Die Corona-Auflagen wurde nicht von allen Teilnehmern dieser Corona-Mahnwache ernst genommen. Wir konnten sie aus nächster Nähe beobachten. © Nora Varga
Meinung

Bitte durchgreifen, KOD! Ordnungsgeld statt Kuchenschmaus für Regelbrecher

Die Stadt hat bei Corona-Leugnern auf dem Castroper Marktplatz nicht durchgegriffen. Ein Fehler, findet unsere Autorin, der bis heute Auswirkungen hat. Er darf sich jetzt nicht wiederholen.

Auch wenn es mittlerweile schon ein Weilchen her ist: Vor nicht allzu langer Zeit galten noch deutlich strengere Corona-Maßnahmen. Man musste Masken in der Altstadt tragen und sollte tunlichst Abstände einhalten. Genau zu dieser Zeit hielten einige Corona-Leugner oder zumindest -Skeptiker auf dem Marktplatz in Castrop-Rauxel Mahnwachen ab.

Das war ihr gutes Recht. Das Problem aber: Mit Maskenpflicht und Abständen hat es in diesem Kreise nicht jeder (es gab auch ein paar regeltreue Protestler) genau genommen. Es wurden Kuchentabletts umher gereicht und es herrschte allgemeine Sorglosigkeit zu einer Zeit, in der das überhaupt nicht geboten war.

Und was hat das Ordnungsamt gemacht? Fast nichts. Man hat nett erinnert. Für zwei Minuten rissen sich die Skeptiker zusammen, dann rutschten die Masken wieder unters Kinn und die Grüppchen standen wieder eng beisammen.

Während in der gesamten Fußgängerzone Menschen, die ein Brötchen aßen, gemaßregelt wurden, hat man bei den Corona-Skeptikern eine großzügige Ausnahme gemacht. Dabei ist das doch klares Kalkül: Das Mitbringen von Kuchen und Getränken geschah mit dem Vorsatz, auf die Maskenpflicht zu pfeifen.

Die Stadt erklärt, man habe die Personen aufgefordert, abseits der Versammlung zu essen. Wer die Gruppe über längere Zeit beobachtet hat, weiß, dass sie das nicht befolgte.

Wenn der Herbst kommt, braucht es Konsequenz

Warum hole ich diese alte Geschichte wieder aus der Kiste? Zum einen wurde eine Anfrage des Ratsherren Marcus Liedschulte, wieso man damals nicht eingriff, erst vergangene Woche beantwortet wurde. Monate nach dem Ereignis. Zum anderen bleibt die Debatte relevant.

Wir genießen momentan zwar den Sommer der Lockerungen, aber der Herbst wird kommen und mit der Delta-Variante ist unklar, ob es noch mal einen Lockdown oder schärfere Regeln geben wird.

Wenn es wieder Einschränkungen gibt, muss das Ordnungsamt sie konsequenter durchsetzen als bisher. Vor allem, wenn Menschen damit provozieren, ob es sich um Corona-Leugner handelt oder nicht. Die Regeln gelten für alle und müssen auch dann durchgesetzt werden, wenn sich die Betroffenen nicht durch freundliches Bitten bekehren lassen.

Greift das Ordnungsamt nicht durch, riskieren wir, dass die Compliance schwindet, sich also andere auch nicht mehr an die Maßnahmen halten wollen. Frei nach dem Motto: „Wenn es bei denen egal ist, dann habe ich auch keine Lust mehr!“ Wenn das passiert, haben wir keine Chance gegen das Virus.

Über die Autorin
Volontärin
Jahrgang 2000. Ist in Bergkamen aufgewachsen und nach Dortmund gekommen, um die große, weite Welt zu sehen. Überzeugte Europäerin mit einem Faible für Barockmusik, Politik und spannende Geschichten
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Nora Varga

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