Mitten auf dem Marktplatz haben am Montagabend Corona-Skeptiker eine Mahnwache abgehalten. © Nora Varga
Meinung

Corona-Leugner vor der eigenen Haustür: Ich bin besorgt

Am Montagabend trifft sich eine kleine Gruppe von Menschen auf dem Marktplatz und äußert sich kritisch zum Coronavirus. Für unsere Kommentatorin ist diese Mahnwache ein Grund zur Sorge.

Sie sitzen mit Klappstühlen auf dem Marktplatz, halten sich nicht an Abstände und kritisieren mit angeblichen „Fakten“ das Coronavirus. Man wolle sich nicht mit dem abfinden, was die Obrigkeit einem vorgibt, heißt es. Über Lautsprecher erzählen die Teilnehmer von Kindern, die weinend aus der Schule geschmissen werden, von PCR-Tests, die keine Aussagekraft hätten, und von Impfungen, die gefährlich seien.

Sie nennen sich kritisch, aber ihre Aussagen gehören klar in das Spektrum der Corona-Leugner und das mitten in Castrop-Rauxel. Das Ordnungsamt schreitet trotz kaum eingehaltener Abstände und lascher Maskenmoral nur halbherzig ein.

Solche Mahnwachen sind in meinen Augen aus drei Gründen gefährlich. Zuvorderst: Die angeblichen „Fakten“, die verkündet werden, sind keine Fakten. Wer der Veranstaltung länger als eine Viertelstunde zuhört, wird bombardiert mit aus dem Zusammenhang gerissenen Studien, hanebüchenen Aussagen und Horror-Märchen, die man gehört oder gelesen hat.

Die Minderheit ist laut, aber nicht im Recht

Die Minderheit derer, die ihre Angst vor dem Unbekannten und dem, was sie nicht verstehen, mit lautem Leugnen kompensieren, ist zwar laut, aber deswegen nicht im Recht. Das alternative Narrativ, das sie kreieren, scheint in sich schlüssig, aber die Mehrheit der Wissenschaft und ihre Forschungen passen nun einmal nicht zu den Aussagen der selbst ernannten Experten und Erleuchteten.

Des Weiteren überschatten die Leugner mit ihren extremen Haltungen Debatten, die dringend geführt werden müssen. Ja, wir müssen darüber reden, ob Menschen, die sich nicht impfen lassen wollen, von Teilen des gesellschaftlichen Lebens ausgeschlossen werden dürfen und ja, auch die Debatte über psychische Schäden, die ein Lockdown bei Kindern auslösen kann, muss geführt werden.

Mit falschen Informationen Angst zu schüren und so echten Diskursen in die Parade zu fahren, ist der falsche Weg. Am Ende gehen uns so Debatten verloren, die wir als Gesellschaft brauchen.

Zuletzt sind es solche Veranstaltungen, die nur lasch kontrolliert werden und scheinbar ohne Konsequenzen verlaufen, die die Moral der Menschen sinken lassen, die sich regelkonform verhalten. Masken und Abstände werden zwar von einigen Teilnehmern angemahnt, aber längst nicht alle folgen dem Appell.

Kein entschiedenes Vorgehen von Polizei und Ordnungsamt

Und wenn dann Polizei und Ordnungsamt nicht entschieden gegen Verstöße vorgehen, wundert es nicht, dass das Unverständnis anderer Menschen wächst, immer weitere Maßnahmen in Kauf zu nehmen.

Besonders beunruhigend: Im Verlauf der Veranstaltung lesen die Teilnehmer unsere Berichterstattung, die während der Demonstration im Internet veröffentlicht worden ist. Offen wird dann verkündet, wir würden manipulativ berichten und die Wahrheit verschweigen. Mir als Autorin des Textes wird mulmig, als wir so klar angefeindet werden. Wenn man so was mitten in Castrop-Rauxel auf dem Marktplatz sieht, hat man jeden Grund besorgt zu sein.

Über die Autorin
Volontärin
Jahrgang 2000. Ist in Bergkamen aufgewachsen und nach Dortmund gekommen, um die große, weite Welt zu sehen. Überzeugte Europäerin mit einem Faible für Barockmusik, Politik und spannende Geschichten
Zur Autorenseite
Nora Varga

Ahaus, Heek und Legden am Abend

Täglich um 18:30 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Lesen Sie jetzt