Ausstellung in Asbeck: Arme-Leute-Krippen und ein über 100 Jahre alter Josef

mlzWeihnachtsausstellung

Tradition hat die Weihnachtsausstellung bei Rudolf van Wüllen im Kreuzgang. Zu den neuen Exponaten zählen Papierkrippen und eine Krippenfigur, die in der NS-Zeit als „Mist“ galt.

Legden

, 04.12.2019, 15:54 Uhr / Lesedauer: 2 min

Rudolf van Wüllen zeigt auf eine Vitrine. Hier steht eine großer Krippenfigur aus Holz: der Heilige Josef. Vor 100 Jahren stand sie noch in der Stiftskirche in Asbeck. „Darauf bin ich besonders stolz“, sagt er mit Blick über seine Adventsausstellung.

Der Josef ist die Leihgabe einer ehemaligen Asbeckerin. Sie besuchte im Sommer den Kreuzgang an der Stiftsstraße und erzählte da, dass sie noch eine Figur aus der Krippe der Stiftskirche besitze. Jetzt hat sie die Figur für die Ausstellung nach Asbeck gebracht.

Die alte Krippe der Stiftskirche so Rudolf van Wüllen, wurde um 1900 gegen eine neue aus Gips ausgetauscht. Die alten Figuren wurden der Asbecker Volksschule übergeben, um sie dort in der Weihnachtszeit aufzustellen. Ab 1933 war das nicht mehr erlaubt.

„Nehmt den Mist alle mit“

Van Wüllen zitiert die Leihgeberin: „Ein Lehrer stellte daraufhin die alten Krippenfiguren auf sein Pult und sagte: ,Nehmt den Mist alle mit.’ Ich bin sofort zum Pult gelaufen und hab mir die größte Figur genommen.“ Die Figur war damals bemalt, aber ziemlich kaputt. Die Leihgeberin hat damals zuhause mit der großen Schwester die Farbreste mit einem Schälmesserchen abgekratzt. Später wurde sie dann noch einmal restauriert.

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Weihnachtsausstellung van Wüllen

Tradition hat die Weihnachtsausstellung bei Rudolf van Wüllen im Kreuzgang in Asbeck. Es gibt immer auch Neues zu entdecken, Zum Beispiel eine alte Krippenfigur aus der Stiftskirche.
04.12.2019
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Rudolf van Wüllen mit einem der Highlights der Weihnachtsausstellung. Die Krippenfigur zeigt Josef und stand vor Jahrzehnten in der Asbecker Kirche.© Ronny von Wangenheim
Aus Südtrirol stammt diese Ausschneidekrippe, die mit detallierter Ausarbeitung der Mimik und der Kleidung besticht.© Ronny von Wangenheim
Die Ausschneidekrippe stammt aus Osteuropa und zeigt denkmalgeschützte Häuser aus Osteuropa und 23 verschiedene Trachten. Das Foto zeigt nur einen Ausschnitt.© Ronny von Wangenheim
Die Ausschneidekrippe aus Osteuropa zeigt 23 verschiedene Trachten. Das Foto zeigt einen kleinen Ausschnitt.© Ronny von Wangenheim
Solche Fastenkrippen wurden zu Ostern aufgestellt.© Ronny von Wangenheim
Die Josefs-Figur stand vor Jahrzehnten in der Stiftskirche.© Ronny von Wangenheim
Auch eine Steinkrippe gehört zur Weihnachtsausstellung im Kreuzgang.© Ronny von Wangenheim
Eine barocke Papierkrippe© Ronny von Wangenheim
Eine barocke Papierkrippe zeigt "Beschneidung des Herrn".© Ronny von Wangenheim
Faltkrippen um 1900© Ronny von Wangenheim
Viele verschiedene Krippen sind im Kreuzgang zu sehen.© Ronny von Wangenheim
Ausschneidekrippe um 1947© Ronny von Wangenheim
Diese Krippe ist ais Zinn und handbemalt.© Ronny von Wangenheim
Solche Fastenkrippen wurden zu Ostern aufgestellt.© Ronny von Wangenheim

Aus welcher Zeit die Krippenfigur stammt, ist nicht klar. Rudolf van Wüllen: „Der Besitz einer Krippe wurde in Asbeck schon 1688 erwähnt und ist bis 1886 nachgewiesen. 1976 wird eine Krippe noch mal im Inventar der Kirche gemeldet. Auch im Testament der Stiftsdame Maria Bernadine von Schade 1773 ist eine Krippe erwähnt. Vielleicht wurde die Figur aber auch erst nach der Auflösung des Stiftes angeschafft.“

Es gibt noch mehr neue Objekte zu sehen. So hat Rudolf van Wüllen gleich mehrere Ausschneidekrippen und Papierkrippen ausgestellt. Sie galten als „Arme-Leute-Krippen“. Die Papierkrippen entwickelten sich aus dem im Rokoko beliebten Miniaturtheatern aus Papier, die man als Ausschneidevorlagen kaufen konnte.

Osteuropäische Papierkrippe zeigt 23 Trachten

Viele der Figuren zeigen detaillierte Gesichtsausdrücke und prächtige Kleidung. Besonders auffallend ist eine Ausschneidekrippe aus Osteuropa. Sie stellt einige denkmalgeschützte Häuser dar – die Klosterkirche von Brünn und eine Windmühle in Kuzelov sollen dazu gehören – außerdem 23 verschiedene Trachten.

Angefangen mit der Leidenschaft für Krippen hat es bei Rudolf van Wüllen mit den „Margarinekrippen“. Engel, Hirten, Könige, Tiere, Palmen aus Plastik lagen in den 1950er-Jahren den Margarinepackungen bei, wie sich der Asbecker gut erinnern kann. Bei den vielen Figürchen, die zu sehen sind, kann man sich den Margarineverbrauch der Familie van Wüllen gut vorstellen.

Interessant sind auch Fastenkrippen. Sie sind aus Papier und stecken in Holzkästen. „Sie wurden zu Ostern aufgebaut“, erzählt Rudolf van Wüllen. Mit den Papierfiguren wird der Leidensweg Christi nachgestellt.

  • Die Weihnachtsausstellung im Kreuzgang, Stiftsstraße 6, ist bis 26. Januar zu besichtigen.
  • Öffnungszeiten; Dienstag bis Freitag 10 bis 12.30 Uhr und 14 bis 18.30 Uhr, Samstag 10 bis 16 Uhr, Sonntag 14 bis 18 Uhr.

Neu in der traditionellen Weihnachtsausstellung sind Guckkastenkrippen, die sich auf die Gebrüder Engelbrecht aus Augsburg (1712-1735) beziehen. In mehreren Schichten, die hintereinander angeordnet sind und dadurch eine räumliche Wirkung entfalten, wird die Anbetung der Könige oder die Anbetung der Hirten dargestellt.

Ergänzt wird die Ausstellung mit Weihnachtsgrüßen aus aller Welt und allerlei Baumschmuck. Insgesamt sind 36 Krippen ausgestellt.

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