Traumhaus mit Fernweh

Legden Lea winkt. Ihr Gruß gilt einer guten Bekannten der Familie, die jeden Tag mehrfach am geschichtsträchtigen Haus von Leas Eltern vorbeischaut - immer gut drei Meter von der Terrasse entfernt und fast immer um Viertel vor und um zwölf Minuten nach jeder Stunde: die Eisenbahn.

20.06.2008, 19:56 Uhr / Lesedauer: 2 min

<p>Lea winkt regelmäßig den Zügen zu, die an der Terrasse vorbei zum Haltepunkt fahren. </p>

<p>Lea winkt regelmäßig den Zügen zu, die an der Terrasse vorbei zum Haltepunkt fahren. </p>

Der Zug ist abgefahren. Der jüngste Spross der Familie Räckers, die seit zwölf Jahren den Legdener Bahnhof bewohnt, wendet sich wieder ihren anderen Freunden zu: dem kleinen Pony, den zwei Ziegen und dem Schäferhund Paulo, der der nicht einmal Zweijährigen auf ihren schon erstaunlich sicheren Rundgängen über das Grundstück nicht von der Seite weicht.

Kotten gesucht

Leas Eltern, Dirk und Katja Räckers bleiben noch am Gartentisch auf der Terrasse sitzen - ehemals ein Stück Bahnsteig - und blicken Lea hinterher. "So haben wir uns das eigentlich immer gewünscht", sagt der 36-jährige Familienvater: ein großes Grundstück, ein altes Fachwerkhaus, enger Kontakt zur Natur und viel Platz zum Spielen. "Zugegeben", fügt Räckers hinzu, "eigentlich hatte ich dabei zunächst an einen allein stehenden alten Kotten gedacht." Dass sein Traumhaus einmal der Legdener Bahnhof sein würde - "ich kannte ihn nicht einmal, obwohl ich gebürtiger Ahauser bin", räumt der junge Mann schmunzelnd ein - war ein großer Zufall. "Ich las davon, dass die Bahn das Gebäude versteigern will", erinnert er sich. Daraufhin sei er nachgucken gefahren - und war begeistert: Wer vom Legdener Ortskern über die Bahnhofstraße kommt, wie er damals, sieht zunächst die Holzfassade der Giebelseite. "Fast so etwas wie im Schwarzwald", beschreibt er. Die der Bahnstrecke abgewandte Längsseite mit dem Eingang zeigt ein Nebeneinander von rotem Backkstein und Holz: die erträumte Fachwerkfront, und dann das 1100 Quadratmeter große Grundstück.

Also Liebe auf den ersten Blick? Der Tischler und Bauschreiner, der im Laufe der Zeit noch eine Zusatzausbildung zum Heimerzieher gemacht hat und inzwischen auch Jugendliche bei sich im Bahnhof betreut, schüttelt den Kopf: "Mit war von vorne herein klar, dass wir da jede Menge Arbeit reinstecken müssen." Und inzwischen reingesteckt haben. Längst erinnert nichts mehr an die ehemalige Bahnhofskneipe, die Tante Klärchen geführt hat. Das ganze Haus, das so alt ist wie die Bahnstrecke selbst - nämlich fast 140 Jahre - ist saniert und renoviert - ohne den Charakter der Zeit zu verwischen: "Wir haben uns original Baustoffe besorgt - immer wenn irgendwo Bahngebäude abgerissen wurden."

Wunderbare Ruhe

Eine halbe Stunde ist vorbei. Die Bahn kommt - dieses Mal in die andere Richtung. Lea steht bereit, um sie zu begrüßen. Ob die Züge auch stören? "Nein", sagen Dirk und Katja Räckers wie aus einem Munde: "Ab 20 Uhr ist es hier so ruhig wie nirgendwo sonst. Die Rehe kämen bis zur Terrasse - jenseits der Schienen. sy-

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