Zu Besuch beim Ex-Partner

Einladung in die Niederlande

Alte Liebe rostet eben nicht: Sechs Jahre ist es her, dass die niederländische Gemeinde Steenderen die Scheidung von Legden eingereicht hat – kurz nach der kommunalen Silberhochzeit. Inzwischen hat das Dahliendorf mit Melrose in den USA und Reszel in Polen neues Glück gefunden. Und doch: Als der Legdener Rat jetzt unversehens die Einladung erhielt, den Ex hinter der deutsch-niederländischen Grenze zu besuchen, war die Freude groß.

LEGDEN

von von Sylvia Lüttich-Gür

, 17.03.2011, 16:42 Uhr / Lesedauer: 2 min
Gert Jan Mugge (M.) verfolgt die Legdener Ratssitzung.

Gert Jan Mugge (M.) verfolgt die Legdener Ratssitzung.

„Diese Einladung nehmen wir gerne an“, sagte Bürgermeister Friedhelm Kleweken am Montagabend und nickte freundlich einem Mann in Anzug und Krawatte zu, der hinten im Saal des Hauses Weßling unter den Zuhörern der jüngsten Ratssitzung Platz genommen hatte: Gert Jan Mugge.

Er ist der so genannte „Griffier“ der Gemeinde Bronckhorst, in die 2005 Steenderen zusammen mit einigen Nachbarn aufgegangen war. „Sein Amt lässt sich wohl am besten mit Geschäftsführer übersetzen“, so Kleweken. Der Gast aus den Niederlanden unterstütze und berate unabhängig den dortigen Rat, die Ausschüsse und die Fraktionen und bereite die Sitzungen vor. Dieses Amt kennen die Legdener aus der Zeit ihrer langen Städte-Ehe mit Steenderen kaum: Erst 2002 hatte in dien Niederlanden das „Wet dualisering gemeentebestuur“ (Gesetz zur Dualisierung der Gemeindeleitung) Gültigkeit erlangt. Es sieht vor, dass die Kommunen einen Beamten einstellen – den Griffier –, der das Gegenstück zum „Secretaris“ der Gemeinderegierung sein soll. Sein Zweck: die Eigenständigkeit des Rates gegenüber der Gemeindeverwaltung verbessern. Wie der Gegenentwurf zu dieser zweipoligen Struktur funktioniert, hat Mugge im Haus Weßling verfolgen können: Bis 1994 bestand auch in NRW eine strenge Aufteilung der Gemeindeleitung zwischen der Arbeit des Chefs der Verwaltung und Vertreters der Kommune in allen Rechts- und Verwaltungsangelegenheiten auf der einen Seite und des ehrenamtlich tätigen Bürgermeisters als Vorsitzenden des Rates auf der anderen. Bei der Kommunalwahl 1999 war die Abschaffung der Doppelspitze die größte Zäsur der Nachkriegsgeschichte im kommunalpolitischen Leben in NRW – inzwischen ist sie Alltag. Trotz der unterschiedlichen Strukturen: Die Themen, mit denen sich die beiden einstigen Euregio-Ehepartner beschäftigen müssen, ähneln sich, wie Mugge feststellen konnte: der demographischer Wandel etwa mit rückläufigen Schülerzahlen, dafür aber immer mehr hochbetagten Menschen; die Beteiligung an Förderprogrammen  – etwas ILEK und LEADER oder die Umsetzung der europäischen Vorgabe, Dichtigkeitsprüfungen privater Schmutzwasserleitungen durchführen zu lassen.

An Gesprächsstoff fehlte es Legden und Bronckhorst auch vor sechs Jahren nicht. Dass die Städtepartnerschaft auseinander brach, hatte damit zu tun, dass Steenderen 2005 dem einstigen Partner auf Augenhöhe plötzlich über den Kopf gewachsen war – durch die Fusion mit Hengelo, Hummelo, Vorden und Zelhem. Inzwischen zählt die so entstandene Stadt Bronckhorst 38 000 Einwohner. In Hengelo befindet sich ihr Rathaus. Wie die Kommunalpolitiker dort tagen, werden die einstigen Partner aus Legden bald selbst erleben. Ein genauer Termin für den besuch steht aber noch aus.

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