Verwaltungsmitarbeiter auf Schulhof getreten: Grund könnte Streit um Internetanschluss sein

mlzAmtsgericht Ahaus

Ein Mitarbeiter der Legdener Gemeindeverwaltung wurde nachts auf dem Schulhof der Sekundarschule mehrmals getreten. Grund könnte ein nicht genehmigter Internetanschluss sein.

Legden

, 06.12.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Hören Sie auf, uns hier was vorzumachen“, sagt der Richter deutlich. Er glaubt dem Angeklagten seine Version nicht. Es geht um eine Körperverletzung vom Juni 2019 auf dem Schulhof der Sekundarschule in Legden.

„Da liegt eine Verwechslung vor. Ich war an dem Abend nicht auf dem Schulhof“, sagt der 29-Jährige nach der Verlesung der Anklage. Er sei zu dem Zeitpunkt entweder in der Pizzeria arbeiten oder schon zu Hause gewesen.

Das Problem: Das Opfer hat ihn erkannt und seinen Namen genannt. Auch im Zeugenstand macht er klar: „Er war das, da gibt es keinen Zweifel.“

Mitarbeiter der Verwaltung bekommt Tritt gegen die Brust

Der Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung war in der Nacht Anfang Juni gegen 2.20 Uhr privat mit dem Fahrrad unterwegs und hat Stimmen auf dem Schulhof gehört. „Weil wir in der Verwaltung auch für die Schulhöfe zuständig sind, wollte ich nach dem Rechten schauen“, erzählt der 56-Jährige.

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Auf dem Schulhof saß eine Gruppe von sechs bis acht jungen Männern. „Ich habe denen gesagt, dass sie sich dort nicht aufhalten dürfen. Einen kannte ich, mit dem habe ich mich nett unterhalten.“ Plötzlich habe er von einem anderen einen Tritt gegen die Brust bekommen. Auch gegen das Fahrrad habe der Mann getreten. „Seine Freunde haben ihn zurückgehalten und mir geraten: Verschwinde, der tickt gleich aus“, erzählt der 56-Jährige.

Zweiter Tritt und Provokationen

Er schob das Fahrrad um die Ecke, versuchte es zu reparieren. „Als ich mich aufgerichtet habe, habe ich einen zweiten Tritt gegen die Brust bekommen.“ Kurz danach habe sich der Mann dicht vor ihn gestellt, ihn mit Namen angesprochen und gefragt: „Na, wo ist deine Staatsmacht jetzt?“

„Ich habe ihn da eindeutig erkannt. Ich kenne ihn vom Sehen, er wohnt schließlich in Legden“, sagt der Verwaltungsmitarbeiter im Zeugenstand. Seine Freunde hätten ihn zudem beim Vornamen genannt.

Grund könnte Diskussion um Internetanschluss sein

„Was glauben Sie denn, warum er Sie getreten hat?“, will der Richter wissen. Eine mögliche Erklärung: „Er ist mit einem Flüchtling befreundet, der in einer Obdachlosenunterkunft wohnt. Der wollte einen Internetzugang, den ich ihm leider nicht ermöglichen konnte“, so der Verwaltungsmitarbeiter. Ob das wirklich der Grund war, kann er nicht sicher sagen. Aber: „Er hat mir auch an den Kopf geworfen, dass wir Beamten ja gar nicht wüssten, was die Flüchtlinge durchmachen.“

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Für den Richter ist diese Aussage sehr glaubwürdig: „Für mich gibt es keinen Zweifel, dass das so passiert ist. Das hat er sich nicht ausgedacht.“ Das Problem: Der junge Mann, der sich mit dem Opfer unterhalten hat, ist trotz Ladung nicht zum Gerichtstermin erschienen.

Zeuge muss zum nächsten Termin erscheinen

„Überlegen Sie sich gut, ob Sie den hier wirklich aussagen lassen wollen“, wendet sich der Richter an den Angeklagten. Doch der blieb dabei: „Ich war das nicht.“ Also verhängt der Richter ein Ordnungsgeld von 200 Euro für den nicht erschienen Zeugen und setzt einen neuen Termin im nächsten Jahr an.

Zum Schluss macht der Richter noch einmal klar: „Sie unterschätzen die Bedeutung dieser ganzen Geschichte. Wenn der Zeuge hier beim nächsten Mal aussagt, dann gibt es nicht viele Punkte, die für Sie sprechen. Ein Geständnis würde Ihnen deutlich besser tun.“

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