Jobräder liegen gegenwärtig stark im Trend. © Dieter Düwel
Radfahrer

Castrop-Rauxeler Unternehmen setzen auf Jobräder statt auf Dienstwagen

Radfahren schont die Umwelt, ist gesund und macht Spaß. Immer mehr Firmen und Behörden bieten ihren Mitarbeitern daher „Jobräder“ an. Auch in Castrop-Rauxel sind sie unterwegs.

Claudia Lauren war bisher keine passionierte Radfahrerin. Das änderte sich allerdings Ende Mai. „Ich hatte von der Möglichkeit gehört, ein Jobrad zu leasen“, berichtet die Stationsleiterin des evangelischen Krankenhauses. „E-Bikes sind ja nicht gerade günstig in der Anschaffung, daher fand ich das Angebot meines Arbeitgebers sehr attraktiv. Jetzt mache ich regelmäßig Touren mit meinem Rad.“

Schätzungen zufolge sind bereits um die 500.000 Diensträder auf Deutschlands Straßen unterwegs – Tendenz steigend. Mehr als 40.000 Firmen bieten Jobräder an, kommunale Behörden sind verpflichtet, dieses Angebot zu machen.

Einfache Abwicklung

Wie kommt man an ein Jobrad? „Ganz einfach“, sagt Claudia Lauren. „Nach der Vereinbarung mit meinem Arbeitgeber habe ich mir bei einem Vertragshändler ein schönes Pedelec ausgesucht. Bis zur Lieferung hat es dann drei Wochen gedauert.“

EvK-Stationsleiterin Claudia Lauren genießt Touren mit ihrem neuen Jobrad.
EVK-Stationsleiterin Claudia Lauren genießt Touren mit ihrem neuen Jobrad.

Die EVK-Mitarbeiterin hat ihr Rad für drei Jahre geleast und muss sich dann entscheiden, ob sie es behalten oder zurückgeben möchte. „Im Moment würde ich sagen, ich behalte es. Ich bin sehr zufrieden mit dem Rad und es macht richtig Spaß. In meinem Freundeskreis machen immer mehr von dem Angebot Gebrauch“, verrät Claudia Lauren.

Die Leasinggebühr wird monatlich von ihrem Bruttogehalt einbehalten. Zusätzlich hat sie auch weitere Leistungen wie die regelmäßige Wartung und die Versicherung des Fahrrads hinzu gebucht.

EVK setzt Zeichen für Gesundheit und Umweltschutz

Seit Anfang des Jahres besteht das Angebot von Jobrädern für die Angestellten des EVK. Verwaltungsdirektor Gerhard Glock ist sehr zufrieden mit der Resonanz: „20 Mitarbeiter sind bereits vom Auto aufs Rad umgestiegen, aber das System muss sich erst einmal etablieren.“ Glock ist froh, dass damit ein ganz persönliches Zeichen für den Schutz der Umwelt gesetzt wird: „Außerdem halten wir das Jobrad für eine attraktive Ergänzung zu unserer betrieblichen Gesundheitsförderung, da Radfahren nicht nur den Körper fit hält, sondern auch eine mentale Entspannung vom Alltagsstress bietet.“

St. Rochus Hospital führt Jobräder bis Ende des Jahres ein

Auch das St. Rochus Hospital hat die Vorzüge des Jobrads erkannt und wird noch in diesem Jahr seinen Mitarbeitern ein entsprechendes Angebot machen. Greta Nuß von der Personalentwicklung erklärt: „In unserer Mitarbeiterschaft besteht ein Riesenbedarf an den Rädern. Wir vergleichen gerade verschiedene Anbieter, um das beste Angebot herauszufiltern.“

Weiterhin ist geplant, den Beschäftigten einen Rundumservice zu bieten. „Da vermutlich viele E-Bikes geleast werden, wollen wir abschließbare Fahrradkäfige und Aufladestationen einrichten“, so Great Nuß. „Wir haben auch Mitarbeiter, die 20 Kilometer entfernt wohnen und jetzt froh sind, ein E-Bike nutzen zu können. Vielleicht bekommen wir ja auch mit unserem Service den einen oder anderen ‚Couch Potato‘ aufs Rad.“

