Weiter Suche nach Spenden für "Klinik"

Legden Im Mittelpunkt des dritten Verhandlungstages gegen einen 47-Jährigen aus Legden, der sich wegen Betruges in 4479 Fällen vor dem Erweiterten Schöffengericht verantworten muss, standen - wie auch am zweiten Sitzungstag (Münsterland Zeitung berichtete) - die Zeugenvernehmungen der ehemaligen Mitarbeiter.

12.09.2007, 17:56 Uhr / Lesedauer: 1 min

Vier Angestellte konnten angehört werden. Gegen eine vorgeladene Zeugin verhängte das Gericht ein Ordnungsgeld wegen Nichterscheinens. Neun weitere für diesen Gerichtstermin vorgesehene Zeugen waren wegen nicht mehr aktueller Wohnungsanschriften ebenfalls nicht greifbar.

Die ehemaligen Mitarbeiter des Angeklagten waren in seinem Auftrag als Sammler für ein angeblich von ihm geplantes Kinderkrankenhaus in Mecklenburg Vorpommern tätig, das sich später als "Luftschloss" erwies.

600 000 Euro gesammelt

Gesammelte Spendengelder von rund 600 000 Euro blieben bis heute verschwunden und wurden laut Anklageschrift der Staatsanwaltschaft für eigene Zwecke und zur Bezahlung der Mitarbeiter verwendet.

Die jetzt angehörten Sammler und Sammlerinnen waren ausnahmslos von der guten Sache, für die sie eingesetzt wurden, überzeugt, das ging aus ihren Zeugenaussagen hervor. Sie wurden aber nach längerem Einsatz misstrauisch und erhielten bei Nachfragen nach näheren Einzelheiten über das geplante Projekt, das als "Kinderklinik Europa 2000" ausgewiesen wurde, keine erschöpfenden Auskünfte.

Hinzu kam, dass nach anfänglich pünktlichen Gehaltszahlungen die Löhne immer schleppender und in Teilbeträgen oft "bar auf die Hand" ausbezahlt wurden. Sozialabgaben waren ebenfalls nicht in vollem Umfang abgeführt worden.

"Druck ausgeübt"

Der Angeklagte blieb für seine etwa 20 Mitarbeiter 66 000 Euro insgesamt schuldig, was ihm ebenfalls als Anklagepunkt vorgeworfen wird. Die Zeugen erklärten übereinstimmend, dass von dem Angeklagten Druck auf sie ausgeübt wurde. Falls die Sammelergebnisse in der Woche zu mager ausgefallen waren, mussten sie auch am Samstag, der eigentlich als freier Tag vorgesehen war, ihrer Arbeit nachkommen.

Zum Abschluss des Sitzungstages informierte der Vorsitzende Richter die Prozessbeteiligten über den Internetauftritt des Angeklagten. Am Computer konnten Informationen über das Projekt in Augenschein genommen werden. Verblüffung herrschte insbesondere darüber, dass im Internet immer noch für weitere Mitarbeiter geworben wird.

Der Prozess wird im Oktober fortgesetzt. ek

Lesen Sie jetzt