Wie die eigenen Kinder

Tagespflege

. Barbara Heidbrink ist ein Familienmensch. Immer schon gewesen: Gemeinschaft schaffen, Generationen zusammen führen, Talente fördern, Schwächen überwinden – jeden Tag aufs Neue: Das ist ihr Ding. Deshalb genügt es der 40-Jährigen, die elf Jahre lang des sozialen Dienst im Altenheim St. Josef geleitet hat, auch nicht, einfach Mutter zu sein – sie ist es gleich vielfach: Neben ihren beiden eigenen Söhnen betreut sie bis zu fünf weitere Kinder – als eine der ersten Pflegemütter der Gemeinde Legden.

LEGDEN

von von Sylvia Lüttich-Gür

, 29.04.2011, 20:18 Uhr / Lesedauer: 2 min
Barbara Heidbrink mit zweien ihrer Schützlinge.

Barbara Heidbrink mit zweien ihrer Schützlinge.

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Zu Besuch bei der Tagesmutter.

Der Bedarf nach verlässlicher Tagesbetreuung für Kinder wächst: Fünf Tagesmütter bieten zurzeit in Legden ihre Dienste an. Eine von ihnen ist Barbara Heidbrink.
29.04.2011
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© von Sylvia Lüttich-Gür
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Rechts und links Acker und dahinter Weide: Das Haus Beikelort Nummer eins ist abgelegen. Aber nicht still. Und schon gar nicht leer. Vom Garten aus ist ein fröhliches Stimmengewirr zu hören: hohe Kinderstimmen, die sich beim Rufen fast überschlagen, das Meckern zweier Ziegen, das Gackern von Hühnern und das warme Lachen einer Frau: Babara Heidbrink, die inmitten ihrer hin- und herlaufenden Schützlinge auf einer Bank im Garten sitzt. Zumindest einen Moment lang. Denn im nächsten Moment mischt sich ein neues Geräusch in den fröhlichen Chor: elektronisch verzerrtes Räuspern, das sich schon schnell zu einem metallenen Weinen auswächst. „Das sind die beiden Kleinen“, sagt die Legdenerin mit einem Blick aufs Babyphone und ist schon verschwunden, um die Kleinkinder, die noch kein Jahr alt sind, aus ihren Bettchen zu holen. Die anderen drei – darunter auch Sohn Johann (5) – lassen sich davon nicht stören. Sie stehen weiter lachend vor dem Gatter und mustern Waltraud und Hedwig, die beiden Ziegen. Wenn das langweilig werden sollte, warten auf dem großzügigen Grundstück zwei Schaukeln, eine Rutsche, vorne das Trampolin und hinten die grünende Weidenlaube mit abenteuerlichen Verstecken.

„Wir sind jeden Tag draußen“, erzählt Barbara Heidbrink, als sie wieder raus kommt: in jedem Arm ein zufrieden dreinblickendes Kleinkind. Heute scheint die Sonne, aber auch bei schlechterem Wetter seien sie stets unterwegs – hier im Garten, im nahen Wald oder auch mal zu Besuch im Schweinestall der Nachbarn. Und wenn es doch mal Bindfäden regnet, wird gebacken, gebastelt, gesungen. Barbara Heidbrinks Söhnen Linus und Johann hat das immer Spaß gemacht. Den Kindern, die ihr Eltern aus Legden und aus Gescher jeden Tag anvertrauen, offenbar ebenfalls. In der Regel zwischen 7.45 und 17.30 Uhr treffen sie ein. „Wir frühstücken zusammen, essen gemeinsam Mittag und manchmal auch noch Abendbrot“ – so wie die berufstätigen Mütter der anderen es jeweils benötigten Wie schwierig es ist, Familie und Arbeit miteinander zu vereinbaren, weiß Heidbrink nur zu gut, und hat ihre eigene Lösung gefunden:

„Als Tagesmutter bin ich zuhause bei meinen Kindern“, nennt sie den für sie entscheidenden Vorteil, „aber das ist auch eine richtige Arbeit“. Die Arbeit im Haushalt bleibe genauso liegen wie bei jeder anderen berufstätigen Mutter auch. Eine Rückkehr in die Altenpflege kann sich Barbara Heidbrink nicht mehr vorstellen: „Die Pflege ist einfach krank“, diagnostiziert sie bitter, und ihr Blick verdüstert sich für einen Moment: „Ganz viel Bürokratie und viel zu wenig Zeit für die Menschen.“ Das sei nichts für sie, sagt sie und wendet sich – wieder strahlend – „ihren Kindern“ zu: sowohl den ihr anvertrauten als auch den eigenen – aber dieser Unterschied spielt jetzt beim fröhlichen Spielen auf der Wiese gar keine Rolle.

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