Vom Tod und seinem Platz im Leben

Hospizbewegung

Auf Einladung der Hospizbewegung: Künstler Christoph Gilsbach setzt sich pantomimisch und sehr beeindruckend mit der letzten Lebensphase auseinander.

LEGDEN

von von Susanne Menzel

, 13.10.2017, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Vom Tod und seinem Platz im Leben

Die szenische Darstellung zog die Zuschauer i ihren Bann.

Der Tod als Teil des Lebens – als Statist im Hintergrund bei jeder Bewegung, bei jeder Gefühlsregung im Alltag. Wie das zu verstehen ist, machte der Künstler Christoph Gilsbach jetzt bei seinem pantomimischen Auftritt auf Einladung der St.-Franziskus-Hospizbewegung Legden-Asbeck auf eindrucksvolle Weise klar. Der Tod spielt immer eine Rolle. Von der Geburt an. Nur: Wir nehmen ihn dabei eigentlich nicht wahr.

Auf der Bühne des Lebens bestreiten andere die Hauptrolle. Die Akteure sind Du und ich, die Menschen, wir alle. Jeder steht im Mittelpunkt – auf ihn, auf sie sind die Augen gerichtet. So wie am Donnerstagabend im Legdener Pfarrheim. Christoph Gilsbach spielt dort ohne Worte alltägliche Begebenheiten nach. Wirft den Ball in der Kindheit, putzt sich als junger Erwachsener vor dem Spiegel heraus. Der Beruf nimmt im weiteren Verlauf ebenfalls eine Rolle ein, aber auch der Lebenskampf.

Gesichtsloser Tod

Dass der Tod gesichtslos und wie in einen Raumanzug gehüllt, stumm und ohne Regung den Akteur auf der Bühne bei jedem Schritt begleitet, ihm scheinbar zuschaut und all seine Gesten verfolgt – das Publikum nimmt es anfangs überrascht zur Kenntnis, verliert diesen Gesellen am Rande irgendwann aber aus dem Blick.

Erst als Christoph Gilsbach dem Tod gegen Ende (des Lebens) näher kommt, ihn zunächst verlacht und verspottet, im Nachhinein jedoch die Begegnung und die stille Kommunikation mit ihm sucht, da rückt er wieder in die Erinnerung.

Raum für Deutungen

Die pantomimische Darstellung Gilsbachs, das Spiel ohne Worte, lässt dem Publikum Raum für eigene Deutungen und Interpretationen. Es kann sich dem Tod vor dem Hintergrund individueller Erfahrungen und Anschauungen annähern. Immer wieder gibt es kurze Pausen zwischen den Sequenzen, es erklingt harmonische und stille, aber auch beruhigend-leichte Musik. Zeit für persönliche Gedanken. Zeit für die eigene Auseinandersetzung mit dem Tod, der durch Gilsbachs Spiel seinen Schrecken verliert. Der Mime nimmt sein Publikum mit auf die Reise, führt es liebevoll-ermutigend durch die einzelnen Lebensabschnitte. Dadurch, dass Gilsbach wortlos agiert, den Kontakt nur mit Blicken sucht, aber ansonsten kein Statement vorgibt, wird für jeden Einzelnen im Zuschauerraum die Begegnung mit dem Tod zu einer ganz einzigartigen Angelegenheit. Getragen aber dennoch durch die Gemeinschaft um ihn herum.

Gefreut hat Roswitha Schlätker, Vorsitzende der Hospizbewegung Legden-Asbeck, dass nicht nur eine Vielzahl von Interessierten ins Pfarrheim gekommen war, sodass die Bestuhlung schnell noch um zwei Reihen aufgestockt werden musste. Sondern auch die Tatsache, „dass es ein sehr gemischtes Publikum ist. Jung und Alt, jene, die der Hospizbewegung nahe stehen und solche, die ich gar nicht näher kenne. Aber es freut mich natürlich, dass unser Angebot solch einen enormen Zuspruch findet.“

Schmetterlinge als Gruß

Zur Begrüßung hatte Roswitha Schlätker noch erklärt: „Dieses Theaterstück wird ihr Leben nicht verändern, aber es ist ganz nah dran.“ Recht sollte sie behalten. Spätestens, als der Vorhang fiel und Christoph Gilsbach dutzende von Schmetterlingen als Gruß in die Zuschauerreihen schickte.

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