Sekundarschule wird nach einem vergessenen Widerstandskämpfer benannt

mlzSekundarschule Legden Rosendahl

Paulus van Husen: Ein Widerstandskämpfer und Jurist gibt der Sekundarschule den Namen. Im Frühjahr soll es offiziell werden. Damit ist die Suche beendet. Auch ein Astronaut war im Rennen.

Legden

, 24.11.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war ein langer Prozess der Namensfindung, so erzählte die kommissarische Schulleiterin Kristin Ebbing am Mittwoch in der Sitzung des Schulzweckverbands am Legdener Standort. Es wurde nach geografischen Gemeinsamkeiten beider Gemeinden gesucht, viele Namen besprochen.

Haber, Humboldt, Kolping und vor allem Alexander Gerst waren im Gespräch. Doch der Astronaut erklärte schließlich, generell keine Namenspatenschaften zu übernehmen. „Wir waren etwas frustriert“, so Kristin Ebbing.

Jetzt aber sind alle sehr zufrieden mit dem Namen und mit Paulus van Husen. Er ist ein vergessener Widerstandskämpfer.

„Vieles, was uns in der Schule wichtig ist, trifft auch auf ihn zu“, meinte der Sonderschullehrer Andreas Wellenbüscher. Dass er nicht bekannt sei, sei ein Vorteil. „Keiner kennt ihn, jeder muss nachfragen, das ist ein toller Umstand.“ Und Kristin Ebbing betonte: „Es ist eine große Chance, uns ins Gespräch zu bringen.“

Jetzt lesen

Keine dunklen Flecken zu befürchten

Die Politiker beider Gemeinden sahen das ähnlich. Mit zwei Enthaltungen stimmte der Schulzweckverband als Schulträger für den Namen. Vorher hatten dieser noch einmal genau nachgefragt, ob die Vergangenheit van Husens denn komplett durchleuchtet sei.

Dunkle Flecken werden nicht auftauchen, so versprach Andreas Wellenbüscher. Immerhin gibt es eine umfangreiche Dissertation über den Widerstandskämpfer.

Andreas Wellenbüscher, selbst im Vorstand der Israelstiftung in Deutschland, stieß eher zufällig auf Paulus van Husen. Und auf dessen Großneffen Manfred Lütz, der sich mit seinem Großonkel beschäftigt und das Buch „Als der Wagen nicht kam“ geschrieben hat. Es basiert auf 1000 Seiten Tagebuchaufzeichnungen.

Begeistert skizzierte Wellenbüscher in der Sitzung in der Aula der Legdener Sekundarschule das Leben des gläubigen Katholiken, der in Oxford, München, Genf und Münster Jura studierte, den Ersten Weltkrieg überlebte, schließlich 1934 ins nationalsozialistische Berlin kam. „Er war einer der wenigen Juristen, der nicht in der NSDAP war“, so der Sonderschullehrer.

Mitglied des Kreisauer Kreises

Später wurde er Mitglied des Kreisauer Kreises, einer bürgerlichen Widerstandsgruppe, die sich mit einem Neuanfang nach einem möglichen Sturz Hitlers beschäftigte. „Als der Wagen nicht kam“, der Titel des Buches von Manfred Lütz, bezieht sich darauf. Denn der Wagen, der Paulus van Husen nach einem geglückten Attentat auf Adolf Hitler abholen sollte, um ihn nach Berlin zu bringen, kam nicht.

Jetzt lesen

„Van Husen hat diese Zeit immer als seine hohe Zeit empfunden, trotz der Gefahren. Weil das Leben einen Sinn hatte“, erzählte Andreas Wellenbüscher.

Während die Attentäter zum Tode verurteilt wurden, entging van Husen erst einmal der Aufmerksamkeit. 1945 wurde er dann doch noch zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt.

Drei Wochen später war der Krieg vorbei und van Husen wieder frei. Er wurde dann Mitbegründer der CDU. In Adenauers Kabinett wollte er nicht. „Da treffe ich nur alte Nazis“, soll er gesagt haben.

Lebensabend in Münster verbracht

1949 wurde Paulus van Husen zum ersten Präsidenten des Oberverwaltungsgerichts für das Land Nordrhein-Westfalen in Münster berufen, in der Folge Präsident des 1952 errichteten Verfassungsgerichtshofs für das Land Nordrhein-Westfalen. 1959 ging van Husen in den Ruhestand, 1971 starb er mit 80 Jahren in Münster.

Manfred Lütz, der Großneffe, so berichtete Wellenbüscher weiter, habe sich sehr gefreut über den Plan der Schule. „Er hat schon zugesagt, in die Sekundarschule zu kommen und aus seinem Buch zu lesen.“ Die Namengebung soll, so Kristin Ebbing, mit einem Schulfest gefeiert werden.

„Der Name macht schon die Runde“, so die kommissarische Schulleiterin, „die Schüler haben schon nachgefragt, ob sie den Namen auf ihre Abschluss-T-Shirts drucken lassen können.“

Es gibt aber schon erste Überlegungen, wie sich die Schüler mit Paulus van Husen und den von ihm gelebten Werten beschäftigen können. Wellenbüscher: „Der i-Punkt wäre es, mit Schülern nach Kreisau zu fahren.“

Lesen Sie jetzt