„Wieder geöffnet“ - aber unter welchen Bedingungen? Durch das Corona-Regel-Wirrwarr steigt niemand mehr durch. © picture alliance/dpa
Meinung

Die Corona-Regeln versteht niemand mehr: Vereinfacht sie radikal!

Die Corona-Zahlen sinken, doch der Regel-Dschungel wird immer komplizierter. Absurde Beispiele häufen sich. Unser Autor fordert: Verschlankt die Regeln und führt uns raus aus dem Chaos!

Am Freitag habe ich mit einem Castrop-Rauxeler Fußball-Funktionär telefoniert. Der Mann hatte zwei Corona-Fragen: Dürfen unsere Vereinsmitglieder jetzt ohne Test trainieren? Und können wir Zuschauer einfach so auf den Platz lassen?

Die erste Frage meinte ich schnell beantworten zu können: „Ja, auch Kontaktsport ist ohne Test erlaubt.“ Doch der Funktionär hatte anderes gelesen. Und tatsächlich: Hätte man der Regel-Übersicht des Landes (und der identischen Übersicht des Kreises) geglaubt, hätten nur Sportler drinnen (!) ohne Test trainieren dürfen. Erst die eigentliche Corona-Schutzverordnung verschaffte Klarheit: Auch draußen ist Kontaktsport ohne Test erlaubt.

Antwort schien einfach

Die zweite Antwort war scheinbar ebenfalls einfach. In den Regel-Übersichten von Kreis und Land ist nur eine einzige Einschränkung für Zuschauer am Sportplatz aufgeführt – maximal jeder dritte Platz auf der Anlage darf besetzt sein. Das sagte ich dem Funktionär.

Doch Stunden später kam der zweite Anruf: „Die Stadt schreibt was anderes.“ Und tatsächlich: Wenn man in der Corona-Schutzverordnung des Landes im Paragrafen 14 von Absatz 4 zu Absatz 3 zu Absatz 2, Nummer xy, Buchstabe sowieso springt, erfährt man, dass der Verein die Kontakt-Nachverfolgung bei Zuschauern sicherstellen muss – was für ihn einen Heiden-Aufwand bedeutet.

Gemeinsam haben wir noch ermittelt, dass die gleichen Sportler, die auf dem Platz gemeinsam jubeln dürfen, in der Kabine mit 1,50 Meter Abstand zu einander sitzen müssen.

Diese Beispiele zeigen den Irrsinn der Corona-Regeln. Wir ersticken in einem Wust an Vorschriften, die selbst jene nicht mehr durchschauen, die täglich damit zu tun haben und die auf ganz offiziellen Seiten der öffentlichen Verwaltung widersprüchlich stehen.

100 Gäste bei Partys, 250 bei anderen Privatveranstaltungen

Es gibt weitere Beispiele: Partys sind außen mit 100 Gästen erlaubt. Bei anderen „privaten Veranstaltungen“ sind es 250 Gäste, die müssen aber Abstand halten. Alles klar?

Das „Sahnehäubchen“: Es sind nicht einmal alle Regeln auf den 32 Seiten der Coronaschutzverordnung aufgelistet. Zum Thema Schule muss man etwa andernorts schauen, ebenso zur Frage, warum an standesamtlichen Trauungen weniger Menschen teilnehmen dürfen als bei anderen Innen-Veranstaltungen.

Definitiv gilt: Das Chaos ist zu groß, die Regeln zu unübersichtlich. Die Landesregierung muss die Coronaschutzverordnung radikal verschlanken. Überflüssiges muss genauso raus wie Regeln, die sich ohnehin von niemandem kontrollieren lassen, anderes, wie Partys und sonstige Privatveranstaltungen, gehört zusammengefasst. Die Bürger werden es der Politik danken – und die Mitarbeiter des Ordnungsamtes auch.

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Fühlt sich in Castrop-Rauxel und im Dortmunder Westen gleichermaßen zu Hause. Mag Politik, mag Kultur, mag Sport, respektiert die Wirtschaft und schreibt zur Not über alles, was anfällt.
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Matthias Langrock

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