Die Tönnies-Unternehmensgruppe hat in der Produktion nur noch Festangestellte. © picture alliance / Bernd Thissen/dpa
Millionen-Investition

Tönnies schafft Werkverträge ab: Mehr Festangestellte in Legden

Die Großschlachterei Tönnies hat von Werkverträgen bei Mitarbeitern der Produktion auf festangestellte Mitarbeiter umgestellt. In die Unterbringung wurden Millionen investiert.

Die Tönnies-Unternehmensgruppe beschäftigt seit Jahresende 2020 keine Werkvertragsarbeiter mehr in den Kernbereichen der Produktion. Diese Pressemitteilung ging am 15. Januar 2021 vom Unternehmen raus. Wir haben nachgehakt.

Rund 50 Mitarbeiter in Legden

Der Konzern habe im Sommer, also noch vor den gesetzlichen Regelungen, dafür gesorgt, dass die Übernahme mit den Tochtergesellschaften begonnen hat. Die Mitarbeiterzahlen der Tönnies-Unternehmen haben sich damit zum Teil erhöht – so auch beim Schlachthof in Legden, der seit 2014 Teil der Tönnies Unternehmensgruppe ist.

Der Geschäftsführer der Tönnies-Division Beef Ulrich Steinemann begrüßt die Änderungen: „Auch an unserem Standort in Legden ist die Zahl der festangestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im letzten Jahr gewachsen. Insgesamt arbeiten dort nun rund 50 Beschäftigte in der Tönnies-Unternehmensgruppe“. Etwa die Hälfte davon sei vergangenes Jahr in ein festes Arbeitsverhältnis bei dem Tönnies-Unternehmen gewechselt.

In der Produktion keine Werkverträge mehr

Aber was heißt das jetzt genau? Sind jetzt alle Arbeiter bei Tönnies fest angestellt? „Jain“, sagt Dr. André Vielstädte, Leiter der Unternehmenskommunikation im Gespräch mit der Redaktion. Ein Großteil der Werkverträge sei abgeschafft worden, das betreffe vor allem den Kernbereich, also Schlachtung, Zerlegung und Verpackung.

Im Jahr 2020 sind bei mehreren Großschlachtereien, wie Tönnies, Corona-Fälle in den Betrieben festgestellt worden. So sind die Umstände der Unterbringung ihrer Werkvertragsmitarbeiter in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. © picture alliance/dpa © picture alliance/dpa

Hier seien Werkverträge zu 100 Prozent abgeschafft worden. Insgesamt seien über 90 Prozent der Mitarbeiter bei der Tönnies-Unternehmensgruppe fest angestellt. Es gebe natürlich trotzdem noch Werkverträge mit beispielsweise „Reinigungskräften oder IT-Dienstleistern“. Ein generelles Werkvertrags-Verbot gebe es nicht.

In anderen Bereichen bleiben Werkverträge

Dafür nennt André Vielstädte ein „schönes Beispiel“: Es gibt ein eigenes Werk für vegetarische Produkte und ein eigenes Werk für Tierfutter. „In den Bereichen dürfen die Werkverträge noch erhalten bleiben.“

Aufgekommen war das Thema Werkverträge im Jahr 2020 durch die Corona-Fälle bei mehreren Schlachtunternehmen. Die Sammelunterkünfte sind bei der Verbreitung des Virus in den Fokus gerückt. Auch bei Tönnies gab es Corona-Fälle. Im Betrieb Legden gab es laut André Vielstädte kaum Fälle: „Ich meine es waren zwei.“

Über 500 für Mitarbeiter geschaffen

Bereits vor den Corona-Infizierten bei der Unternehmensgruppe Tönnies gab es laut Vielstädte keine Sammelunterkünfte. Etwa 70 Prozent der Mitarbeiter seien in privaten Wohnungen untergekommen. Die restlichen 30 Prozent seien über die entsprechenden Subunternehmen untergebracht worden. Für die 30 Prozent, die vorher durch Subunternehmen untergebracht waren, habe der Tönnies-Konzern über 2000 eigene Wohnplätze geschaffen, mit mehr als 500 Wohnungen.

Die Lohnstruktur habe sich im Zuge der Betriebsübergänge in neue Festverträge nicht geändert, wir haben die Preise nicht gedrückt“, so André Vielstädte. Die Kosten für das Unternehmen inklusive der Wohnraumschaffung und dem Organisationsaufwand liegen laut Vielstädte im zweistelligen Millionenbereich.

80 Prozent sind zu Tönnies gewechselt

Die Werkvertragsarbeiter, die vorher bei Subunternehmen angestellt waren, wurden von der Tönnies-Gruppe gefragt, ob sie wechseln möchten. 80 Prozent der Mitarbeiter hätten dies nach Angaben des Unternehmens gemacht. „20 Prozent wollten nicht wechseln, weil sie sonst ihre Flexibilität verloren hätten“, sagt André Vielstädte. Für diese 20 Prozent seien neue Mitarbeiter rekrutiert worden.

Die formale Abwicklung der Umstellungen sei am Standort in Legden bereits im August 2020 über die Bühne gegangen. Nach der Verabschiedung des Arbeitsschutzkontrollgesetzes blickt das Unternehmen positiv auf kommende Gespräche über einen flächendeckenden und allgemeinverbindlichen Tarifvertrag für die gesamte Branche.

Über die Autorin
Redakteurin
Laura Schulz-Gahmen, aus Werne, ist Redakteurin bei Lensing Media. Vorher hat sie in Soest Agrarwirtschaft studiert, sich aber aufgrund ihrer Freude am Schreiben für eine Laufbahn im Journalismus entschieden. Ihr Lieblingsthema ist und bleibt natürlich: Landwirtschaft.
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