Die Planung lag schnell vor für ein neues Baugebiet, das in Merklinde entstehen sollte. Realisiert worden ist es nie. © Stadt
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2008 mussten 28 Grabeländer dem Baugebiet weichen, das bis heute keines ist

Das Baugebiet gibt es bis heute nicht in Castrop-Rauxel. Aber schon 2002 stand fest, dass 28 Grabeländer dafür weichen mussten. 2008 wurden sie umgesiedelt. Mehr getan hat sich seither nicht. Warum?

Seit 2017 wurde in Castrop-Rauxel unter Beteiligung vieler Akteure eine Quartiersnachhaltigkeitsstrategie für den Stadtteil Merklinde erarbeitet. 2020 mündete das im Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept (ISEK) Merklinde. Mit vielen Fördermitteln will die Stadt den Ortsteil ertüchtigen, zur sozialen Stabilisierung und Entwicklung dort beitragen.

Von einer Fläche, die vor fast 20 Jahren zur Neuen Mitte werden sollte, ist dabei nicht mehr die Rede. 2002 verabschiedete der Rat der Stadt ein Zentren- und Einzelhandelskonzept, bei dem Scharnierstandorte festgelegt wurden, die für fußläufige Einkaufsmöglichkeiten auch außerhalb der Zentren sorgen sollten.

Acht Hektar großes Gelände an der Johannesstraße

2004 peilte man dafür unter anderem das Gleisdreieck-Gelände in Merklinde an. Es ist ungefähr acht Hektar groß, gelegen am Ende der Johannesstraße zwischen Wittener und Bockenfelder Straße. Zum Leidwesen der Grabeländer: Seit Jahrzehnten beackerten Merklinder dort ihre kleinen Gartenflächen.

Aber die Montan-Grundstücksgesellschaft (MGG) wollte dort einen Vollsortimenter mit 1500 Quadratmetern Verkaufsfläche und einen Discounter auf 900 qm ansiedeln. Um Merklinde die Geschäfte zu bescheren, die es dort nicht mehr gab – und immer noch nicht gibt.

Die Grabeländer protestierten, erhielten zunächst Unterstützung der SPD, bekamen dann aber alternative Flächen angeboten. Und die Kündigung ihrer Flächen für Ende 2004. Nach dem Sieg der SPD bei der Kommunalwahl 2004 waren die Scharnierstandorte und damit die Supermarkt-Pläne in Merklinde Geschichte.

2006 aber trug die MGG als Flächeneigentümer im Merklinder Gleisdreieck eine neue Idee vor: Jetzt sollten dort Wohnhäuser gebaut werden. Den Gärtnern wurde eine neue Fläche angeboten, sie zogen 2008 um in die damals neue Kleingartenanlage „Auf dem Lohfeld“.

2007: Neubausiedlung mit etwa 45 Wohnungen

Mitte 2007 war klar: Auf dem Gleisdreieck und ringsum soll die „Neue Mitte Merklinde“ entstehen. Glaubte man damals der Verwaltung, standen die Bagger schon bereit, um hier eine Siedlung mit 45 Wohnungen in Doppel- und Reihenhäusern zu realisieren.

Im September 2008 klang das schon vorsichtiger: „Der erste Spatenstich“, so schrieben die Ruhr Nachrichten, „wird noch ein bisschen auf sich warten lassen.“ jetzt war die Rede von 34 Wohneinheiten in Ein- bis Zweifamilienhäusern plus ein Sechsfamilien-Haus, das von der Dihag Grundbesitz GmbH, einer Tochter der Deutschen Gießerei- und Industrie-Holding AG, realisiert werden sollten.

Im Oktober 2009 hieß es dann vom stellvertretenden Planungsamtschef Achim Wixforth: „Wir hoffen, dass wir Ende März 2010 das Verfahren komplett abgeschlossen haben, damit dann die Bagger rollen können.“ 2010 hatte man sich sogar schon auf einen Namen für die Erschließungsstraße geeinigt: Bischof-Rettler-Straße.

Das Gleisdreieck ist weiter Brachland, das hauptsächlich für die Entsorgung von Grünschnitt und als Hundeklo genutzt wird.
Das Gleisdreieck ist weiter Brachland, das hauptsächlich für die Entsorgung von Grünschnitt und als Hundeklo genutzt wird. © Anna-Lena Roderfeld © Anna-Lena Roderfeld

Doch 2012 lag das Projekt weiter auf Eis, da die Dihag Probleme hatte. Und dann hörte man nichts mehr von der Stadt, von Projektentwicklern, Flächenvermarktern – und schon gar keine Bagger. Nachfragen bei der Stadt liefen ins Leere. Es gebe keinen neuen Stand, so die immer gleiche Aussage.

Das hat sich bis heute nicht geändert. Am 18. Juni 2020 bekam Uwe Manthey (SPD) im Bauausschuss auf seine Nachfrage zum Stand des Baugebietes von Philipp Röhnert, dem Leiter des Bereichs Bauordnung der Stadt, zur Antwort, dass die Verwaltung in laufenden Gesprächen sei. So steht es im Sitzungs-Protokoll. Wörtlich heißt es weiter: „Es gibt noch Klärungsbedarf, um sich einer Umsetzung des bereits bestehenden Bebauungsplans weiter zu nähern.“

Die SPD schrieb das Gleisdreieck in ihr Kommunalwahlprogramm: Zu den zentralen Vorhaben in Merklinde gehören demnach die „Zeitnahe Umsetzung des städtebaulichen Entwicklungskonzepts Merklinde und des Baugebiets Gleisdreieck.“

Keine Weiterentwicklung zu kommunizieren

Und wie ist der Stand heute, sieben Monate nach der Wahl? „Hinsichtlich dieses Baugebiets gibt es derzeit keine Weiterentwicklung, die die Stadtverwaltung öffentlich kommunizieren könnte“, sagte Stadtsprecherin Maresa Hilleringmann am 5. Mai auf Anfrage unserer Redaktion.

Insgesamt will die Stadt zusammen mit Partnern in den kommenden Jahren 8,5 Millionen Euro investieren, um den Stadtteil Merklinde aufzuwerten. 6,4 Millionen Euro davon seien förderfähig, so die Berechnungen aus November 2020. Man erhoffe sich insgesamt 4,9 Millionen Euro Fördermittel, hieß es in der letzten Ratssitzung 2020. Der Eigenanteil der Stadt stieg zuletzt um rund 340.000 Euro auf 1,3 Millionen Euro.

In den kommenden Wochen und Monaten soll nun intensiv an der Umsetzung der ersten Maßnahmen gearbeitet werden. Genauso hörte sich das schon einmal an, als es um Merklinde ging: im Jahr 2002 und in den Jahren danach.

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1961 geboren. Dortmunder. Jetzt in Castrop-Rauxel. Vater von drei Söhnen. Opa. Blogger. Interessiert sich für viele Themen. Mag Zeitung. Mag Online. Aber keine dicken Bohnen.
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Thomas Schroeter

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