Die AWO setzt in Castrop-Rauxel auf Aufklärungsarbeit und eigene Impfangebote. Dieses Bild zeigt die allererste Corona-Impfaktion in der Stadt im Wilhelm-Kauermann-Zentrum an Silvester. © Archiv
Coronavirus

Caritas Castrop-Rauxel: „Impfpflicht für Pflegepersonal wäre respektlos“

Mehrere Länder in Europa führen eine Impfpflicht für Pflegekräfte ein. In Castrop-Rauxel bewerten AWO und Caritas das Konzept kritisch, wie eine Umfrage ergab. Dafür gibt es zwei Gründe.

Das französische Parlament hat eine Corona-Impfpflicht für Pflegepersonal am Sonntagabend (25.7.) gebilligt. Unter Protesten der Bevölkerung. In Großbritannien soll eine solche Regel ebenfalls eingeführt werden. Deutschland hat sich bisher dagegen ausgesprochen. Und wie ist das in Castrop-Rauxel? Wir hörten uns bei Altenpflege-Betreibern um.

Die Caritas Pflegen und Betreuen GmbH, die in Castrop-Rauxel zwar keine stationäre Pflegeeinrichtung, wohl aber einen ambulanten Pflegedienst betreibt, ist froh darüber. Hier hält man wenig von der Idee einer Impfpflicht. Im Gespräch mit dieser Redaktion nennt Geschäftsführer Ansgar Montag dafür zwei Gründe.

Hohe Impfbereitschaft bei der Caritas

Zum einen sei eine zu niedrige Impfquote in der Caritas kein Problem. „Unsere Mitarbeiter wissen um die hohe Verantwortung, die sie für sich selbst und natürlich auch für die Patienten tragen. Über 90 Prozent haben sich impfen lassen“, sagt Montag.

Diese Impfbereitschaft, die deutlich über dem in Studien ermittelten Wert für ganz Deutschland liegt, müsse man anerkennen. Damit kommt Montag zum zweiten Punkt: „Wenn wir jetzt eine Impfpflicht einführen, dann unterstellen wir, dass wir an dieser Stelle ein Problem haben. Das gibt es aber in Wirklichkeit gar nicht.“ Die Idee einer Impfpflicht sei den meisten Pflegekräften gegenüber respektlos und deshalb moralisch fragwürdig.

90 Prozent der Mitarbeiter bei der Caritas Pflegen und Betreuen in Castrop-Rauxel sind gegen Corona geimpft.
90 Prozent der Mitarbeiter bei der Caritas Pflegen und Betreuen in Castrop-Rauxel sind gegen Corona geimpft. © Rebekka Wölky © Rebekka Wölky

Die Einschätzung der Arbeiterwohlfahrt (AWO) ähnelt der der Caritas. Wieder ist die Begründung ein Mangel an Wertschätzung. Den haben Pflegekräfte laut AWO-Pressesprecherin Katrin Mormann über die Corona-Pandemie hinweg ohnehin erfahren.

Aufklärungsarbeit statt Verpflichtung und Druck

„Unsere Mitarbeiter sind bis an ihre Grenzen und darüber hinaus gegangen und trotzdem noch oft vergessen worden“, sagt Mormann. Jetzt auch noch den Eindruck zu erwecken, sie müssten zum Impfen verpflichtet werden, schlage in dieselbe Kerbe.

Die AWO setzt lieber auf Aufklärungsarbeit und eigene Impfangebote. Und auch Montag sagt: „Besser wäre es, Energie in persönliche Überzeugungsarbeit zu stecken, um Unsicherheiten abzubauen.“ Denn die hätten anfangs tatsächlich viele Pflegekräfte gehabt. Wohl auch, weil sie mit die Ersten waren, die den neuen Impfstoff bekommen sollten.

Eine Impfpflicht könnte auf lange Sicht außerdem ein Problem für die Zukunft der Branche sein: „Sie würde einen Druck aufbauen, der dringend gebrauchten Nachwuchs in der Pflege abschrecken könnte“, befürchtet Ansgar Montag von der Caritas.

Geimpft sein hat einen praktischen Vorteil

Die Vorteile, die sich für geimpfte Pfleger bei der Arbeit ergeben, könnten allerdings ein Anreiz sein. Nicht vollständig Geimpfte müssen sich regelmäßig Coronatests unterziehen. 14 Tage nach der zweiten Impfung fallen sie weg.

Über die Autorin
1997 in Dortmund geboren. Dort seit 2017 für die Ruhr Nachrichten im Einsatz. Habe die Stadt dabei neu kennen und lieben gelernt. Mag die großen und kleinen Geschichten um mich herum, Bücher, schreiben und fotografieren.
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Rebekka Antonia Wölky

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