André Hesseling (l.) und Dirk Wesseling zeigen einen Probeantrieb, an dem Kunden üben dürfen. © Kristina Patricia Wiegel
MFZ Antriebe

Von Legden in die ganze Welt: Bis zu 500 Antriebe baut MFZ jeden Tag

Angela Merkel gehört zu ihren Kunden: André Hesseling und Dirk Wesseling, Betriebsleiter bei MFZ Antriebe in Legden, beliefern die ganz großen Namen mit ihren Spezialantrieben und liefern in die ganze Welt.

Vom Münsterland in die ganze Welt: Zwischen 350 und 500 Antriebe verlassen täglich die Produktionshalle von MFZ Antriebe – „mfzovitor drive technology“ – in Legden. Dort werden auf 7000 Quadratmetern Spezialantriebe für Industrietore gefertigt.

„Bei uns bekommen Sie alles aus einer Hand“, sagt André Hesseling, Betriebsleiter – Produktion und Logistik. Man produziere etwa Steuerungen, Fangvorrichtungen oder Funksysteme. „Wir machen alles rund ums Tor – außer das Tor“, fügt Kollege Dirk Wesseling schmunzelnd hinzu.

Der technische Betriebsleiter kann auf ein Team von rund 100 Mitarbeitern zurückgreifen, die in der großen Produktionshalle prozessoptimiert in ihrer jeweiligen Abteilung eingesetzt werden.

Breit aufgestellt und gut vernetzt

Durch ein SAP-System sind alle Unternehmensstandorte – MFZ Antriebe gehört zur Marantec Company Group – europaweit miteinander vernetzt. Wird in Legden ein Bedarf gemeldet, weiß der Zulieferer in Berlin, Ungarn oder Finnland sofort Bescheid.

So ist es im Bedarfsfall auch mal möglich, einen Spezialauftrag in Rekordzeit auszuführen. Hesseling und Wesseling denken da etwa an die Garage im Bundeskanzleramt. „Wenn das Tor klemmt muss es schnell gehen“, so Technikspezialist Wesseling.

In der Abteilung für Sonderfertigungen werden Spezialantriebe hergestellt. © Kristina Pattricia Wiegel © Kristina Pattricia Wiegel

Neben den großen Namen in der Politik gehören auch JVAs und Geldspeicher zu den Einsatzgebieten der Legdener. „Diese Antriebe sind besonders kompliziert“, erläutert Wesseling und weist in Richtung der Abteilung für Spezialantriebe.

Dort finde ein großer Teil der Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik statt, die sich über dreieinhalb Jahre erstreckt und neben dem Sondersteuerungs- auch den Seriensteuerungsbau umfasst. An speziellen Fertigungsstraßen muss jeder Griff sitzen, denn MFZ-Antriebe verspricht den Rund-Um-Service. „Unsere Antriebe funktionieren zu 100 Prozent, wenn sie beim Kunden ankommen“, verspricht Hesseling.

Für den sicheren Transport und die Vollständigkeit der Lieferung, die schon bis in die Antarktis gegangen ist, garantiert die Versandabteilung. Auch hier bildet das Legdener Unternehmen seine Mitarbeiter in drei Jahren zur Fachkraft für Lagerlogistik selbst aus.

Jeder Griff sitzt, wenn Farben dem Mitarbeiter den Weg zum nächsten Einzelteil weisen. Immer mit dabei sind schriftliche Anleitungen in der jeweiligen Landessprache – derzeit fast 30 verschiedene.

Innovative Ideen

Die heimliche Chefin auf dem großen Areal ist aber Nancy, der Transportroboter, der den ganzen Tag Bestellungen aufnimmt und leere Kisten wieder ins Lager bringt. Unaufhörlich flitzt die fleißige Dame mit den aufgemalten langen Wimpern zwischen den verschiedenen Produktionsflächen hin und her und kündigt sich stets mit akustischem Signalen an.

Damit es nicht doch zur Kollision kommt, hat sie einen Notbremsassistenten eingebaut, der ausgelöst wird, wenn sie ein Hindernis oder eben einen Menschen erblickt. In Zukunft soll Nancy noch dazu lernen und selbstständig in der Lage sein, leere Schütten, wie die blauen kleinen Kisten in der Produktion heißen, wieder aufzufüllen. Bisher muss sie noch händisch be- und entladen werden.

„Wir müssen immer weiter denken“, betont Hesseling im Hinblick auf die Konkurrenz in China. Deshalb sei ihm auch die gute Ausbildung seiner Mitarbeiter so wichtig.

Damit es bei MFZ-Antriebe gar nicht erst zu einem Fachkräftemangel kommt, komplettieren zwei kaufmännische Ausbildungsgänge das Nachwuchsförderungsprogramm des Unternehmens. So können Bewerber in drei Jahren zum Spezialisten für Büromanagement bzw. zum Industriekaufmann oder zur Industriekauffrau werden.

Außerdem kooperiert man eng mit verschiedenen Schulen und der Agentur für Arbeit. Auch an der Nacht der Ausbildung am 18. November will sich das international tätige Unternehmen beteiligen und seine innovativen Produkte vorstellen.

Spannende Projekte und Präzision

Der technische Leiter Dirk Wesseling hat in den 28 Jahren seiner Betriebszugehörigkeit auch das ein oder andere kuriose Projekt abgewickelt: „Ich denke da zum Beispiel an einen Antrieb für versenkbare Mülltonnen“. Insgesamt habe man sehr viele Stammkunden, die auf die Kompetenz und Zuverlässigkeit der Legdener verlassen, die sich schon seit mehr als 30 Jahren am Markt behaupten.

Für einen Großkunden, der pro Jahr circa 7000 Aufträge auf Kommission erteilt, haben Wesseling und Kollegen sogar eine eigene Produktionsinsel angelegt, die gleichzeitig richtungsweisend im Hinblick auf eine immer weitere Prozessoptimierung sein soll. Alles, was der Monteur zum Bau des Antriebs benötigt ist den Arbeitsschritten entsprechend entlang der Prozessinsel angeordnet.

Auch das passende Werkzeug liegt immer parat, um keine Zeit mit Suchen verlieren zu müssen. Auf dem mobilen kleinen Tisch des Angestellten entsteht Schritt für Schritt, Schütte für Schütte, der bestellte Antrieb, der am Ende auf seine Funktion überprüft wird.

Dabei sei noch nie ein Fehler aufgefallen. „Das ist wirklich noch nie passiert“, sagen die beiden Betriebsleiter gleichzeitig wie aus der Pistole geschossen.

Diese Präzision erklärt wohl auch die geringe Reklamationsquote trotz andauernder Materialknappheit, die auch in Legden zu spüren ist, von unter einem Prozent. Damit der Kunde dann auch optimal auf den Einbau vorbereitet wird, bietet LVZ Antriebe außerdem ein Schulungsprogramm an.

„Wir bauen Fehler in die Beispielantriebe ein, die der Monteur vor Ort finden muss“, erklärt Wesseling. So sollten Ängste abgebaut und Anwendungsfehler spielerisch und mit Spaß vermieden werden.

„Wir stehen für individuelle Lösungen“, betont das Führungsduo, das seine Mitarbeiter bisher sehr gut durch die Coronazeit geführt hat.

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