Der Castrop-Rauxeler Tierarzt Dr. Georg Boesing könnte durch eine EU-Verordnung in seinen Behandlungsmöglichkeiten eingeschränkt werden. © Jonas Hildebrandt
EU-Initiative

Antibiotika-Verbot: Castrop-Rauxeler Tierarzt fürchtet Tod von Tieren

Die EU möchte einen Großteil der Antibiotika in der Tiermedizin verbieten. Der Castrop-Rauxeler Tierarzt Dr. Georg Boesing hält das für ungerechtfertigt – und rechnet mit schlimmen Folgen.

Tagtäglich kommen Menschen mit ihren Haustieren zu Dr. Georg Boesing, damit er den Tieren wieder auf die Beine hilft. Oft hilft dabei der Einsatz von Antibiotika – genau wie beim Menschen. Doch ab 2022 könnte das schwierig werden. Eine EU-Regelung, die im Januar in Kraft treten soll, schränkt den Einsatz von Antibiotika in der Tiermedizin enorm ein. Viele Antibiotika dürfen dann gar nicht mehr verwendet werden.

Dass es Einschränkungen gibt, „ist nicht neu“, erklärt der Castrop-Rauxeler Tierarzt Dr. Georg Boesing. Bereits jetzt müsse er genau nachweisen, dass die von ihm verwendeten Antibiotika wirksam sind. Auch die Auswahl an Antibiotika sei begrenzt. Nur in Notfällen dürfe er Ausnahmen machen. Doch die neue Regelung erschwere die Arbeit nun noch mehr und mache den Einsatz einiger Antibiotika gänzlich unmöglich.

Multiresistente Keime sind auf dem Vormarsch

Hintergrund der EU-Regelung ist, dass sich durch den häufigen Einsatz von Antibiotika bei Tieren genau wie bei Menschen zunehmend multiresistente Keime bilden. Diese Keime können Antibiotika widerstehen und sind deshalb schwerer zu bekämpfen. In den menschlichen Körper gelangen diese Keime unter anderem auch über das Essen. Besonders in Fleisch sind sie oft zu finden – auch weil die Tiere zuvor mit Antibiotika behandelt wurden. Durch das Verbot soll das verhindert werden.

„Antibiotika bei den Nutztieren zu verbieten, könnte schwierig werden“, meint Tierarzt Boesing. Vor allem bei großen Tierbeständen mit Tausenden Tieren sei es schwierig, Krankheitsausbrüche auf andere Art zu stoppen. Den Grund für das Verbot kann er jedoch zumindest teilweise nachvollziehen. Seiner Meinung nach „kommen multiresistente Keime vor allem über die Nahrung“.

Verordnung betrifft auch Haustiere

Doch die neue Regelung betrifft nicht nur die Nutz- sondern auch die Haustiere. „Anwendungsbeschränkungen bei Haustieren halte ich nicht für gerechtfertigt“, sagt der Arzt. Das Risiko, sich bei einem Haustier mit multiresistenten Erregern zu infizieren, halte er für zu gering, um die Einschränkungen zu rechtfertigen. So sei eine Übertragung nur durch „unmittelbaren Kontakt“ mit dem Tier möglich und durch einfache Hygienemaßnahmen wie Händewaschen zu vermeiden.

Diesem Risiko der Infektion steht die Bedeutung der Antibiotika für die Gesundheit der Tiere gegenüber. In der Praxis von Dr. Boesing sei der Einsatz von Antibiotika „an der Tagesordnung“. Gerade bei Bisswunden seien diese „absolut essenziell“. Sollte die Regelung tatsächlich in Kraft treten, könne man nur noch auf eine begrenzte Auswahl an Antibiotika zugreifen.

Tierärzte gehen verantwortungsvoll mit Antibiotika um

„Wir dürfen dann bestimmte Antibiotika nicht mehr einsetzen, auch wenn andere nicht wirksam sind“, erklärt der Tierarzt. Im schlimmsten Fall „wird das dazu führen, dass wir Tiere verlieren, weil wir sie nicht mit einem wirksamen Antibiotikum behandeln durften“, sagt Boesing.

Auch seine Kollegen, wie zum Beispiel die Dortmunder Tierärztin Heike Meilus, treiben ähnliche Sorgen um. Daher gibt es eine Online-Petition des Bundesverbandes praktizierender Tierärzte gegen die EU-Verordnung.

Georg Boesing ist sich im Übrigen sicher, dass auch ohne die strenge Regelung, Vorsicht im Gebrauch von Antibiotika gezeigt wird. „Jeder vernünftige Tierarzt geht verantwortungsvoll mit Antibiotika um“, sagt er. Doch ganz ohne komme man eben nicht immer aus.

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