In seiner „Marktschänke“ setzt Karl-Heinz van Loon auf ein Einchecken per App. © Natascha Jaschinski
Kontaktdaten

Außengastronomie in Castrop-Rauxel: So unterschiedlich läuft das Einchecken

Die Zettelwirtschaft hat ein Ende: In diesem Jahr erfassen viele Castrop-Rauxeler Gastronomen die Kontaktdaten der Gäste über Apps. Praktisch für beide Seiten?

Seit vergangenen Freitag (21.5.) dürfen die Castrop-Rauxeler Biergärten wieder öffnen. Dabei gilt die Regel: Persönliche Kontaktdaten der Gäste müssen bei den Betreibern hinterlegt werden, um im Falle einer Corona-Infektion die Kontakt-Nachverfolgung zu gewährleisten. Im vergangenen Jahr stauten sich deswegen oft Papierberge in den Gaststätten. Nun setzen sie immer mehr auf digitale Lösungen.

Das Prinzip ist simpel: Zunächst registrieren sich die Gäste mit ihren persönlichen Daten in einer App. In den Restaurants müssen sie dann nur ihr Handy zücken und haben dann zwei Möglichkeiten: Entweder scannen sie den QR-Code auf den Tischen der Restaurants – oder sie lassen ihren persönlichen QR-Code in der App scannen.

Die Kontaktdaten der Gäste werden somit digital gespeichert. Die Gastronomen haben keinen Zugriff auf die Namen und Adressen der Gäste. Wer seine Daten nicht in einer App registrieren möchte, kann in jedem Lokal auch nach wie vor zu Stift und Papier greifen.

Gastronomen setzen auf verschiedene Apps

Im Leuthold`s 1910 wird der Check-In jetzt über die Chekko-App angeboten. Die Betreiberin Lilli Leuthold zeigt sich begeistert: „Die Daten der Gäste bekomme ich gar nicht zu Gesicht.“ Die Inhaberin hofft daher, dass „bald möglichst viele Gastronomen im Kreis damit arbeiten“. So könne es den Gästen möglichst einfach gestaltet werden.

Tatsächlich ist die Chekko-App die einzige, die aktuell mit dem Gesundheitsamt des Kreises Recklinghausen vernetzt ist. Wie der Kreis am Freitag (28.5.) mitgeteilt hat, könne deshalb das Gesundheitsamt im Falle eines positiv getesteten Gastes die Kontaktdaten der umliegenden Gäste abrufen. Zudem biete die App den großen Vorteil, dass Gastronomiebetriebe unter anderem Tische anlegen können, was nicht bei allen Apps möglich sei.

Kreis empfiehlt die Chekko-App

Nur durch diese konkreten Angaben sei eine gezielte Auswertung für die Kontaktnachverfolgung möglich, sollte es einen positiven Fall geben, schreibt der Kreis Recklinghausen. Wird das nicht gemacht, produzierten die Apps lediglich umfangreiche Listen mit den Kontaktdaten von allen Personen, die an dem Tag oder in einem bestimmten Zeitfenster anwesend waren.

Diese seien für das Gesundheitsamt in der Regel nicht nutzbar, weil nicht erkennbar ist, ob es überhaupt Berührungspunkte der Menschen auf der Liste mit der infizierten Person gegeben haben kann.

Im Leuthold’s 1910 wird auf die Chekko-App gesetzt. In anderen Castrop-Rauxeler Gastronomien können Gäste diese aber nicht nutzen.
Im Leuthold’s 1910 wird auf die Chekko-App gesetzt. In anderen Castrop-Rauxeler Gastronomien können Gäste diese aber nicht nutzen. © Timo Pianka © Timo Pianka

Yvonne und Jörg Helmig gehörten zu den ersten Castrop-Rauxelern, die von der neuen App Gebrauch gemacht haben. „Simpel und schnell“, lautete das erste Fazit des Ehepaars. Doch ein Problem haben sie ausgemacht: „Wenn wir uns in einem anderen Restaurant anmelden möchten, muss der Betreiber natürlich die gleiche App nutzen.“

Das allerdings ist oft nicht der Fall. Im Panorama Café am Stadtgarten beispielsweise müssten sie auf eine andere App zurückgreifen. Betreiberin Aysha Klejs bietet aktuell nämlich eine Anmeldung über die DISH-App an. Klejs mhält das App-Angebot ebenfalls für gut: „Es ist viel hygienischer, die Gäste müssen dann nicht immer wieder Stifte in die Hand nehmen.“ Vor allem jüngere Menschen nähmen diese Möglichkeiten gerne an.

„Kistenweise Zettel“ im letzten Jahr

Seit etwa einem Monat besitzt auch die Corona-Warn-App des Bundes eine Check-In Funktion. Erich Brennecke vom Brauhaus Hotel Rütershoff nutzt diese Möglichkeit. 2020 hätten sich nämlich „kistenweise Zettel angesammelt, die ich dann hinterher regelmäßig wegwerfen musste“, erzählt der Wirt.

Die grünen Sticker vor der Marktschänke erklären den Gästen, wie sie ganz einfach einchecken können. Betreiber Karl-Hein van Loon baut auf die Hereinspaziert!D-App.
Die grünen Sticker vor der Marktschänke erklären den Gästen, wie sie ganz einfach einchecken können. Betreiber Karl-Heinz van Loon baut auf die Hereinspaziert!D-App. © Timo Pianka © Timo Pianka

Auch in der Marktschänke hegt man böse Erinnerungen an diese Zettelwirtschaft. Daher setzt der Betreiber Karl-Heinz van Loon nun auf die Hereinspaziert!D-App. „Auf dem Papier gaben viele Gäste falsche Namen an, da sie Angst um ihre Daten haben“, erinnert sich der Wirt.

Das Haus Hölter setzt dagegen weiter auf den klassischen Papierweg. Im vergangenen Jahr habe man damit keine schlechten Erfahrungen gemacht, erzählt Restaurantleiter Nikolai Döring. Er führt fort: „Wir werden schauen, wie sich die Inzidenz jetzt weiter entwickelt.“ Dann werde man sehen, wie nötig die Einrichtung einer App zur Kontaktverfolgung überhaupt noch sei.

Papier, Zeit, Nerven – die Gastronomen können mit den neuen Apps an vielem sparen. Es wird aber auch klar: Gäste, die auf den digitalen Check-In setzen wollen, müssen zu vielen verschiedenen Anbietern greifen. Die praktische Idee – einmal anmelden, überall vorzeigen – geht in Castrop-Rauxel noch nicht auf.

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