Offene Bastelangebote finden im Treff der Falken in Merklinde statt. © Die Falken
Meinung

Das darf nicht sein: Stadt streicht Gelder in der Jugendarbeit

Wenn die Stadt zwei Offenen Jugendtreffs die Mittel streicht, trifft das die Träger unvorbereitet. Die Leidtragenden sind aber vor allem die Kinder und Jugendlichen, findet unsere Autorin.

Wenn es um die Leidtragenden in der Corona-Pandemie geht, werden immer wieder die Kinder und Jugendlichen genannt. Zu Recht: Je prekärer die Verhältnisse in den Familien, desto mehr litten sie unter den Einschränkungen. Auch die Offenen Jugendtreffs waren zeitweise keine Anlaufstelle mehr für Kinder, die hier Förderung, Freizeitaktivitäten oder einfach ein offenes Ohr finden.

Jetzt geht es langsam wieder los. Doch im Meeting Point in Dorf Rauxel und im Treff der Falken in Merklinde ist die Sorge groß, dass es bald ganz aus ist. Die Stadt will ihnen ab 2022 die Förderung entziehen, so steht es im Kinder- und Jugendförderplan.

Leicht hat sich die Stadt die Entscheidung sicher nicht gemacht. Die Mittel gehen auch nicht verloren. Sie werden nur umverteilt. Trotzdem eine schlechte Entscheidung – und das aus mehreren Gründen.

Kinder aus sozial schwachen Familien haben eine Anlaufstelle

Meeting Point, eine Einrichtung des Evangelischen Kirchenkreises Herne, und der Offene Treff der Falken sprechen beide Kinder aus sozial schwachen Familien an. Auch nach der Corona-Pandemie brauchen die Kinder diese Anlaufstellen. In andere Stadtteile werden sie nicht ausweichen und im Fall des Meeting Points sind die Angebote der Paulus-Kirchengemeinde am gleichen Ort für viele Familien kein annehmbarer Ersatz.

Was außerdem gar nicht geklappt hat, ist die Kommunikation. Über die Inhalte sei man immer im Gespräch gewesen, so die Vertreter beider Träger. Über die finanziellen Pläne seien sie dagegen kurz vor dem Ausschuss informiert worden. Sogar einige der Politiker sollen bei der Sitzung von den Auswirkungen des immerhin fünf Jahre geltenden Kinder und Jugendförderplans überrascht worden sein.

Gründe für Entscheidung wurden zu spät und unzureichend benannt

Nur mit einem Satz auf fehlende Wirksamkeit hinzuweisen, ohne die Träger im Vorfeld genauer über die Gründe zu informieren: Auch das ist schlechter Stil. Eine Bewertung der Arbeit in der Coronazeit, also seit mehr als einem Jahr, ist ja nur schlecht möglich. Defizite oder neue Zielsetzungen hätten schon vor Langem angesprochen werden können. Jetzt gab es keine Chance, zu reagieren.

Die Entscheidung hat weitere Konsequenzen. Die Falken werden die Räume und damit auch ihre Verbandsarbeit für Kinder und Jugendliche an diesem Ort aufgeben müssen. Die Pauluskirchengemeinde könnte sich kritischen Fragen ausgesetzt sehen, ob sich ein Gemeindehaus, das weit weniger genutzt würde, noch finanziell trägt. Doch mehr noch als die beiden Träger sind Kinder und Jugendliche die Leidtragenden. Ihnen wurde in der Pandemie viel abverlangt. Jetzt sollten sie eher mehr als weniger Förderung bekommen. Das sollte der Stadt 37.000 Euro Wert sein.

Über die Autorin
Redakteurin für Castrop-Rauxel und den Dortmunder Westen

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