In Castrop-Rauxel gibt es nicht genug Kita-Plätze. Für einige Mutter wird das problematisch. © picture alliance/dpa
Meinung

Die fehlenden Kitaplätze sind eine Schande für die Gleichberechtigung

Nicht alle Kinder in Castrop-Rauxel bekommen einen Kita-Platz. Einige von ihnen dürfen allerdings auch nicht mehr zur Tagesmutter. Das benachteiligt Mütter, meint unsere Autorin.

Es gibt im Kreis Recklinghausen eine bedenkliche Grauzone. Kinder, die über drei Jahre alt sind, dürfen nicht von einer Tagesmutter betreut werden. Der Kitaplatz-Mangel führt nun dazu, dass es Kinder gibt, die weder in den Kindergarten gehen können noch in bei einer Tagespflege unterkommen. Die Eltern werden mit diesem Problem allein gelassen. Von der Stadt gibt es kein Auffangnetz für diese Fälle außer einer Dring­lich­keits­lis­te, die keines der akuten Betreuungsprobleme in den Familien löst.

So was darf im Jahr 2021 nicht mehr sein. Am Ende sind es oft die Mütter, die doch noch mit der Jobsuche warten, länger zu Hause bleiben oder im schlimmsten Fall ihren Beruf ganz aufgeben. Frauen wird subtil die Möglichkeit genommen, Familie und Karriere unter einen Hut zu bekommen.

Natürlich kommen jetzt wieder spitzfindige Gleichmacher, die erklären, dass Männer genauso von der Regelung diskriminiert werden. Auf dem Papier mag das so sein, aber in der Realität bleibt die Betreuung der Kinder häufig noch an den Müttern hängen.

Nur 37 Prozent der Mütter von Unter-Dreijährigen arbeiten, aber 90 Prozent der Väter. Sind die Kinder zwischen drei und fünf Jahren alt, arbeiten 74 Prozent der Mütter und 93 Prozent der Väter. So geht es aus den Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor. Und selbst wenn die Mütter wieder arbeiten, dann nur seltenst in Vollzeit.

Mütter müssen die Wahl haben

Mütter, die sich aus freien Stücken für Familie und gegen Karriere entscheiden, dürfen diese Entscheidung treffen. Genauso wie Väter. Werden Eltern aber von den Regelungen an die Wand gedrängt und müssen sich entscheiden, geben oft die Mütter ihren Job auf. Das kann nicht sein. Es muss mehr Kitaplätze geben und außerdem die Möglichkeit, sein Kind bis zur Einschulung in der Tagespflege zu lassen.

Auch wenn die Betreuung in der Tagespflege für ältere Kinder nicht mehr optimal ist, sie ist in jedem Fall besser als zu Hause mit der Mutter zu sitzen, die sich grämt, weil sie nicht arbeiten gehen kann. Die aktuelle Regelung benachteiligt Frauen und ist eine Schande für die Gleichberechtigung. Das können wir uns als Gesellschaft nicht mehr leisten.

Über die Autorin
Volontärin
Jahrgang 2000. Ist in Bergkamen aufgewachsen und nach Dortmund gekommen, um die große, weite Welt zu sehen. Überzeugte Europäerin mit einem Faible für Barockmusik, Politik und spannende Geschichten
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Nora Varga

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