Die Esche im Garten von Marion und Peter Bossmann droht nach Angaben des Paares umzukippen. © Jonas Hildebrandt
Unwetterfolgen

Castrop-Rauxelerin will aus Angst Riesen-Baum fällen – darf es aber nicht

Ein Baum drohe, auf ihr Haus zu stürzten. Das sagt Marion Bossmann. Vorbeugend möchte sie ihn fällen. Das ist aber nicht so leicht. Obwohl er auf ihrem Grundstück steht. Wir waren vor Ort.

Seit Unwettertief „Bernd“ kann Marion Bossmann aus Dingen nicht mehr ruhig schlafen. Sie hat Angst, sagt sie. Davor, dass ein Baum auf ihr Haus an der Dorlohstraße stürzen könnte. Etwas ähnliches hat sie schon einmal erlebt. Damals, im Jahr 2007, beim Sturm Kyrill. „Wir hatten zwei Tannen, eine ist umgefallen, die andere musste danach gefällt werden“, erzählt sie heute, 14 Jahre danach.

Genau wie damals steht der Baum, der ihr heute Angst macht, auf ihrem Grundstück. Diesmal geht es nicht um eine Tanne. Eine große, hundertjährige Esche drohe umzukippen. Das befürchtet zumindest Marion Bossmann. Entweder falle sie auf ihr Haus oder das der Nachbarn, sagt sie beim Ortstermin mit unserer Redaktion.

Die Esche im Garten von Marion Bossmann darf nicht einfach so gefällt werden. Sie ist von der Baumschutzsatzung geschützt.
Die Esche im Garten von Marion Bossmann darf nicht einfach so gefällt werden. Sie ist von der Baumschutzsatzung geschützt. © Jonas Hildebrandt © Jonas Hildebrandt

Der Grund für ihre Sorge: Neben dem Baum verläuft ein kleiner Graben. Dieser sei durch den Starkregen übergelaufen und habe die Erde rundherum weggespült. Eine Mauer ist eingestürzt und in den Graben gefallen.

Der Baum aber steht noch am Rande des Grabens. Marion Bossmann und ihr Ehemann Peter haben Angst davor, dass der Baum bei erneutem Regen unterspült werden könnte und seinen Halt im Boden verliert.

Auch die Feuerwehr schien diese Sorgen der Anwohner zunächst zu teilen. Nach dem Gewitter kam sie mit einem Leiterwagen und bat die Nachbarin, die Nacht woanders zu verbringen – aus Sorge, der Baum könnte auf ihr Haus stürzen. Doch dann kam es anders. Ohne die Esche zu fällen, rückte die Feuerwehr wieder ab.

„Möchte nicht abwarten, bis der Baum kippt“

Das wollten die Bossmanns so nicht hinnehmen. Sie entschieden sich, selber dafür zu sorgen, dass der Baum gefällt wird. Schließlich steht er auf ihrem Grundstück. Dabei sei ihr die Entscheidung nicht leicht gefallen, sagt Marion Bossmann. „Ich bin immer dafür, Bäume zu erhalten.“ Doch die Angst, die Esche könne umkippen, ist größer. „Schließlich kann ja nicht Baum vor Mensch gehen“, meint Marion Bossmann.

Die Esche steht am Rande eines Grabens. Während des Unwetters lief er über. Reste einer eingestürzten Mauer zeugen von der Wucht des Wassers.
Die Esche steht am Rande eines Grabens. Während des Unwetters lief er über. Reste einer eingestürzten Mauer zeugen von der Wucht des Wassers. © Jonas Hildebrandt © Jonas Hildebrandt

Deswegen beauftragte sie ein privates Unternehmen damit, den Baum zu fällen. Schnell kam die Ernüchterung: Einen Baum dieses Ausmaßes zu fällen ist nicht so einfach. Denn die Esche im Garten der Bossmanns ist von der Baumschutzsatzung geschützt.

Das heißt: Um sie fällen zu dürfen, braucht es einen bestimmten Grund. Etwa, dass vom Baum eine Gefahr ausgeht. Marion Bossmann sieht das als gegeben. Der private Baumdienst, den sie beauftragt hat, dagegen nicht. Dessen Fachleute teilten ihr mit, wie sie uns berichtet: „Der Baum steht fest.“ Auch die Feuerwehr habe das so bestätigt.

Trotzdem hat Marion Bossmann nun einen schriftlichen Antrag bei der Stadt gestellt. Dieser werde vermutlich abgelehnt, hätten ihr die Mitarbeiter des Baumdienstes erklärt. Dennoch stellte sie ihn: „Ich möchte nicht abwarten, bis der Baum auf das Dach kippt.“

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