Vier Frauen und ein Gemüsegarten auf Bogenstahl-Grundstück in Legden

mlzSchöne Gärten

Geteilte Arbeit ist vierfache Erntefreude: Vier Legdener Frauen im Umfeld der Familie Bogenstahl haben gemeinsam einen Gemüsegarten und Blühwiesen angelegt. Sie hoffen auf Nachahmer.

Legden

, 27.06.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Gerda Bogenstahl hat einen sehr schön gestalteten Garten. Aber den will die Legdenerin gar nicht zeigen. Sie führt durch die Hintertür auf eine große Fläche. Auf den ersten Blick fallen zwei große Blühwiesen ins Auge, auf den zweiten Blick ein Gemüsegarten.

Den wollen sie und ihre drei Mitstreiterinnen für unsere Serie vorstellen. Dabei geht es ihnen nicht unbedingt um den größten, schönsten oder ausgefallensten Gemüsegarten. Sondern um die Idee, die dahinter steckt: Gemeinschaftlich gärtnern.

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Vier Frauen gemeinsam im Gemüsegarten

Vier Frauen teilen sich in Legden einen Gemüsegarten. Gemeinsam kümmern sie sich um Kartoffeln, Salat, Mangold und anderes Obst und Gemüse. Und zwei Blühwiesen haben sie auch angelegt. Gertrud Bogenstahl, die hier früher ihren Gemüsegarten hatte, freut sich, dass die nächsten Generationen auch Spaß am Gärtnern haben. Und sie hat auch manchen guten Tipp parat.
27.06.2020
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In der Blühwise: (v.l,) Gertrud Bogenstahl, Gerda Bogenstahl, Britta Ramschulte und Elke Siepmann. © Ronny von Wangenheim
Geteilter Gemüsegarten ist vierfache Freude: Auf einem Grundstück der Familie Bogenstahl trifft sich eine Gartengemeinschaft.© Ronny von Wangenheim
Kürbis und Zucchini wachsen in einer Reihe.© Ronny von Wangenheim
Viel Futter für Bienen und Hummeln bieten Blühwiesen.© Ronny von Wangenheim
Geteilter Gemüsegarten ist vierfache Freude: Auf einem Grundstück der Familie Bogenstahl trifft sich eine Gartengemeinschaft.© Ronny von Wangenheim
Geteilter Gemüsegarten ist vierfache Freude: Auf einem Grundstück der Familie Bogenstahl trifft sich eine Gartengemeinschaft.© Ronny von Wangenheim
Im Gemüsegarten: (v.l.) Britta Ramschulte, Gerda Bogenstahl, Gertrud Bogenstahl, Stephan Bogenstahl und Elke Siepmannn.© Ronny von Wangenheim
Geteilter Gemüsegarten ist vierfache Freude: Auf einem Grundstück der Familie Bogenstahl trifft sich eine Gartengemeinschaft.© Ronny von Wangenheim
Geteilter Gemüsegarten ist vierfache Freude: Auf einem Grundstück der Familie Bogenstahl trifft sich eine Gartengemeinschaft.© Ronny von Wangenheim
Geteilter Gemüsegarten ist vierfache Freude: Auf einem Grundstück der Familie Bogenstahl trifft sich eine Gartengemeinschaft.© Ronny von Wangenheim
Auch Blühwiesen wurden angelegt, im Hintergrund ein Tomatenhaus.© Ronny von Wangenheim
Geteilter Gemüsegarten ist vierfache Freude: Auf einem Grundstück der Familie Bogenstahl trifft sich eine Gartengemeinschaft.© Ronny von Wangenheim

„Garten macht Spaß“ heißt die Whatsapp-Gruppe, über die Gerda Bogenstahl, Britta Ramschulte, Theresa Bogenstahl und Elke Siepmann besprechen, was gerade so anliegt. „Es ist schön, dass man sich aufteilen kann“, sagt Gerda Bogenstahl, „Viele junge Leute wären froh, wenn sie Gemüse anbauen könnten.“ Ihr Projekt könne doch ein gutes Beispiel sein.

Viele ältere Menschen werden allein nicht mehr mit ihren großen Gärten fertig

Britta Ramschulte erzählt, dass in Großstädten immer mehr Gartengemeinschaften entstehen. Warum also nicht auch auf dem Dorf. „Es gibt viele ältere Menschen, die haben riesige Grundstücke. Und wenn sie es nicht mehr schaffen, die Gärten zu bewirtschaften, machen sie Rasen draus oder Kies“, sagt die 27-jährige Legdenerin. Kiesbeete, wie man immer mehr findet, sind Theresa Ramschulte ein Dorn im Auge. „Bienenfriedhöfe“, nennt sie das.

Auch Blühwiesen gehören zu dem Gemeinschaftsprojekt. Im Hintergrund ist ein Tomatenhaus aufgebaut.

