Die Castrop-Rauxeler Politik beschäftige sich im Rat mit der Benennung von Straßen. © Nora Varga
Aus dem Rat

Castrop-Rauxeler Straßen nach Frauen benennen: Die Politik ist sich einig

SPD und Grüne fordern mit einem Antrag, mehr Straßen in Castrop-Rauxel nach Frauen zu benennen. CDU und FDP wollen das auch, aber sprachen sich vehement gegen den Antrag aus.

In der Ratssitzung am Donnerstag (24.6.) forderten SPD und Grüne in einem Antrag, dass Richtlinien festgelegt werden, die dafür sorgen, dass „mehr Straßen, Wege und Plätze Namen von Frauen tragen.“ Holger Schelte von den Grünen begründet den Antrag: „Wir wollen mit dem Beschluss ein Zeichen setzten“, er solle die Vielfalt im Stadtbild erhöhen. Man sei sich sicher, dass alle Parteien dem Antrag zustimmen wollen.

SPD und Grüne haben die Rechnung allerdings ohne FDP und CDU gemacht. FDP Fraktionsvorsitzender Nils Bettinger: „Ich muss es sagen. Dieser Antrag ist überflüssig.“ Er wirft der Koalition vor, sich mit dem Antrag nur profilieren zu wollen. Man habe sich in vorherigen Ausschusssitzungen bereits informell darauf geeinigt, mehr Straßen in Castrop-Rauxel nach Frauen zu benennen. Es gehe ihm nicht um den Inhalt des Antrages, sondern um die Art und Weise.

Ins gleiche Horn stieß der CDU Mann Michael Fritsch: „Ich halte diesen Antrag für eine hemmungslose Anbiederung an den Zeitgeist.“ Der politische Wille sei bereits bei allen Beteiligten da, es brauche keine neuen Richtlinien. Er führte aus, dass es bereits jede Menge Straßen gebe, die nach Frauen benannt sind, wie die Christinenstraße oder den Annaweg. Man wolle dem Antrag zwar zustimmen, halte ihn aber für völlig unnötig.

Straßennamen ohne echte Vorbilder

Sabine Seibel entgegnete darauf, dass all diese Straßen nur nach den Namen von Frauen benannt seien, dahinter stünden aber keine historischen Persönlichkeiten. Sie griff in ihrem Beitrag die CDU scharf an und warf der Partei vor, kaum Frauen in den eigenen Reihen zu haben. Diejenigen die es gäbe säßen nur in der hinteren Reihe und hätten nichts zu sagen.

Einen Vorwurf, den der Fraktionsvorsitzende der CDU, Michael Breilmann, so nicht stehen lassen wollte: „Das ist blamabel. Ich finde das nicht in Ordnung.“ Zwei demokratisch gewählte Ratsfrauen auf diese Art und Weise anzugehen sei gerade durch eine andere Frau besonders schlimm. Er unterstützte den Antrag in der Sache, hält ihn aber auch für unnötig: „Meine Fraktion braucht keine Richtlinien.“

Daniel Molloisch kritisierte den Umgangston der Debatte: „Ich bin entsetzt, wie mit einer Flapsigkeit über die Thematik gesprochen wird.“ Bert Wagener von den Grünen unterstrich, wie wichtig gerade diese Debatten seien, um das Thema Gleichstellung ins Bewusstsein der Menschen zu holen. Am Ende wurde der Antrag trotz der Verfahrenskritik von allen Ratsmitgliedern einstimmig angenommen.

Über die Autorin
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Jahrgang 2000. Ist in Bergkamen aufgewachsen und nach Dortmund gekommen, um die große, weite Welt zu sehen. Überzeugte Europäerin mit einem Faible für Barockmusik, Politik und spannende Geschichten
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Nora Varga

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