Zutritt nur noch für Geimpfte - denkbar für Kneipen in Castrop-Rauxel? (Symbolbild) © picture alliance/dpa
Gastronomie

Castrop-Rauxeler Kneipe kündigt an: Zutritt bald nur noch für Geimpfte

Eine Gaststätte in Dortmund hat es vorgemacht: Sie hat ein Zutrittsverbot für Ungeimpfte und Genesene verhängt. Zumindest in einer Castrop-Rauxeler Kneipe soll das auch bald kommen.

Aus der 3G-Verordnung hat ein Dortmunder Wirt kurzer Hand 1G gemacht. Anstatt Getestete, Genesene und Geimpfte in das Innere seiner Kneipe zu lassen, dürfen nur noch Geimpfte in die „Burg Heisterkamp“ des Dortmunders Matthias Strake.

Strake darf das, denn er in seiner eigenen Gaststätte hat er Hausrecht. Damit kann er auch entscheiden, wen er herein lässt – und wen eben nicht. Ungeimpfte seien eine zu große Gefahr für die Gesundheit seiner Mitarbeiter und Stammkunden, sagt Strake. Letztere hätten den Kneipier sogar dazu angeregt. Ist das für die Kneipen-Besitzer in Castrop-Rauxel denkbar?

Zu viele Gründe, warum Bürger noch ungeimpft sein könnten

Für Karin und Nadja Wischermann ist klar: „Das würde für uns auf keinen Fall in Frage kommen.“ Sie sind die Inhaberinnen der „Kulisse“ in der Castroper Altstadt. Grund für ihre klare Haltung: „Es gibt viele Gründe, warum sich manche Leute nicht impfen lassen“, erklärt Karin Wischermann.

In der Kulisse in der Altstadt gilt vorerst die 3G-Regel. © Thomas Schroeter (Archiv) © Thomas Schroeter (Archiv)

„Zum Beispiel Schwangere oder Mütter, die stillen. Oder Leute, die sich aus gesundheitlichen Gründen dagegen entscheiden. Die von vorneherein auszuschließen halte ich für falsch.“

Die Inhaberinnen der „Kulisse“ befürchten, dass es sich andere Kneipen-Besitzer durch die Änderung der Hausordnung einfach machen wollen. „Dadurch kann man die Kontrolle der Corona-Tests umgehen“, sagt Nadja Wischermann. Die kann nämlich durchaus zeitaufwendig sein, wenn der Laden abends voll wird.

Kneipier findet die Idee gut, aber viele Gäste dagegen

Den Eindruck hat auch Christian Pachholleck, Inhaber vom „Haus Oe“ und „Gleis 4“ in Castrop-Rauxel. Die Kontrolle der Corona-Tests ist zeitintensiv und verwirrend. „Manche Tests sind 48 Stunden gültig, andere 72 Stunden. Wenn man am Flughafen einen Test macht, dann muss man auch in den nächsten 30 Minuten fliegen“, zählt Pachholleck auf. „Muss ich die dann nach 30 Minuten rausschmeißen? Es gibt so viele Frage zu den Corona-Tests, die kann uns keiner beantworten.“

Im Haus Oe wird vorerst ein negativer Schnelltest reichen, um in die Kneipe zu dürfen.
Im Haus Oe wird vorerst ein negativer Schnelltest reichen, um in die Kneipe zu dürfen. © Christian Püls (Archiv) © Christian Püls (Archiv)

Deswegen findet der Gastronom die Idee gut, nur noch Geimpfte ins Lokal zu lassen. Noch seien aber zu viele Gäste dagegen, die Gefahr des Gegenwinds sei ihm zu groß. Das bekomme er aus Gesprächen seiner Kundschaft und Reaktionen auf Facebook mit. Deswegen bleibt Pacholleck erst einmal dabei, dass auch Getestete ins „Haus Oe“ sowie „Gleis 4“ dürfen.

„Wer sich nicht impfen lässt, der hat Pech gehabt“

Der Inhaber der „Marktschänke“ hat vor den Reaktionen seiner Gäste dagegen keine Angst. „Wer sich nicht impfen lässt, der hat Pech gehabt“, sagt Karl-Heinz van Loon. Für ihn ist klar: Er will bald nur noch Geimpfte und Genesene in seine Kneipe in Castrop lassen.

Zum einen, damit sein Personal mehr Sicherheit hat. Zum anderen ärgert sich der Kneipier darüber, dass es noch so viele Impfverweigerer gibt und die Inzidenzen wieder steigen. „Wir hatten schon so viele Monate wegen des Corona-Lockdowns geschlossen. Das überleben wir nicht nochmal“, sagt van Loon.

Karl-Heinz van Loon möchte für seine „Marktschänke“ strikte Regeln beschließen  – und nur noch Geimpften Zutritt gewähren.
Karl-Heinz van Loon möchte für seine „Marktschänke“ strikte Regeln beschließen – und nur noch Geimpften Zutritt gewähren. © Natascha Jaschinski (Archiv) © Natascha Jaschinski (Archiv)

Viele seiner „Marktschänke“-Stammkunden hätten Verständnis dafür und seien bereits geimpft. „Wer das nicht versteht, der kann sich auf die Bank vor der Tür setzen und draußen bleiben“, sagt Karl-Heinz van Loon. Noch am Donnerstagabend wollte sich der Inhaber mit seinem Personal beraten, wann der Zutritt nur noch für Geimpfte gelten soll, sagt er unserer Redaktion.

„Jeder Gastronom soll das für sich selbst entscheiden“

Sandra Iser, Inhaberin vom „Haus Uebersohn“, ist der Meinung: „Jeder Gastronom soll das für sich selbst entscheiden.“ In ihrem Lokal soll es aber dabei bleiben, dass neben Geimpften und Genesenen auch Getestete rein dürfen. „Wir wollen den Ungeimpften nicht den Zutritt verwehren“, sagt Iser. „Ich kann 3G nur unterstützen.“

Über die Autorin
Volontärin
In der Grafschaft Bentheim aufgewachsen, während des Journalismus-Studiums in NRW verliebt. Danach über 2 Jahre in Kanada gelebt und jetzt wieder zurück im Lieblingsbundesland. Seit 2020 Volontärin bei Lensing Media
Zur Autorenseite
Anne Schiebener

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.