Zwei Frauen der Zeugen Jehovas machen auf diesem Symbolbild Werbung für ihre Religionsgemeinschaft. In Legden hat eine andere Art von Werbung für Aufregung gesorgt. © picture alliance / dpa
Werbebriefe

Zeugen Jehovas nutzen Namen von Diakon in Legden: „Es ist schäbig“

Handgeschrieben, ohne Absender, ohne korrekte Adresse, aber mit einer eindeutigen Botschaft: Werbebriefe der Zeugen Jehovas sorgen für Aufregung in Legden und sogar für Verwechslungen.

Anlieger der Schlesierstraße wurden in der vergangenen Woche von ungewöhnlicher Post überrascht. Auch deswegen, weil die handgeschriebenen Briefe anonym und auch nur unvollständig adressiert waren.

In dem Schreiben wird zu einem besonderen Vortrag und einer „Gedenkfeier zum Tod von Jesus Christus“ eingeladen. Was es damit auf sich hat, wird schnell klar, wenn man den QR-Code auf dem beigelegten Flyer „knackt“: Eingeladen wird zu einem Gedenkgottesdienst per Videokonferenz am 27. März sowie zu einem besonderen Vortrag am 14. März. Veranstalter: die Ahauser Gemeinde der Zeugen Jehovas.

Anwohner kritisieren Werbung

Peter Birkelbach ist einer der Anwohner der Schlesierstraße, die Form und Inhalt der Briefe höchst merkwürdig finden. Was ihn dabei besonders aufregt, ist, dass die Briefe unterschrieben sind mit „mit freundlichen Grüßen Familie Honermann“.

„Ich kenne die Familie Honermann, die hat diesen Brief nicht geschrieben bzw. verteilt.“ Hier werde mit dem Namen einer angesehenen Familie suggeriert, dass sie hinter dieser Sekte steht. Besonders problematisch ist nämlich, dass Josef Honermann auch als Diakon im Ort wirkt.

„Es ist schäbig, sich auf diese Art und Weise Gehör zu verschaffen. Bestimmt haben noch viele andere dieses Schreiben bekommen und denken: Honermann unterstützt die Sekte“, ärgert sich Peter Birkelbach.

So sehen die Briefe aus, die in Legden verteilt wurden.
So sehen die Briefe aus, die in Legden verteilt wurden. © Privat © Privat

Genau gegen diesen Eindruck wehrt sich Josef Honermann, der übrigens selbst auch einen der fraglichen Briefe bekommen hat: „Man könnte ja denken, dass ich als Diakon Verbindung zu den Zeugen Jehovas hätte.“ Auch Nachfragen bei der weitverzweigten Verwandtschaft in Legden hätten ergeben, dass es zwar mehrere Bewohner namens Honermann dort gibt, aber keiner als Briefschreiber infrage kommt. Zurzeit prüft Josef Honermann, ob er juristisch dagegen vorgehen kann.

Als erster Schritt wäre dann eine Anzeige bei der Polizei erforderlich. Auf Nachfrage der Redaktion sagt Frank Rentmeister, Sprecher der Kreispolizeibehörde Borken, dass dann der Sachverhalt genau geprüft werde, ob möglicherweise sogar eine Urkundenfälschung vorliege, es sich um „üble Nachrede“ handeln könnte oder gar kein Straftatbestand erfüllt sei.

Verfahren soll überdacht werden

Sascha Büttner, bei der Ahauser Gemeinde der Zeugen Jehovas für den Medienkontakt zuständig, bestätigt, dass solche handgeschriebenen Einladungen nicht nur in Legden, sondern auch in Ahaus, Stadtlohn und Vreden verteilt wurden. „Das ist aber nicht Standard“, sagt er, dieser Weg sei als Ersatz für die durch Corona weggefallenen üblichen Hausbesuche gedacht. Mit den kleinen, handschriftlichen Karten und Briefen habe man aber bewusst die persönliche Form gewählt.

Im beigefügten Flyer wird der Auftraggeber klar.
Im beigefügten Flyer wird der Auftraggeber klar. © Privat © Privat

Nicht üblich sei es aber, dass die Absender fehlten: „Ich verstehe, dass es natürlich besser ist, wenn es auch einen Absender gibt, ich jedenfalls nenne immer Namen und Anschrift.“ Gleichwohl gibt er aber auch zu bedenken, dass es „mitunter auch unschöne Sachen gibt, wenn die private Adresse draufsteht“. Gemeint sind Anfeindungen, mit denen es seine Organisation eben auch zu tun habe.

Nichtsdestotrotz will er die Thematik intern „nochmal zur Sprache bringen und überlegen, wie man dafür Sorge tragen kann, dass es nicht zu Verwechslungen kommt.“ Verständnis hat Sacha Büttner nämlich für die Aufregung eines Mannes wie Josef Honermann, der im kirchlichen Dienst steht.

Der hat übrigens eigene Nachforschungen bei den Zeugen Jehovas angestellt und erfahren, dass es wohl tatsächlich eine Familie Honermann in deren Reihen geben soll. Allerdings aus Stadtlohn, nicht aus Legden.

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