollten sich dabei Abweichungen ergeben, können die eingereichten (wenigen) manuellen Anmeldungen auch direkt befragt werden.

Im Kreis Borken ist bisher kein Abrechnungsbetrug bekannt: „Ein Großteil der Teststellen wurde bereits kontrolliert und wir haben viele Leute vom Kreis draußen. Sie machen groß angelegte Stichproben. Aber bisher gibt es keine Ansätze für Abrechnungsbetrüge“, sagt Elisabeth Schwenzow vom Kreis Borken.

Gerd Heuser resümiert zum Teststellen-Skandal: „Letztlich funktioniert ja das Kontrollsystem, sonst wären die Betrügereien ja nicht aufgefallen.“

Über die Autorin
Redakteurin
Laura Schulz-Gahmen, aus Werne, ist Redakteurin bei Lensing Media. Vorher hat sie in Soest Agrarwirtschaft studiert, sich aber aufgrund ihrer Freude am Schreiben für eine Laufbahn im Journalismus entschieden. Ihr Lieblingsthema ist und bleibt natürlich: Landwirtschaft.
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Laura Schulz-Gahmen

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