Auch Blühwiesen gehören zu dem Gemeinschaftsprojekt. Im Hintergrund ist ein Tomatenhaus aufgebaut. © Ronny von Wangenheim

Für Bienen haben die vier Frauen mit Unterstützung von Männern aus der Familie inzwischen schon die zweite Blühwiese angelegt. Klee, Mohn, Lupinen, Kornblumen, Schafgarbe und vieles mehr blüht hier: viel Futter für Wildbienen und das Bienenvolk von Gerda Bogenstahl.

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„Wir haben noch Luft“, sagt sie. Das Grundstück, das Schwager Ulrich Bogenstahl gehört, ist groß. „Früher hatten hier drei ältere Damen ihre Gärten“, erinnert sich die 61-Jährige. Und es stand dort ein Haus, das abgerissen wurde. Später hatte ihre Schwiegermutter Gertrud Bogenstahl dort ihren Gemüsegarten. Die 87-Jährige gab ihn vor drei Jahren ab. Und die vier Frauen übernahmen. Tipps hat die Seniorin aber immer noch parat.

Mit der Drohne wurden Luftbilder gemacht, danach wurde geplant

Die Himbeeren von Gertrud Bogenstahl sind geblieben in dem Gemüsegarten und laden zum Naschen ein. Vieles anderes ist dazu gekommen. Jedes Jahr wird es etwas professioneller, so erzählt Elke Siepmann. „Zum Auftakt der Saison haben wir bei einem Frühstück überlegt: Was wollen wir essen?“ Gerda Bogenstahl ergänzt: „Wir haben Luftbilder mit der Drohne gemacht und dann eingezeichnet, wo was hinkommt. Damit wir es später auch wiederfinden.“

Gertrud Bogenstahl hat ihren Gemüsegarten abgegeben. Aber von ihren Tipps profitieren ihre Nachfolgerinnen wie Elke Siepmann immer noch.

Gertrud Bogenstahl hat ihren Gemüsegarten abgegeben. Aber von ihren Tipps profitieren ihre Nachfolgerinnen wie Elke Siepmann immer noch. © Ronny von Wangenheim

Blicke in den Garten werfen

  • Die Redaktion der Münsterland Zeitung möchte gerne für ihre Leser Blicke in Gärten, auf Terrassen oder Balkone werfen, die sonst der Öffentlichkeit verborgen bleiben.
  • Haben Sie ein grünes oder bunt blühendes Paradies? Züchten Sie besondere Pflanzen oder gar Gemüse?
  • Wer seinen Garten vorstellen möchte, wird gebeten, sich per E-Mail an redaktion@muensterlandzeitung.de an die Redaktion zu wenden.

Gleich sechs Sorten Kartoffeln haben sie gepflanzt. „Jeder buddelt sich raus, so viel er will“, erzählt Elke Siepmann. Dazu kommt allerlei Gemüse. „Wir haben alles eingesät, keine fertigen Pflanzen genommen“, so die Legdenerin, die in der Eifel aufgewachsen ist, natürlich mit Gemüsegarten. Kohlrabi, Radieschen, Spinat, rote, gelbe und Ringelbeete, Zucchini, Wirsing, Kürbis, Sellerie, Mangold, zählen die Frauen auf. Rucola hat sich selbst vermehrt und für die Tomaten hat Stephan Bogenstahl ein Haus gebaut.

Britta Ramschulte und Elke Siepmann schätzen als Vegetarierinnen das frische Gemüse. „Das kann man gar nicht vergleichen mit Gemüse aus dem Geschäft“, sagt Elke Siepmann und schwärmt von ihrem Pesto aus Radieschenblättern. Und ja, auch auch aus dem Grün der Möhren – drei Sorten gibt es im Gemeinschaftsgarten – lasse sich ein tolles Pesto machen. Gerda Bogenstahl lacht. „Und der Rest kommt auf den Kompost und wird im Herbst untergebuddelt.“

„Ein Rasen muss nicht permanent mit dem Roboter bearbeitet werden“

Alle vier haben am Anfang Lehrgeld bezahlt. Inzwischen wissen sie viel mehr. Demnächst wollen sie einen Kurs „Naturnah gärtnern“ besuchen. Hainbuchhecken und Lebensbäume – das liegt ihnen nicht. „Es muss nicht der perfekte Garten sein“, sagt Elke Siepmann, „ein Rasen muss nicht permanent mit dem Roboter bearbeitet werden.“

Alle vier sind sehr zufrieden mit ihrer Gartengemeinschaft. Die Arbeit wird geteilt, eine hat immer Zeit, um mal eben zu gießen. Und wenn dann die Erntezeit kommt, muss keiner allein beispielsweise mit einer Zucchinischwemme fertig werden. Gerda Bogenstahl erzählt: „Im Herbst feiern wir ein Erntedankfest.“ Dann dürfen auch die Männer mitfeiern.

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