Tierwohl-Label sorgt bei Legdener Schweinebauern für unterschiedliche Reaktionen

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Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat am Mittwoch ein neues Siegel zur Kennzeichnung von Schweinefleisch vorgestellt. Die Legdener Schweinebauern reagieren gemischt.

Legden

, 06.02.2019, 20:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach jahrelangem Ringen um ein staatliches Siegel für Fleisch aus Nutztierhaltung, hat Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) am Mittwoch das „Tierwohl-Label“ vorgestellt. In drei Qualitätsstufen, vorerst nur bei Schweinen, soll ab 2020 das Fleisch in Supermärkten klassifiziert werden. Die insgesamt 13 Kriterien umfassen unter anderem die Haltung, den Transport und die umstrittene Ferkelkastration. Ziel: Besserer Schutz der Tiere und mehr Transparenz für den Endverbraucher.

Die Legdener Schweinebauern zeigen sich auf Anfrage unserer Redaktion überwiegend skeptisch. „Ich halte Labels generell für richtig. Aber am Ende müssen wir den Preis für den Mehraufwand auch wieder reinkriegen“, sagt Christian Bomberg, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsvereins. In eine ähnliche Kerbe schlägt sein Kollege Andre Bücker. „Ich habe mich noch nicht in aller Tiefe damit befasst, aber ich erwarte einen riesigen Bürokratieaufwand.“ Auf seinem Hof im Beikelort hält der 33-Jährige derzeit circa 500 Sauen.

Kennzeichnung nicht verpflichtend

Auch wenn die Kennzeichnung nicht verpflichtend ist, sieht Bücker mehr Arbeit auf seinen Betrieb zukommen. „Es ist vielleicht freiwillig, aber es bedeutet trotzdem einen Tag mehr im Büro, der dementsprechend vergütet werden muss“, so der Legdener Landwirt.

Er sieht vor allem die kleinen Betriebe in Gefahr: „Bei manchen kann das vielleicht kostenneutral durchlaufen, bei anderen Landwirten ist das nicht der Fall.“ Er könne nicht einfach hingehen und die Anzahl der Säue auf seinem Hof um 20 Prozent reduzieren. Andre Bückers Blick in die Zukunft ist düster: „Das ist noch nicht das Ende vom Lied. Ich befürchte, da werden noch einige Auflagen für Schweinebauern folgen.“

Der Sauenhalter werde, so Bücker, durch neue Auflagen „am ehesten gebeutelt“. Anders als ein Mäster, könne der Sauenhalter nicht einfach für einige Wochen den Betrieb einstellen. „Die Sauen sind besamt. Da kann ich nicht einfach sagen: ‚Ich kann gerade keine Ferkel gebrauchen.‘“

Sorge der Landwirte wird durch Zahlen belegt

Die Sorgen des Legdener Landwirts können mit Zahlen untermauert werden. Die Zahl der Sauenhalter ist in Deutschland seit 2000 von insgesamt 48.000 auf 7000 zurück gegangen. Eine Umfrage der Interessenvertretung der Schweinehalter in Deutschland (ISN) ergab, dass in Nordrhein-Westfalen rund 80 Prozent der Sauenhalter darüber nachdenken, ihren Betrieb in spätestens zehn Jahren aufgeben zu wollen.

„Wenn der Bürokratiewahnsinn so weiter geht, haben wir bald keine deutschen Ferkel mehr“, orakelt Andre Bücker. „Irgendwann werden wir nur noch aus Fernost beliefert, und die Haltungsbedingungen kennen wir ja aus zahlreichen Videos...“

Auch Heinz Bernd Saalmann hat auf seinem Hof im Wehr Schweine. Er zweifelt an, dass die Verbraucher tatsächlich bereit sind, für größere Nachhaltigkeit mehr Geld zu bezahlen: „Wenn man die Leute befragt, wollen sie es, im Supermarkt greifen sie aber trotzdem zum billigen Fleisch.“ Dennoch sieht er Grund zum Handeln. „Mit Regionalität und Transparenz kommen wir schneller an den Verbraucher ran. Wir müssen den Leuten zeigen, dass wir keine Tierquäler sind.“

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