Jobräder für die ganze Familie

Ein Couch Potato ist Elmar von Agris auf keinen Fall. Der 52-jährige Qualitätsmanager genießt die Vorzüge seines neuen E-Bikes sowohl beruflich als auch privat: „Das Rad ist geleast und der Betrag wird direkt von meinem Bruttogehalt abgezogen. Somit reduziert sich die Steuerlast etwas. Der Arbeitgeber zahlt freundlicherweise die Versicherung und Wartung. Unser Betriebsrat hat freiwillig die Organisation und Abwicklung übernommen.“

Elmar von Agris nutzt sein Jobrad dienstlich und privat.
Elmar von Agris nutzt sein Jobrad dienstlich und privat. © Dieter Düwel © Dieter Düwel

Von Agris ist ebenso wie Claudia Lauren von dem System des Jobrads überzeugt: „Bei der Auswahl hatte ich lediglich eine preisliche Obergrenze zu beachten. Ich bin zum Händler gefahren, habe mir ein schönes E-Bike ausgesucht und ein paar Tage später habe ich meine erste Tour auf dem neuen Rad unternommen. Ich konnte mir dann noch ein weiteres Fahrrad leasen, somit machen meine Frau und ich nun ausgedehnte Ausflüge per Velo.“

Verwaltung arbeitet am Jobrad-Konzept

Auch bei der städtischen Verwaltung werden demnächst die Jobräder Einzug halten. Nachdem der Tarifvertrag zur Entgeltumwandlung zum Zwecke des Leasings von Fahrrädern im kommunalen öffentlichen Dienst rückwirkend zum 1. März 2021 in Kraft getreten ist, können nun auch Kommunen das Konzept des Jobrads umsetzen. Die Stadt Castrop-Rauxel arbeitet bereits an einem solchen Konzept, wie die Pressestelle mitteilt.

Das Angebot eines Jobrads gibt es grundsätzlich auch beim EUV. Vorstand Michael Werner kann nicht abschätzen, ob bei seinen Mitarbeitern Interesse daran besteht: „Ein Großteil unserer Belegschaft kommt eh schon mit dem Fahrrad, vor allem in den Sommermonaten. Unsere Abstellmöglichkeiten sind gut gefüllt.“

Kritik von der Gewerkschaft

Kritik zum Thema „Jobrad“ kommt von der Gewerkschaft ver.di, die das Modell der Entgeltumwandlung ablehnt. Lisa Isabell Wiese, Pressesprecherin des ver.di Landesbezirks NRW erklärt: „Wer weniger in die Rentenversicherung einzahlt, spart nur scheinbar, denn dadurch fällt auch automatisch die spätere Rente geringer aus. Natürlich sinken auch die Ansprüche auf Krankengeld und Arbeitslosenunterstützung. Richtig sparen kann bei diesem Modell nur der Arbeitgeber – nämlich seine Beiträge zur Sozialversicherung.“

Sowohl Claudia Lauren als auch Elmar von Agris haben ihre Modelle durchgerechnet. Beide sind zu dem Ergebnis gekommen, dass die Verluste ihrer künftigen Renteneinnahmen äußerst geringe Centbeträge sind.

Wie funktioniert das System „Jobrad“?

Grundsätzlich vereinbaren Arbeitgeber und Arbeitnehmer, dass ein Teil des monatlichen Mitarbeitergehalts in Höhe der Leasingrate für das Fahrrad einbehalten wird. Die Mitarbeiter suchen sich ihr Wunschrad beim Fachhändler aus, alle Hersteller und Marken sind möglich. Der Arbeitgeber least das Jobrad und überlässt es seinen Mitarbeitern.

Sie fahren es, wann immer sie wollen, zur Arbeit, im Alltag, in den Ferien oder beim Sport. Als Dienstrad ist grundsätzlich fast jede Art von Fahrrad geeignet, also auch Mountainbikes, Rennräder, E-Bikes oder Pedelecs. Auch für den Partner oder die ganze Familie können Räder geleast werden. Nach drei Jahren kann man sich entscheiden, ob man das Rad kaufen oder zurückgeben möchte. Es kann auch ein neues Rad geleast werden, wenn sich die Bedürfnisse geändert haben sollten. Zusätzlich kann ein Paket gebucht werden, das zum Beispiel Wartung, Reparaturen und Versicherung einschließt.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
In Castrop-Rauxel geboren und in der Heimatstadt geblieben. Schätzt die ehrliche und direkte Art der Menschen im Ruhrgebiet. Besonders interessiert am Sport und den tollen Radwegen im Revier.
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Dieter Düwel

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