Zahlreiche Corona-Teststellen wurden in den vergangenen Wochen geschlossen. Der Castrop-Rauxeler Apothekensprecher Claus Ehrensberger sieht den Bedarf nach Teststellen weiterhin gegeben. © dpa
Covid19-Schnelltests

Apothekensprecher: „Corona-Teststationen sind reines Zuschussgeschäft“

Neue Abrechnungsverfahren und die nachlassende Nachfrage haben das Geschäft mit Corona-Teststationen verändert. Castrop-Rauxels Apothekensprecher warnt aber davor, die Angebote einzustellen.

Steigende Impfquoten und die in den vergangenen Wochen stets niedrigen Inzidenzen haben dafür gesorgt, dass in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens die Nachweispflicht über ein negatives Corona-Testergebnis fallen gelassen wurde.

Die Folge: Durch die zurückgegangene Nachfrage wurden zahlreiche der kurzfristig eingerichtete Corona-Testzentren aufgegeben. Auch wird nicht längst mehr in jeder Castrop-Rauxeler Apotheke ein sogenannter kostenloser Bürgertest angeboten.

Claus Ehrensberger, Sprecher der Apotheker in Castrop-Rauxel und Betreiber der Glückauf-Apotheke, hält den Abbau von Testzentren zum gegenwärtigen Zeitpunkt jedoch für verfrüht.

Testangebote werden weiter benötigt

„Es ist nicht so, dass Corona jetzt schon vorbei wäre. Und die jetzt wieder langsam steigenden Inzidenzen weisen darauf hin, dass Testangebote nun nicht einschlafen sollten“, sagt Ehrensberger.

Natürlich sei der Ansturm auf die Testzentren derzeit nicht mehr so groß wie vor Wochen noch. Auch, wenn die Nachfrage zurückgegangen sei – es kämen noch genug Leute. Er schätzt den Rückgang der Nachfrage auf um die 20 Prozent ein. „Menschen kommen, die Angehörige im Altersheim besuchen möchten und jetzt einen Testnachweis brauchen. Und denen sollte diese Dienstleistung erhalten bleiben“, mein Ehrensberger.

Betrieb rechnet sich nicht

Der Bedarf in der Glückauf-Apotheke ist also weiterhin gegeben. Aber die Sache hat einen Haken: „Der Betrieb eines Testzentrums ist mittlerweile ein Zuschussgeschäft. Wir verdienen da nichts mehr dran, zahlen sogar aus eigener Tasche drauf“, sagt Ehrensberger.

Grund ist die Anpassung der Vergütung für Corona-Tests zum 1. Juli. Zuvor gab es für Sachkosten pro Test 6 Euro, für die Dienstleistung 12 Euro, in Summe also 18 Euro. Seit Monatsbeginn gibt es noch 3,50 Euro und 8 Euro vergütet, also 11,50 Euro. Das lukrative Geschäft sei vorbei, so Ehrensberger.

Abrechnungsverfahren ist kompliziert

Zudem sei aufgrund von Betrugsfällen durch private Anbieter das Abrechnungsverfahren angepasst worden: „Für die einzelnen Abrechnungen müssen jetzt mehrstellige Zeichen- und Zahlencodes abgeglichen und in Dateien eingepflegt werden. Das ist nicht nur müßig, sondern auch fehleranfällig. Sobald nur ein einzelnes Zeichen falsch eingetragen ist, wird der Test nicht vergütet“, ärgert sich Ehrensberger.

Aktuell wird politisch diskutiert, ob Schnelltests für Ungeimpfte noch kostenlos bleiben sollten. Was sagt der Apothekensprecher? Nur das: „Das ist ein Druckmittel, um die Leute dazu zu bringen, sich impfen zu lassen. Man kann dazu vielerlei Ansichten haben, als Apotheker ist man Dienstleister.“

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Freier Mitarbeiter
Fabian Paffendorf, Jahrgang 1978, kam 2003 zum Journalismus. Ursprünglich als Berichterstatter im Bereich Film und Fernsehen unterwegs, drehte er kleinere Dokumentationen und Making-Of-Berichte für DVD-Firmen. In diesem Zusammenhang erschienen seine Kritiken, Interviews und Berichte in verschiedenen Fachmagazinen und bei Online-Filmseiten. Seit 2004 ist der gebürtige Sauerländer im Lokaljournalismus unterwegs. Für die Ruhr Nachrichten schreibt er seit Herbst 2013.
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