Wilhelm Schwieters zeigt einen der Dahliensetzlinge die im Gewächshaus vorgezogen werden und Ende Mai auf den Acker kommen. © Andreas Bäumer
Dahlienzucht

Wilhelm Schwieters züchtet Dahlien und verschickt Knollen in die Welt

Wilhelm Schwieters, seine Familie und ihre Mitarbeiter haben derzeit viel zu tun. Zu Beginn der Dahliensaison hat er sich trotzdem Zeit genommen, um Dahlienfans ein paar Tipps zu geben.

Wilhelm Schwieters zeigt auf viele Kisten voll mit Dahlienknollen in einer niedrigen und dunklen Scheune. Sie sind rechts und links einiger schmaler Gänge aufgestapelt. Das ganze habe System, erklärt er. Auf kleinen weißen Papierstreifen stehen Zahlen und Buchstaben, die die Dahliensorte, den Versandort und die Katalognummer bezeichnen.

Die Scheune ist beheizbar und hier haben die Knollen gut überwintert. „Ich habe alle Knollen, die ich verkauft habe, in der Hand gehabt. Das waren gut 80.000 Stück. Nur 30 bis 40 davon waren faul“, sagt Schwieters. „Verluste treten meist auf bei schlechter Lagerung und schlechter Ernährung im Herbst“, erklärt er. Wenn die Pflanzen dann noch zu viel Stickstoffdünger bekommen, bleibe die Energie im Laub und die Knolle kann nicht abschließen.

Tipps zur Lagerung

Die Knollen eine Woche nachdem das Laub abgestorben ist aus dem Boden nehmen, denn die Knollenreife erfolgt erst jetzt. Nicht waschen. Lagerorte mit Frostgefahr meiden. In zu feuchten Räumen Knollen in grobe Sägespänen legen. In zu trockenen Räumen die Knollen in Plastiksäckchen mit Luftlöchern lagern. Kontrollen sind wichtig.

Doris und Wilhelm Schwieters züchten gemeinsam mit ihrer Tochter Maria und zwei Mitarbeitern zahlreiche Dahliensorten und einige andere Zierpflanzen.
Doris und Wilhelm Schwieters züchten gemeinsam mit ihrer Tochter Maria und zwei Mitarbeitern zahlreiche Dahliensorten und einige andere Zierpflanzen. © Andreas Bäumer © Andreas Bäumer

Endlich, so berichtet Doris Schwieters froh, sind für sie, ihren Mann, ihre Tochter Maria und die zwei Mitarbeiter gut acht Wochen mit viel Arbeit vorbei. So konnten sie auf einer Radtour die frühlingshaften Wälder der Umgebung genießen. Davor haben sie Knollen kontrolliert, aufgeteilt, verschickt und vieles mehr.

Knollen nach Berlin und Singapur

Die Arbeitsteilung des Ehepaars beschreiben die beiden so: „Sie hält mit die Telefonate vom Hals,“ sagt er. „Er macht die harte körperliche Arbeit,“ sagt sie. Das klappt so schon seit Jahrzehnten. Vor 90 Jahren hat Schwieters‘ Vater die Dahlienzucht begonnen und er selbst zählt immerhin schon 68 Jahre.

Ungefähr ein Drittel der Knollen geht an Privatleute. Allzeit beliebt sind da zwei dunkellaubige, einfachblütige Dahlien, die dunkelrote Bishop of Llandaff und die orange Olympic Fire. Die Schwieters haben aber auch große Gärten als Kunden, so den Britzer Garten in Berlin und den Garden by the Bay in Singapur. Die Pflanzzeit für die Knollen ist gewöhnlich Ende April / Anfang Mai. Im tropischen Singapur werden sie im Herbst gepflanzt und blühen schon zum chinesischen Neujahr im Februar.

Tipps zum Pflanzen

Schwieters Tipps zum Knollenpflanzen: Sonniger Standort mit durchlässigem Boden. Staunässe ist der Tod. Boden lockern und die Knolle mit drei bis fünf Zentimetern Erde bedecken. Hohe Sorten im Abstand von gut 90 Zentimeter pflanzen. Diese anbinden. Für die meisten anderen Dahlien passt ein Abstand von gut 60 Zentimeter, bei Mignondahlien 30 Zentimeter. Circa zwei Wochen nach dem Erscheinen der ersten Triebe reicht ein Esslöffel Volldünger pro Pflanze.

An viele Gärten schickt Schwieters keine Knollen, sondern Setzlinge. Auch seine Dahlienzucht auf dem Acker beruht auf Setzlingen. Für die Gärten sind sie praktisch, weil sie erst Ende Mai ins Freie kommen. Dann sind die Tulpen verblüht und deren Beete bepflanzen die Gärtner mit den Dahliensetzlingen.

Manche der Dahliensetzlinge in der Anzucht blühen schon. An den farbigen Papierstreifen erkennen die Gärtner die verschiedenen Typen der Dahliensorten: Rot steht zum Beispiel für offene Blüten.
Manche der Dahliensetzlinge in der Anzucht blühen schon. An den farbigen Papierstreifen erkennen die Gärtner die verschiedenen Typen der Dahliensorten: Rot steht zum Beispiel für offene Blüten. © Andreas Bäumer © Andreas Bäumer

Das mit den Setzlinge funktioniert so: Schwieters bricht aus den Knollen Stücke heraus, an den sich Triebe zeigen. Diese Stücke setzt er in groben Sand und bewässert sie per Hand. In seinem Gewächshaus stehen auf den Tischen lauter schwarze Pflanzschalen, in denen sich dicht an dicht jetzt schon 10 bis 20 Zentimeter hohe Setzlinge zeigen. Manche blühen schon. Alle Setzlinge haben stabile und relativ grobe Wurzeln entwickelt. Sie können so gut aus dem Sand genommen und auf den Acker gesetzt werden.

Wenn die Setzlinge dann Ende Mai im Acker sind, ist der erste stressige Teil des Jahres für die Schwieters vorbei. Bewässern brauchen sie dort dann nicht mehr. Trotzdem wird Wilhelm Schwieters durch die Reihen laufen, um auf Schädlinge und vertrocknete Pflanzen zu kontrollieren. Hobbygärtnern gibt er diesbezüglich den Tipp biologische Schädlingsbekämpfer wie Marienkäfer, Schweb- und Florfliegen zu fördern.

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