Von Hunden, Menschen und Hundemenschen

Martin Rütter in Legden

Das mit der selektiven Wahrnehmung erklärt er erst am Schluss. „Jetzt geht Ihr gleich hoch motiviert nach Hause, aber wenn Ihr morgen früh wach werdet, wisst Ihr noch maximal 30 Prozent von dem, was Ihr heute gehört habt“, sagt Martin Rütter.

LEGDEN

von Von Christiane Nitsche

, 20.10.2011, 16:13 Uhr / Lesedauer: 2 min
»Der tut nix« - das gilt auch für Martin Rütter, der jedoch über bissigen Humor verfügt.

»Der tut nix« - das gilt auch für Martin Rütter, der jedoch über bissigen Humor verfügt.

Wer genau hinhört, bekommt bei Deutschlands populärstem Hundetrainer nicht nur eine Lektion in Hundeführung, sondern auch eine in Selbsteinschätzung. Rütter ist Tierpsychologe, Entertainer, Menschenfreund, Hundeliebhaber, Vater und sicher noch vieles mehr. Und - man muss es einfach feststellen - er ist auch ein genialer Selbstvermarkter. Seine TV-Shows sind Dauerbrenner, seine Live-Auftritte regelmäßig ausverkauft, die Bücher Bestseller, sein Trainingskonzept „D.O.G.S.“ ein Selbstläufer. Dabei hat der Mann, der im ausverkauften Audimaxx im Dorf Münsterland rund 800 Hunde- und andere Menschen begeisterte, ein wirklich ernsthaftes Anliegen: Er will Menschen dazu befähigen, mit Hunden ein gut funktionierendes, sozial verträgliches und beiderseits beglückendes Team zu bilden. Dass das keine Selbstverständlichkeit ist, beweist allein schon der Erfolg, den Rütter hat.

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Die tierische Show von Martin Rütter

Amüsante wie lehrreiche Geschichten von Hunden, Menschen und Hundemenschen kredenzte „Hundeflüsterer“ Martin Rütter vor ausverkauftem Haus in der Audimaxx-Halle des Dorfs Münsterland in Legden – präsentiert von der Münsterland Zeitung vor rund 800 begeisterten Zuhörern.
20.10.2011
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Martin Rütter in seinem Element, das Publikum in der voll besetzten Halle Audimaxx im Dorf Münsterland ist begeistert.© Foto: Christiane Nitsche
Martin Rütter in seinem Element, das Publikum in der voll besetzten Halle Audimaxx im Dorf Münsterland ist begeistert.© Foto: Christiane Nitsche
Martin Rütter in seinem Element, das Publikum in der voll besetzten Halle Audimaxx im Dorf Münsterland ist begeistert.© Foto: Christiane Nitsche
Martin Rütter in seinem Element, das Publikum in der voll besetzten Halle Audimaxx im Dorf Münsterland ist begeistert.© Foto: Christiane Nitsche
Martin Rütter in seinem Element, das Publikum in der voll besetzten Halle Audimaxx im Dorf Münsterland ist begeistert.© Foto: Christiane Nitsche
Martin Rütter in seinem Element, das Publikum in der voll besetzten Halle Audimaxx im Dorf Münsterland ist begeistert.© Foto: Christiane Nitsche
Martin Rütter in seinem Element, das Publikum in der voll besetzten Halle Audimaxx im Dorf Münsterland ist begeistert.© Foto: Christiane Nitsche
Martin Rütter in seinem Element, das Publikum in der voll besetzten Halle Audimaxx im Dorf Münsterland ist begeistert.© Foto: Christiane Nitsche
Martin Rütter in seinem Element, das Publikum in der voll besetzten Halle Audimaxx im Dorf Münsterland ist begeistert.© Foto: Christiane Nitsche
Martin Rütter in seinem Element, das Publikum in der voll besetzten Halle Audimaxx im Dorf Münsterland ist begeistert.© Foto: Christiane Nitsche
Martin Rütter in seinem Element, das Publikum in der voll besetzten Halle Audimaxx im Dorf Münsterland ist begeistert.© Foto: Christiane Nitsche
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Dabei hat sich der Mensch zum „Homo sapiens canis lupus affinitas“ weiterentwickelt, wie Rütter erklärt, zum „Hundemensch“ also, bei dem sich fortan alles rund um den Vierbeiner drehe. Der weibliche Hundemensch werde meist angetrieben von einem nicht nachlassenden Brutpflegeinstinkt, während der männliche vergleichbar sei mit „jungen, noch nicht geschlechtsreifen Hunden“. Gemeinsam ist beiden die Toleranz gegenüber Hundehaaren auf der Pizza, während vermeintlicher Haarausfall beim Pizzabäcker zu wütenden Reklamationen führe, auch wenn der sich „statistisch gesehen weniger oft in Schafscheiße wälzt als dein Hund.“

Aber es gibt eben auch „eine winzig kleine Randgruppe, die keine Hunde haben“. Dass davon ein recht hoher Anteil im Saal sitzt, überrascht sogar den Experten. Aber: „Nicht-Hundemenschen werden im Laufe des Abends zu Hundemenschen sozialisiert“, verspricht er. Das gelingt mit Rütters ganz eigenen Erfolgsrezept: Anekdoten, Sprachwitz, demonstrative Nachsicht mit den Marotten von Hund und Herrchen, Selbstironie und parodistisches Talent. Aber - und das droht, angesichts anhaltenden Gelächters mitunter Opfer der selektiven Wahrnehmung zu werden: Rütter erklärt, warnt und mahnt auch. So räumt er mit der überkommenen These auf, dass unter Hunden immer zähle, wer der Stärkere sei. „Das ist verhaltensbiologisch belegter Schwachsinn“. Man müsse auch nicht kognitiv intelligent sein, um erziehen zu können, „auch wenn Sarrazin da anderer Meinung ist.“ Dass es vielmehr um sozial-emotionale Intelligenz gehe, um Ressourcen, um Kapazitäten an Einflussnahme und um Kommunikation und soziale Interaktion, lernen alle, denen das Lachen nicht das Gehör verstopft. Dass Hunde extrem gute Beobachter sind, denen man nichts vormachen könne, Menschen dagegen „Weltmeister im Ausreden-Erfinden“, dass aber Hundetraining Arbeit ist.

Viel Arbeit: „Das ist nicht in drei Tagen gelutscht.“ Sechs Wochen konsequenter Selbstdisziplin brauche es, um ein eingefahrenes „negatives“ Ritual wie das anhaltende Bellen beim Klingeln an der Tür umzudrehen und zu festigen. Und angesichts eines erkennbaren Trends zum Zweithund schiebt er gleich hinterher: „Das ist dann noch mal deutlich mehr Arbeit.“ Wer mitschreibe an einem solchen Abend, behalte vielleicht 50 Prozent von dem, was gesagt wurde, meint Rütter. Auf dem Block steht als letztes Zitat des Abends: „Das solltet Ihr Euch merken: Hunde machen uns glücklich. Sie leben nicht freiwillig bei uns. Und sie haben ein Recht dazu, dass wir uns mit Erziehung beschäftigen.“

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